Als Dtravel im Sommer 2021 lanciert wurde, befand sich die Reisebranche in einer Phase des Umbruchs. Die Pandemie hatte digitale Geschäftsmodelle beschleunigt, zugleich wuchs die Kritik an den grossen Buchungsplattformen. Hohe Kommissionen, geringe Mitsprache und Abhängigkeiten beschäftigten viele Gastgeber.[RELATED]
Dtravel versprach damals einen Gegenentwurf. Die Plattform wollte Ferienvermietungen mithilfe der Blockchain-Technologie organisieren und sich als «Online-Kooperative» positionieren. Nutzerinnen und Nutzer sollten nicht nur buchen oder vermieten, sondern über Regeln und Gebühren mitbestimmen können.
DAO statt klassische Firmenstruktur
Besonders neu war das Konzept der sogenannten DAO, einer dezentralisierten autonomen Organisation. Entscheidungen sollten nicht von einer Konzernleitung gefällt werden, sondern gemeinschaftlich durch die Besitzer digitaler Token. Damit griff Dtravel eine Grundidee der frühen Plattformökonomie auf: mehr Teilhabe statt zentralisierter Kontrolle.
Die Euphorie rund um Kryptowährungen verlieh solchen Projekten zusätzlichen Rückenwind. Blockchain galt als Technologie, die Vermittler überflüssig machen und Prozesse automatisieren könnte. Auch die Reisebranche experimentierte damals mit neuen Zahlungsformen, digitalen Loyalitätsprogrammen und automatisierten Abläufen.
Sommerserie
Die Serie «Heute vor fünf Jahren» blickt auf Meldungen zurück, die den Tourismussektor und die Hotel- sowie Gastrobranche 2021 geprägt haben.
Zwischen Vision und Realität
Rückblickend zeigt der Fall Dtravel, wie die Krypto-Welt 2021 in touristischen Geschäftsmodellen Fuss fassen wollte. Viele Ideen wirkten visionär, gleichzeitig blieb unklar, wie alltagstauglich solche Systeme tatsächlich waren. Fragen zu Datenschutz, Nutzerfreundlichkeit und Regulierung begleiteten die Debatte von Beginn an.
Die grossen Buchungsplattformen dominieren den Markt bis heute. Dennoch markierte Dtravel einen Moment, in dem die Reisebranche begann, intensiv über digitale Mitbestimmung, neue Eigentumsmodelle und alternative Vertriebswege nachzudenken. (redaktion/bb)