Der Nahost-Konflikt und die damit verbundenen Störungen im internationalen Flugverkehr setzen dem Schweizer Tourismus zu. Vor allem Gäste aus Asien reisen seit Ausbruch des Konflikts Ende Februar seltener nach Europa und in die Schweiz. Das bekommen auch international beliebte Schweizer Ausflugsziele zu spüren. 

Die jüngsten Daten des Bundesamts für Statistik (BFS) bestätigen den Negativtrend: Die Zahl der Logiernächte in Schweizer Hotels sank von Januar bis August gegenüber dem Rekordjahr 2025 um 0,7 Prozent auf 30,2 Millionen. Besonders deutlich waren die Rückgänge bei Gästen aus Indien (-23 %), den Golfstaaten (-16 %) und China (-7 %).

Ein wesentlicher Grund dafür sind die Störungen im Flugverkehr. Seit Ausbruch des Iran-Kriegs sind beliebte und vergleichsweise günstige Flugverbindungen über Drehkreuze wie Dubai, Abu Dhabi oder Doha und damit wichtige Routen zwischen Asien und Europa erheblich beeinträchtigt.

Stornierungen aus Indien

Die Flaute bei den Fernreisenden trifft beliebte Ausflugsziele. So sank die Gästezahl auf dem Jungfraujoch im ersten Halbjahr um knapp ein Fünftel auf rund 390'000. Vor allem aus Indien und Südostasien seien deutlich weniger Besucher gekommen, erklärt eine Sprecherin der Jungfraubahn-Gruppe der Nachrichtenagentur AWP.

Im indischen Markt würden Reisen für die Hauptsaison im April, Mai und Juni üblicherweise kurzfristig im Februar und März gebucht, so die Sprecherin. «In diesem Jahr fiel diese Buchungsperiode mit dem Ausbruch des bewaffneten Konflikts im Nahen Osten zusammen. In der Folge buchten indische Reiseveranstalter weniger Reisen oder verschoben diese.»

Die Jungfraubahn-Gruppe profitiert allerdings von einer breit diversifizierten Gästestruktur. Neben Indien zählen unter anderem China, Japan, Taiwan, die USA, Brasilien, die Schweiz und verschiedene europäische Länder zu den wichtigen Herkunftsmärkten.

Ähnliche Entwicklungen zeigen sich am Titlis. Im Winterhalbjahr von November 2025 bis April 2026 brach die Zahl der Ersteintritte internationaler Gruppenreisender laut dem Geschäftsbericht um ein Fünftel auf 105'000 ein. Bei Individualreisenden fiel der Rückgang mit knapp zwei Prozent auf 139'000 deutlich geringer aus.

Gornergrat hält sich solide – Boom am Schilthorn

Die BVZ-Gruppe, zu der unter anderem die Gornergratbahn in Zermatt und der Glacier Express gehören, spürt die Folgen des Konflikts weniger stark. Zwar hätten Gruppen aus asiatischen Märkten nach Kriegsausbruch Reisen storniert. Gäste aus Nordamerika, Japan, China und Australien sorgten aber für Stabilität, teilte das Unternehmen im August mit.

Die Zahl der Reisenden auf den Gornergrat sank im ersten Halbjahr um 3,5 Prozent auf 404'000. Beim stärker auf internationale Gäste ausgerichteten Glacier Express, den die BVZ gemeinsam mit der Rhätischen Bahn betreibt, ging der Ertrag um 5 Prozent zurück.

Einen regelrechten Gäste-Boom verzeichnete dagegen die Schilthornbahn. Im laufenden Jahr seien rund 30 Prozent mehr Besucher als im Vorjahr auf dem «Piz Gloria» begrüsst worden, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. Gründe seien die starke Nachfrage aus den USA und Europa sowie die neue Direktverbindung zwischen Stechelberg und Mürren, die als «steilste Seilbahn der Welt» beworben wird.

Auch die gesamte Seilbahnbranche blickt auf einen erfolgreichen Sommer zurück. Laut dem Verband Seilbahnen Schweiz stieg die Zahl der Ersteintritte in der Sommersaison gegenüber dem Vorjahr um 10 Prozent. Die hohen Temperaturen hätten vor allem Tagesausflügler in gut erreichbare Berggebiete zwischen 1000 und 2000 Metern über Meer gelockt.


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Stabilisierung im Geschäft mit Touristen aus Asien

Im internationalen Geschäft stabilisieren sich die Besucherzahlen langsam, wie KOF-Ökonom Tim Reinicke festhält. Der Rückgang bei Gästen aus Asien habe sich in den vergangenen Monaten abgeschwächt. «Vom früheren Niveau sind wir aber noch ein gutes Stück weit entfernt», so der Tourismusexperte.

Die Lage bleibe von hoher Unsicherheit geprägt. Immerhin hätten die Konjunktursorgen zuletzt etwas nachgelassen und die Konsumentenstimmung scheine sich zu verbessern. Das Wintergeschäft in der Schweiz hänge zudem weniger stark von den Fernmärkten ab. Entscheidend sei vor allem die Wetterentwicklung.

Auch bei den Jungfraubahnen zeigt sich eine leichte Besserung. In den Monaten Juli und August (bis 23. August) hätten sich die Besucherzahlen gegenüber dem schwachen zweiten Quartal erholt. Auf dem Jungfraujoch lagen sie allerdings weiterhin gut 10 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Besser entwickelten sich die Erlebnisberge wie Harder Kulm in Interlaken mit einem Gästeplus von rund 5 Prozent.

Für die kommenden Monate bleiben die Jungfraubahnen vorsichtig. Das dritte und vierte Quartal dürften weiterhin von Unsicherheiten im Zusammenhang mit den Kriegen im Nahen Osten und in der Ukraine sowie der Konjunktur-, Preis- und Währungsentwicklung geprägt sein. Langfristig bleibe das Reisen weltweit aber ein Grundbedürfnis. (awp-sda)