Ein Branchenkomitee aus Tourismus, Hotellerie, Gastronomie und Bergbahnen hat in Basel gegen die sogenannte Chaos-Initiative Stellung bezogen. An einem Medienanlass warnten die Beteiligten vor möglichen Folgen für den Arbeitsmarkt, die internationale Anbindung und touristische Wertschöpfung.

«Die Chaos-Initiative trifft den Tourismus besonders hart. Denn das Freizügigkeitsabkommen ist für unsere Branchen grundlegend», sagte Philipp Niederberger, Direktor des Schweizer Tourismus-Verbands, zum Auftakt des Medienanlasses.

Kein Gastrobetrieb funktioniert ohne ausländische Mitarbeitende.
Beat Imhof, Präsident von GastroSuisse

Fachkräfte fehlen, Qualität steht unter Druck
Der Schweizer Tourismus ist auf Fachkräfte aus den EU- und EFTA-Staaten angewiesen. In Hotellerie und Gastronomie stammen über 30 Prozent der Arbeitskräfte aus diesem Raum. Beat Imhof, Präsident von GastroSuisse, sagte am Podium: «Kein Gastrobetrieb funktioniert ohne ausländische Mitarbeitende.» Betriebe müssten Angebote reduzieren, Öffnungszeiten einschränken oder Leistungen abbauen.

Steigende Kosten und weniger Angebot treffen den ganzen Tourismus
Die Initiative betrifft nicht nur einzelne Betriebe, sondern die gesamte touristische Wertschöpfungskette einschliesslich des Freizeittourismus. Hotels, Restaurants, Bergbahnen sowie Freizeit- und Kulturangebote stehen bereits heute unter Kostendruck, insbesondere beim Personal.

Es würde vor allem die kleinen Betriebe treffen, die von Skalierungseffekten weniger profitieren können.
Martin von Moos, Präsident HotellerieSuisse

Verschärft sich der Fachkräftemangel, dürften die Kosten weiter steigen. Viele Betriebe könnten diese Mehrkosten jedoch nur begrenzt weitergeben, da Gäste und einheimische Gäste höhere Preise bei tieferer Qualität kaum akzeptieren würden. HotellerieSuisse-Präsident Martin von Moos sagte: «Es würde vor allem die kleinen Betriebe treffen, die von Skalierungseffekten weniger profitieren können.» In tourismusabhängigen Regionen wären die Auswirkungen besonders deutlich spürbar.

Basel wird als offen, zugänglich und gut erreichbar wahrgenommen. Das würde eingeschränkt.
Letizia Elia, CEO von Basel Tourismus

Basel und der Städtetourismus besonders exponiert
Auch Städte würden die Folgen rasch spüren. Letizia Elia, CEO von Basel Tourismus, sagte: «Basel wird als offen, zugänglich und gut erreichbar wahrgenommen. Das würde eingeschränkt.» Gerade für den Kongress- und Geschäftstourismus sei die internationale Vernetzung zentral. Hinzu komme die Bedeutung der Grenzgängerinnen und Grenzgänger aus Deutschland und Frankreich, die in vielen Branchen tätig sind. Ohne sie würde auch der touristische Alltag in der Region unter Druck geraten.

Erreichbarkeit der Schweiz steht auf dem Spiel
Die Chaos-Initiative schwächt zudem die internationale Anbindung der Schweiz. Sie setzt zentrale Verkehrsabkommen mit der EU sowie die Teilnahme am Schengen-Raum aufs Spiel.

Eine schlechtere Erreichbarkeit und zusätzliche Einreisehürden würden die Nachfrage internationaler Gäste spürbar dämpfen.
Frédéric Füssenich, CEO der Rigi Bahnen

Für den Tourismus hätte dies unmittelbare Folgen. Frédéric Füssenich, CEO der Rigi Bahnen, sagte: «Eine schlechtere Erreichbarkeit und zusätzliche Einreisehürden würden die Nachfrage internationaler Gäste spürbar dämpfen». Gäste aus der EU generierten im vergangenen Jahr über neun Millionen Übernachtungen in der Schweiz. Insgesamt gaben ausländische Gäste 2024 rund 20 Milliarden Franken aus. Zudem sorgen diese Gästesegmente für eine gleichmässigere Auslastung der Infrastruktur, da sie auch in Zwischen- und Nebensaisons reisen. Wer die Beziehungen zur EU aufs Spiel setzt, schwächt damit zentrale Grundlagen des Schweizer Tourismus. (mm/bb)


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