Ende Juli starb 88-jährig Andreas J. Gredig, der als Besitzer und Gastgeber des renommierten Hotel Flüela in Davos den Aufstieg des Bündner Kurorts zur etablierten Sport- und Weltkongressdestination massgeblich mitgeprägt hat. Der Bonvivant pflegte bis ganz zum Schluss seine Liebe zum Reisen und schönen Herbergen.
Aufgewachsen in einer Hoteliersfamilie verlor Andres, wie er sich selber nannte, bereits als Teenager seinen Vater. Um für die Führung des 1868 erbauten 5-Sterne-Hauses «Flüela» gerüstet zu sein, wurden ihm Lehr- und Wanderjahre zugestanden, die ihn nachhaltig prägen sollten.
Längere Aufenthalte in bekannten Häusern wie im Londoner «Dorchester» oder im «Plaza Athénée» in Paris trugen massgeblich dazu bei, dass Gredigs Horizont zeit seines Lebens weit über sein geliebtes Landwassertal hinausging. Die Tatsache, dass er als junger Mann das «Dolce Vita» von Fellinis Rom miterlebte oder auf dem Bürgenstock die Hollywood-Prominenz begrüssen durfte, prägte jene ureigene Mischung, die ihn als «Flüela»-Patron über 50 Jahre lang auszeichnete: ein Kosmopolit, der Weltläufigkeit und Bodenständigkeit ebenso zusammenbrachte wie Leichtigkeit und Qualität.
Das von Herzen kommende Willkommen des aufmerksamen Hoteliers durfte ich über dreissig Jahre lang erleben. Welch wunderbare Erinnerungen!
Altbundesrat Arnold Koller
Ein Gastgeber, der dem Gast gibt, wonach er sucht: Erstklassige Hotellerie, aber auch ein Gefühl des Heimkommens und des persönlich gekannt zu werden. Bei jedem «Arrivée» und «Départ» an der Réception zu stehen, war für den Inhaber deshalb selbstverständlich. Altbundesrat Arnold Koller, ein regelmässiger Gast im «Flüela», schätzte dies: «Das von Herzen kommende Willkommen des aufmerksamen Hoteliers durfte ich über dreissig Jahre lang erleben. Welch wunderbare Erinnerungen!»
Peter Hartmann, Ex-Chefredaktor des Tages-Anzeigers, bezeichnete Gredig einst als «Präsidenten der Republik Flüela» und schrieb: «Diese Balance zwischen präsidialer Eleganz, Spontaneität und Lebensfreude zeichnete den grossen Hotelier aus.»
Nicht nur bei den Gästen hinterliess Gredig einen nachhaltigen Eindruck. Mitarbeitende – teilweise jahrzehntelang im Haus – nannten den Patron zuweilen liebevoll «Papi Gredig». Er sei ein strenger, aber immer wertschätzender und humorvoller Chef gewesen, der jeden Morgen gut gelaunt das ganze Team namentlich begrüsste, erinnern sich viele.
Für Davos, das sich nach den Kriegsjahren als Sport- und Kongressort neu erfand, war Gredig in mehrfacher Hinsicht ein Glücksfall: als Hotelinnovator, im Verwaltungsrat der Parsennbahn oder im Kur- und Verkehrsverein. Als 1971 das European Management Symposium, der Vorläufer des heutigen World Economic Forum, erstmals stattfand, war der Verstorbene einer der wichtigsten Fürsprecher vor Ort. WEF-Gründer Klaus Schwab erinnert sich: «Die sogenannten Manager waren damals irgendwie suspekt. Es war Andreas Gredig, der Vertrauen in die neue Initiative hatte und mit seiner herausragenden Stellung dafür sorgte, dass man dem Symposium eine Chance gab. Als Hotelier hat er seine Gäste nicht nur zufrieden gemacht, sondern es verstanden, ihnen das Glück des Wohlbefindens zu vermitteln.»
Gredig war traditionsbewusst, aber auch pragmatisch und progressiv. «Ihr solltet das Hotel nur übernehmen, wenn ihr Freude daran habt, sonst macht es keinen Sinn», sagte er seinen drei Kindern Andy, Urs und Anja schon früh. Deshalb fiel es ihm auch nicht schwer, 2011 das «Flüela» in andere Hände zu geben, um danach seinen Lebensabend im Kreis der Familie zu geniessen.
Er sei ein «Glückskind» gewesen, sagte Gredig einmal über sich selbst. Kein Wunder für einen, der als junger Soldat während seiner Wiederholungskurse in Bern im Hotel Schweizerhof zu nächtigen pflegte oder in seinem Familienbetrieb weltberühmte Gäste wie Nelson Mandela, Bill Clinton, Angelina Jolie oder den heutigen König Charles III. begrüssen durfte.
Nun ist er weitergezogen, mit sich selbst im Reinen, nach einem wunderschönen Leben, wie er seiner Familie auf dem Sterbebett sagte. Mit Andreas J. Gredig ist eine prägende Persönlichkeit der Schweizer Hotellerie gegangen.
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Oliver Meier