Er kenne das Gebiet bei Isleten schon seit 14 Jahren, sagte Samih Sawiris vor den über 600 anwesenden Personen in der Rollhockeyhalle in Seedorf. Er habe selber ein Boot auf dem Urnersee, und die Idee, das Areal aufzuwerten, schwebe ihm schon lange vor.

Der schlechte Zustand des Areals der ehemaligen Sprengstofffabrik Cheddite mit den vielen Altlasten habe ihn nicht davon abgehalten, die Gedanken weiterzuspinnen. «Es wäre schade um dieses Stück Land, wenn es brach liegen würde», sagte Sawiris. Das nötige Land konnte er bereits im vergangenen Dezember erwerben.

Der ägyptische Investor betonte aber auch, dass alles, was an diesem Abend präsentiert werde, noch nicht viel mehr sei als eine Idee. Bis zu einem endgültigen Projekt sei der Weg noch lange. Auf keinen Fall aber wolle er eine Idee verwirklichen, hinter der die Bevölkerung nicht stehe. «Ich mache nichts, was ihr nicht wollt.»

Das Ziel sei es, das Industrieareal touristisch zu nutzen, sagte alt Regierungs- und Ständerat und Projektleiter der Isen AG, Isidor Baumann. Man wolle einen sanften Tourismus betreiben und einen uneingeschränkten Zugang für die Öffentlichkeit ermöglichen.

Ich mache nichts, was ihr nicht wollt.

Samih Sawiris, Investor

Platz für bis zu 50 Boote
Konkret möchte Samih Sawiris, der bereits Andermatt aus dem Dornröschenschlaf erweckt hatte, am Urnersee eine künstliche Bucht im Landesinnern erstellen, an der bis zu 50 Boote anlegen können. [RELATED]

Angedacht sind maximal 25 fixe Bootsplätze. «Am Ufer sollen keine Boote anlegen, es soll für alle zugänglich sein», versicherte Baumann.

Die Projektidee sieht auch vor, die Kantonsstrasse vom See weg zu verschieben. Wer diese Verlegung bezahlen würde, müsste noch ausgehandelt werden. «Es wird eine Lösung geben, hinter der alle stehen können», versicherte Baumann.

50 Hotelzimmer und 100 bewirtschaftete Wohnungen
Geplant ist auch ein Hotel im 3- oder 4-Sterne-Segment mit rund 50 Hotelzimmern sowie rund 100 hotelmässig bewirtschafteten Wohnungen. Und das ÖV-Angebot soll ausgebaut werden. In welchem Zeitrahmen das alles entstehen könnte, sei nicht klar. Eine Verwirklichung könne fünf, aber auch zehn Jahre dauern, sagte Baumann.

Die beiden anwesenden Gemeindepräsidenten von Seedorf und Isenthal, Toni Stadelmann und Erich Infanger, stellten sich hinter die Umnutzung der Industrie- in eine Tourismuszone. Der heutige Zustand des Areals sei unbefriedigend, sagte Infanger. Eine ganzheitliche, touristische Entwicklung biete grosse Chancen.

Auch die Urner Regierung stehe hinter der Transformation der Industriebrache, wie der Urner Justizdirektor Daniel Furrer (CVP) sagte. Es sei ein Gebiet mit grossem Entwicklungspotenzial. Der Tourismusschwerpunkt Urnersee könne mit dem Projekt gestärkt werden. Eine Umnutzung solle auf jeden Fall nachhaltig sein, sagte Furrer.

Optimistischer Sawiris
Ursprünglich schwebte Sawiris die Idee von zwei Marinas am Urnersee vor: Eine in Flüelen, eine zweite in Isleten. Die Hafenpläne in Flüelen wurden jedoch nach heftigem Widerstand versenkt. So beschränkte sich Sawiris auf die Idee eines Hafens auf dem Areal der ehemaligen Sprengstofffabrik.

Aber auch diese Idee erfuhr bereits Gegenwind: Über 3700 Personen unterschrieben eine Petition gegen die Hafenpläne, welche die Grünen Uri Ende März eingereicht hatten. Auf die Frage, was mit dem Areal passieren werde, falls auch die Isletenidee auf zu grossen Widerstand stosse, antwortete Samih Sawiris mit einem Schmunzeln: «Ich könnte alles so stehen lassen. Oder ich könnte das Areal meiner Tochter verkaufen und die baut sich dann dort eine teure Villa.» Er sei optimistisch gestimmt und überzeugt: «Am Ende werden wir einen Kompromiss finden.» Das sei auch in Andermatt so gewesen.

Kompromissbereit
In der anschliessenden Fragerunde wünschte sich ein Anwesender statt Sawiris Projekt ein Projekt von Kanton und Gemeinden. Und erntete dafür Applaus. Sawiris dazu: «Wenn Kanton und Gemeinden dort lieber selber etwas verwirklichen wollen, dann bin ich dafür zu gewinnen.» Es gehe ihm nicht darum, in Isleten grossen Gewinn zu erzielen. «Das machen wir in der Andermatt.»

Auf die Frage, ob er sich vorstellen könnte, einen Campingplatz in sein Projekt zu integrieren, sagte Sawiris: «Ja, klar, ein Campingplatz wäre ein guter Ausgleich zu den geplanten Hotelzimmern.»


Landschaftsschutzverband fordert Schritt zurück

Die Idee von Samih Sawiris passe mit seinem Ausdruck und seinen Dimensionen nicht in die geschützte Landschaft des Urnersees, ist der Landschaftsschutzverband Vierwaldstättersee (LSVV) überzeugt. Er fordert einen Schritt zurück, «bevor die Planer weiterzeichnen und die Bagger auffahren».

Gemäss der Baukultur-Strategie des Bundes sei eine Nutzung möglich, wenn sie aus der baukulturellen Vergangenheit abgeleitet werden könne, schreibt der LSVV in einer Medienmitteilung.

Die Entwicklung des Areals müsse von den landschaftlichen und baukulturellen Werten ausgehen. Und darüber müsse erst eine breite gesellschaftliche Diskussion stattfinden.

Das Marina-Projekt von Sawiris würde die Landschaft des Urner Sees in historischem Ausmass verändern. Bisher prägte sanfter Tourismus den See, mit einer Marina solle nun der Motorbootssturm auch in diese ruhige Ecke des Vierwaldstättersees gelotst werden, heisst es weiter.

Die Halbinsel Isleten gehöre zum Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN). Diese Landschaftsperlen erforderten «höchste Schonung», so der LSVV. (sda/htr)