Viele touristische Vorhaben haben eine grosse regionale Bedeutung, sind aber nicht direkt monetarisierbar: Erlebniswege, Mountainbike-Trails oder Klettersteige erhöhen die Attraktivität einer Destination, generieren jedoch oft nur begrenzt direkte Einnahmen beim Projektträger. Der Nutzen entsteht entlang der Wertschöpfungskette – bei Beherbergung, Gastronomie, Bergbahnen, Detailhandel oder Mobilitätsanbietern. Die Neue Regionalpolitik (NRP) trägt diesem Mechanismus Rechnung und kann so regionale Impulse auslösen, die über einzelne Betriebe hinauswirken. [RELATED]
Ohne die NRP sind viele Projekte nicht realisierbar
Gerade in strukturschwachen, jedoch touristisch relevanten Regionen ermöglicht die NRP sowohl den Bau touristischer Infrastruktur als auch Kooperationen und die Entwicklung neuer Angebote. In der Förderperiode 2016–2023 wurden über 2600 Projekte mit rund 240 Millionen Franken A-fonds-perdu-Beiträgen und knapp 320 Millionen Franken Darlehen unterstützt. Die Kantone sind verpflichtet, die Mittel des Bundes in jeweils mindestens gleicher Höhe zu ergänzen, und auch die Projektträger bringen sich finanziell sehr stark ein. Jeder vom Bund eingesetzte Franken mobilisierte so das Fünffache an Investitionen.
Verlässliche Regionalpolitik ist für den Tourismus unverzichtbar.
Zahlreiche NRP-Projekte zeigen, wie gezielte Förderung touristische Innovationen möglich macht: Das interkantonale Projekt «Nouvelle offre touristique sur les Trois-Lacs» rund um Bieler-, Murten- und Neuenburgersee schuf neue touristische Angebote im Einklang mit Natur und Kulturerbe und stärkte die regionale Zusammenarbeit. Die «Digitale Dorfstrasse» in Adelboden zeigt, wie naturnahe und agrotouristische Angebote digital vernetzt und zusätzliche Einkommensmöglichkeiten generiert werden können. Und in Neuenburg ermöglicht die Digitalisierung der Neuchâtel Tourist Card die komfortable Nutzung von Verkehr und Freizeitangeboten sowie die digitale Analyse von Besucherströmen – ein Projekt, das ohne NRP-Unterstützung nicht realisierbar gewesen wäre.
Regionale Förderung braucht Verlässlichkeit
Im Rahmen des Entlastungspakets 27 wollte sich der Bundesrat aus der NRP zurückziehen, was das Ende dieser Erfolgsgeschichte bedeutet hätte. Gemeinsam mit seinen Partnern konnte der Schweizer Tourismus-Verband jedoch aufzeigen, dass ein Rückzug des Bundes die für die Berg- und Randregionen zentrale touristische Infrastruktur und die Angebotsvielfalt massiv beeinträchtigt hätte. Das Parlament folgte dieser Argumentation und lehnte die geplante Gesetzesänderung ab.
Das Parlament sendet ein starkes Signal an den Bundesrat: Angesichts zentraler Herausforderungen wie Klimawandel, Digitalisierung und Fachkräftemangel ist eine verlässliche Regionalpolitik für den Tourismussektor unverzichtbar. Sie schafft die Basis für langfristige Investitionen, innovative Kooperationen und neue Arbeitsplätze. Die NRP treibt die wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklung der Berg- und Randregionen voran und ist ein entscheidender Hebel für die Zukunft des Schweizer Tourismus.
Samuel Huber ist Leiter Politik beim Schweizer Tourismus-Verband (STV)
