Grossanlässe sorgen für Gäste und internationale Sichtbarkeit. Gleichzeitig erhöhen sie den Druck auf Verkehr, Unterkünfte und Bevölkerung. Über dieses Spannungsfeld diskutierten Benjamin Dietsche, General Manager des Widder Hotel Zürich, und Dennis Schiergen, Head of Racing beim White Turf St. Moritz, am STC-Talk der Swiss Traveler Communicators.
Benjamin Dietsche sieht Events als wichtigen Faktor für die Entwicklung Zürichs von der Business- zur Freizeitdestination. Früher stammten rund 70 Prozent der Gäste des Widder Hotel aus dem Business-Segment. Heute sei das Verhältnis nahezu umgekehrt. Veranstaltungen wie das Zürich Film Festival sorgten für internationale Gäste und zusätzliche Sichtbarkeit. Selbst die Art Basel sei in den Zürcher Hotels spürbar.
St. Moritz stösst an Grenzen
In St. Moritz zeigt sich dagegen, welche Belastungen Grossanlässe mit sich bringen können. Der White Turf findet während der Hochsaison auf dem gefrorenen St. Moritzersee statt. Gleichzeitig sind Unterkünfte knapp und die Verkehrswege stark ausgelastet. «Wir arbeiten eng mit der Gemeinde zusammen», sagte Dennis Schiergen. Handlungsbedarf bestehe insbesondere beim Verkehr. Während des White Turf könne die 7 Kilometer lange Fahrt zwischen St. Moritz und Samedan im Stau bis zu zwei Stunden dauern.
Um die Bevölkerung stärker einzubeziehen, setzt der White Turf unter anderem auf einen Family Day. Dieser sei zwar nicht profitabel, werde von der lokalen Bevölkerung jedoch gut aufgenommen.
Ein weiteres Problem betrifft die Unterbringung von Mitarbeitenden. Trainer, Betreuungspersonen und Stallpersonal des White Turf müssen teilweise nach Pontresina oder Samedan ausweichen.
Frauen-EM als Beispiel für dezentrale Planung
In der anschliessenden Diskussion wurde die Frauen-Fussball-EM 2025 als positives Beispiel genannt. Das Turnier fand in acht Schweizer Städten statt. Die dezentrale Organisation zeige, wie sich Besucherströme auf mehrere Destinationen und bestehende Infrastrukturen verteilen lassen.
Ähnliche Überlegungen spielten bei der Diskussion über mögliche Olympische Spiele in der Schweiz eine Rolle. Schiergen sieht Chancen in einer dezentralen Austragung, sofern Verbände, Hotels und weitere Partner frühzeitig einbezogen werden. Für Schiergen lässt sich der Erfolg eines Grossanlasses deshalb nicht allein an Besucherzahlen messen: «Wenn die Gäste nicht wiederkommen und die Bevölkerung unglücklich ist, war es kein Erfolg.» (mm)
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