Auf den ersten Blick scheinen Seilbahnen simple mechanische Systeme zu sein: Kabinen hängen an einem oder mehreren Seilen und werden durch in die Höhe oder zu Tal gezogen. Doch diese scheinbar einfache Funktionsweise kommt erst durch das raffinierte Zusammenspielen zahlreicher Anlagenteile zustande. Wer hinter die Kulissen einer solchen Anlage blickt, stellt fest: Seilbahnen sind komplexe technische Bauwerke und ihr Bau stellt höchste Anforderungen an die Konstrukteure.

Zentrale Elemente jeder Seilbahnanlage sind die Stützen, müssen diese doch das gesamte Gewicht der Gondeln inklusiv den Passagieren tragen. Ende August wurde die erste Stütze der höchsten 3S Bahn der Welt montiert. Alles in allem dauerten die Arbeiten knapp einen Monat an. Da Seilbahnstützen hohen dynamischen Belastungen standhalten müssen, ist der Arbeitsaufwand bei solch einer Stützenmontage immens, wie mir unser Bauchef Toni Lauber während einer Baustellensitzung auf Trockener Steg erklärt. So waren umfangreiche Aushubarbeiten und massive Erdverschiebungen nötig, bevor die Fundamente der Stütze Nr. 1 armiert und betoniert werden konnten. Für die vier Fundamente und ihre Sockel wurden, gemäss Toni, insgesamt 440 m3 Beton verbaut. Zur besseren Vorstellung (für Laien, wie mich): diese Menge entspricht einer Füllung von rund 2‘000 Badewannen!

Als nächstes wurden die Stützenköpfe geschalt. Diese wurden dabei als Hohlkörper betoniert und anschliessend mit Aushubmaterial aufgefüllt; erst dann konnte die Montage der Stütze starten. Das Material für die Stütze wurde dabei via Testa Grigia mit einem Pistenfahrzeug und angehängtem Schlitten zur Baustelle auf Trockener Steg transportiert. Für die Montage selbst wurde ein spezieller Raupenkran eingesetzt.

Die Stütze Nr. 1 der neuen 3S Bahn misst satte 43 Meter. Die Höhe der Stütze hängt dabei, wie mir unser Bauchef Toni erklärt, vom Geländeprofil und den Anforderungen an die Mindest- und Maximalhöhen ab. Im Gebirge kann es vorkommen, dass anstelle einer kleinen Stütze, die auf schlechtem Untergrund stehen würde oder an einer schwer zugänglichen Stelle gebaut werden müsste, an anderer Stelle eine wesentlich höhere Stütze gebaut werden muss. Unter dieser Bedingung entstand beispielsweise die höchste Stütze der Schweiz, Stütze Nr. 2 der Seilbahn Gant–Hohtälli (94m), welche auch bei uns in Zermatt steht.

Auch mit den Arbeiten an Stütze Nr. 2 wurde bereits gestartet; denn vor Wintereinbruch (und der kommt auf Trockener Steg oftmals früher als erwartet) müssen alle Betonarbeiten abgeschlossen sein. In den kommenden Wochen werden auch an der Tal-/Bergstation noch umfassende Betonarbeiten für die Tragkonstruktion der Bahnteile sowie die Aushubarbeiten für zwei Stützenfundamente der Stütze Nr. 3 gemacht. Die weiteren geplanten Arbeiten sind, gemäss Bauchef Toni, stark wetterabhängig, denn der Winter steht schon bald vor der Tür.

Die Autorin
Die gebürtige Österreicherin und ehemalige MILESTONE-Nachwuchspreisträgerin Sandra Stockinger ist seit 2013 Leiterin Marketing & Verkauf bei der Zermatt Bergbahnen AG. In ihrer Baukolumne berichtet sie in regelmässigen Abständen über Fortschritte und Herausforderungen beim Bau der höchsten 3S Bahnanlage der Welt. Weitere Informationen und Geschichten zum Bauprojekt der Superlative unter blog.matterhornparadise.ch