Der Tourismus geniesst in Grindelwald weiterhin Rückhalt. Gleichzeitig wächst der Anspruch, Belastungen gezielt zu reduzieren. Das zeigt eine aktuelle Akzeptanzstudie mit 343 ausgewerteten Interviews.
59 Prozent der Befragten stehen dem Tourismus im Ort eher positiv gegenüber. 30 Prozent äussern sich eher kritisch. Die wirtschaftliche Bedeutung ist deutlich anerkannt: 88 Prozent sehen den Tourismus als wichtig für den finanziellen Wohlstand, 87 Prozent für zusätzliche Wertschöpfung in lokalen Betrieben und 85 Prozent für Arbeits- und Ausbildungsplätze. 84 Prozent halten ihn zudem für Erhalt und Belebung des Wohnorts für wichtig.
Sommer als Belastungsprobe
Besonders angespannt ist die Wahrnehmung in der Hochsaison. 89 Prozent empfinden das Besucheraufkommen im Sommer als eher zu hoch. Im Frühling sind es 39 Prozent, im Herbst 51 Prozent, im Winter 51 Prozent. Damit konzentriert sich der Druck klar auf die Sommermonate.
Als wichtigste Sorgen nennen die Befragten Tourismus und Besuchsaufkommen (56 Prozent), Verkehr und Infrastruktur (55 Prozent) sowie Wohnraum und Mietpreise (54 Prozent). 93 Prozent sehen höhere Miet- und Immobilienpreise als Belastung, 92 Prozent eine Überlastung von Infrastruktur, Strassen und öffentlichem Verkehr.
Bestätigung und Auftrag zugleich
Tourismusdirektor Bruno Hauswirth sagt: «Die Umfrage zeigt, dass der Tourismus in Grindelwald mehrheitlich getragen wird. Ebenso klar ist, dass Belastungen in Spitzenzeiten ernst genommen und gemeinsam mit den zuständigen Partnern weiter reduziert werden müssen.»
Grindelwald Tourismus verstehe die Resultate deshalb als Bestätigung und Auftrag zugleich. Bestehende Massnahmen in den Bereichen Gästesensibilisierung, Besucherlenkung und Vor-Ort-Information sollen konsequent weitergeführt und gezielt weiterentwickelt werden. Im Zentrum stehe das Ziel, Grindelwald als attraktiven Ferienort zu stärken und gleichzeitig die Lebensqualität der einheimischen Bevölkerung im Blick zu behalten.
Begegnungen bleiben positiv
Trotz der Kritik zeigt die Studie auch stabile Alltagsakzeptanz. 60 Prozent beschreiben persönliche Begegnungen mit Gästen als positiv. 71 Prozent sind stolz darauf, dass Grindelwald für Reisende aus aller Welt attraktiv ist. 64 Prozent sehen Vorteile für das Freizeit- und Kulturangebot.
Bereits laufende Massnahmen
Grindelwald Tourismus verweist auf bestehende Schritte wie die Kampagne «We take care», ein erweitertes Gästeleitsystem sowie die Grindelwald Assistance in den Sommermonaten. 63 Prozent der Befragten nahmen Informations- und Sensibilisierungsmassnahmen wahr, 32 Prozent Besucherlenkung. 90 Prozent finden Massnahmen für ein respektvolles Miteinander sinnvoll. (mm/bb)