Fiona Wittwer, seit 2024 bereiten Sie sich mit Ihrem Team auf den Culinary World Cup in Luxemburg vor. Wo steht die Mannschaft wenige Wochen vor dem Wettbewerb?

Unser Menü steht zu 100 Prozent, sowohl geschmacklich als auch optisch. Im vergangenen Jahr sind wir als Team noch enger zusammengewachsen und haben enorm viel dazugelernt. Jetzt geht es um den letzten Feinschliff. Jeder Handgriff muss sitzen, jedes Gramm im Rezept stimmen und die Abläufe müssen perfekt aufeinander abgestimmt sein. Wir wollen in Luxemburg genau das zeigen, worauf wir zwei Jahre hingearbeitet haben.[RELATED]

Sie führen die erste Schweizer Junioren-Kochnationalmannschaft, die ausschliesslich aus Frauen besteht. Welche Bedeutung hat das für Sie?

Es ist schön zu sehen, wie viele junge, motivierte und talentierte Frauen es in der Kochwelt gibt. Ich finde es wichtig, dass wir uns gegenseitig unterstützen und ermutigen, unseren eigenen Weg zu gehen. Als Team möchten wir junge Frauen inspirieren und ihnen zeigen, dass ihnen alle Türen offenstehen. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass eine reine Frauenmannschaft irgendwann genauso selbstverständlich ist wie ein Männerteam oder ein gemischtes Team. Letztlich wollen wir nicht mit unserem Geschlecht überzeugen, sondern mit unserem Handwerk und unserer Präzision.

Die Spitzenküche ist nach wie vor männlich geprägt. Mussten Sie sich als junge Köchin stärker beweisen als Ihre männlichen Kollegen?

Teilweise schon. Oft hat man als Frau das Gefühl, mehr leisten zu müssen, um gleichgestellt und akzeptiert zu werden. Auch ich habe erlebt, dass Frauen in der Küche schneller als emotional oder schwach beurteilt werden. Gleichzeitig habe ich viele positive Erfahrungen gemacht. Ich musste mich nicht überall besonders behaupten, um als gleichwertig anerkannt zu werden.

In Ihrem Team treffen junge, ambitionierte Köchinnen aufeinander. Wie gehen Sie mit unterschiedlichen Meinungen um, gerade unter Zeitdruck?

Unterschiedliche Meinungen gehören dazu. Wir besprechen sie offen im Team und suchen gemeinsam nach Lösungen. Mir ist wichtig, dass alle ihre Ansichten und Bedenken äussern können. Nur so verstehen wir einander und entwickeln uns weiter. Das hilft uns auch unter Zeitdruck, konstruktiv miteinander zu kommunizieren.

Sie haben unzählige Stunden miteinander trainiert. Wann wurde der Zusammenhalt besonders auf die Probe gestellt?

Jede Phase hatte ihre Herausforderungen. Je stärker der Druck steigt, desto anspruchsvoller wird es. Ich  habe gelernt, wie wichtig es ist, offen über Bedenken und Schwächen zu sprechen. Nur wenn wir wissen, wie es den anderen geht, können wir einander unterstützen und auffangen. So wachsen wir als Team über unsere Grenzen hinaus.

Bei den Testläufen simulieren Sie die Wettbewerbsbedingungen. Was entscheidet am Ende darüber, ob aus einer guten Leistung eine weltmeisterliche wird?

Entscheidend ist, dass unser Zeitmanagement funktioniert, alle Rezepte aufgehen und wir genau das abliefern können, was wir trainiert haben. Wenn uns das gelingt, ist es für mich ein weltmeisterlicher Auftritt.

Die Schweiz reist als Titelverteidigerin nach Luxemburg. Ist das für Sie Ansporn oder Belastung?

Vor allem Ansporn. Es ist schön, dass wir als Titelverteidigerinnen antreten dürfen. Das gibt uns Mut und Zuversicht. Gleichzeitig sind wir ein komplett neu zusammengestelltes Team mit eigenen Stärken und Schwächen. Wir möchten unsere eigene Geschichte schreiben.

Die Vorbereitung läuft neben Ihrem Berufsalltag. Was mussten Sie dafür aufgeben?

Mein Alltag ist extrem durchgetaktet. Meine Freizeit besteht momentan fast ausschliesslich aus Planung und Training. Mental ist es für mich wichtig, mir gelegentlich einen freien Abend zu gönnen, damit ich wieder meine Höchstleistung abrufen kann. Schwierig finde ich manchmal, zu akzeptieren, dass ich nicht jeden Tag 100 Prozent abliefern kann. Ich musste erst lernen, meine Energie gezielt einzuteilen.

Frauen sind in den Führungspositionen der Spitzenküche weiterhin wenig sichtbar. Was müsste sich ändern, damit mehr Köchinnen langfristig Karriere machen?

Eine wertschätzende Küchenkultur würde der ganzen Branche guttun. Die Gastronomie sollte sich von der Vorstellung verabschieden, dass Führung nur mit völliger Selbstaufopferung funktioniert. Es braucht sichtbare Vorbilder: Küchenchefinnen, die erfolgreich sind, ohne dafür ihr gesamtes Privatleben vernachlässigen zu müssen.

Stellen wir uns vor, Sie kehren Ende November aus Luxemburg zurück. Was muss passiert sein, damit Sie sagen können: Diese zwei Jahre haben sich gelohnt?

Wenn wir im entscheidenden Moment unsere absolute Bestleistung abrufen und uns damit den Sieg holen. Vor allem möchte ich zurückblicken und spüren, dass sich jeder Verzicht und jede Trainingsstunde gelohnt haben, weil wir als Team über uns hinausgewachsen sind.

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Zum Culinary World Cup

Vom 21. bis zum 25. November 2026 treten 30 Nationalteams, 15 Junioren-Teams und 15 Teams im Bereich Gemeinschaftsverpflegung gegeneinander an. Die Schweiz ist in allen drei Kategorien mit ihren Mannschaften vor Ort. Insgesamt bewerten 46 Jurorinnen und Juroren aus 27 Ländern die 3-Gang-Menüs der Köchinnen und Köche. Vorsitz hat Jury-Präsident und Koch Carlo Sauber. Bewertet wird nach strengen und standardisierten Vorgaben. Dazu gehören: Mise-en-Place, Hygiene, Zubereitung, Geschmack und Präsentation.

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