Das Belvedere Swiss Quality Hotel in Grindelwald plant eine umfassende bauliche Weiterentwicklung. Die Besitzerfamilie Hauser will das historische 4-Sterne-Superior-Haus sanieren und das Areal mit einem Neubau ergänzen. Damit soll der Familienbetrieb langfristig gesichert und für die kommenden Jahrzehnte aufgestellt werden. «Wenn wir das Hotel Belvedere langfristig unabhängig weiterführen wollen, müssen wir heute in seine Zukunft investieren», sagt Bauherr Philip Hauser.
Das Hotel Belvedere ist seit 120 Jahren Teil von Grindelwald. Uns ist wichtig, dass sich das Haus gemeinsam mit dem Ort weiterentwickelt.
Carole Hauser, Co-Direktorin Hotel Belvedere Grindelwald
Das Hotel Belvedere gehört seit mehr als einem Jahrhundert zu Grindelwald. Seit 1907 wird das Haus von der Familie Hauser geführt, heute in vierter Generation. Mit der Weiterentwicklung wollen die Geschwister Carole und Philip Hauser einen Beitrag zu einem nachhaltigen Tourismus leisten. Im Fokus stehen attraktive Angebote für Individualgäste und längere Aufenthalte. Restaurant- und Spa-Angebote sollen auch die lokale Bevölkerung ansprechen.
«Die über die Jahrzehnte gewachsene Gebäudestruktur bringt heute im Arbeitsalltag lange Wege, aufwendige Abläufe und räumliche Engpässe mit sich. Durch den geplanten Umbau soll der Hotelbetrieb effizienter organisiert, die Arbeitsbedingungen verbessert und das Angebot für die Gäste ergänzt werden», sagt Bauherrin Carole Hauser.
Gemeinde von Beginn an einbezogen
Der Weiterentwicklung ging ein Studienauftrag voraus. Aus elf eingeladenen Architekturbüros wurden drei ausgewählt, die Vorschläge für die Optimierung des bestehenden Hotels und ein langfristiges Gesamtkonzept für das Areal erarbeiteten. Die Gemeinde Grindelwald war von Beginn an in den Prozess einbezogen. Im Beurteilungsgremium waren neben Fachleuten aus Architektur und Landschaftsarchitektur sowie der Besitzerfamilie auch der Gemeindepräsident und der lokale Verkehrsplaner vertreten.
Durchgesetzt hat sich das Projekt «Topografische Intarsie» von Aebi & Vincent Architekten aus Bern. Das Beurteilungsgremium empfahl den Entwurf einstimmig zur Weiterbearbeitung. Ausschlaggebend waren unter anderem die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Hotels, die Einbettung in das Orts- und Landschaftsbild, die architektonische Qualität und die betriebliche Organisation.
Das Konzept behandelt das historische Hotel und den geplanten Erweiterungsbau als zusammengehöriges Ganzes. Das bestehende Gebäude soll in seinem ursprünglichen Charakter erhalten und weiterentwickelt werden. Der Neubau ist als kompakter Baukörper vorgesehen, dessen Zimmer auf die umliegende Berglandschaft ausgerichtet sind.
Es geht uns nicht darum, möglichst gross zu werden. Entscheidend ist, dass der Betrieb langfristig funktioniert und wir das Hotel Belvedere als Familienhotel weiterführen können.
Philip Hauser, Co-Direktor Hotel Belvedere Grindelwald
Rund 40 zusätzliche Zimmer sind denkbar
Wie gross der Erweiterungsbau letztlich ausfällt, ist noch offen. Nach heutigem Planungsstand könnten zu den bestehenden 56 Zimmern rund 40 weitere hinzukommen. Die genaue Zahl ist jedoch Teil der weiteren Planung.
Vorgesehen sind zudem eine Neuorganisation der Gästebereiche, eine Verbindung zwischen Haupt- und Neubau sowie die Weiterentwicklung des Wellness- und Spa‑Angebots. Zum Freiraumkonzept gehören ein Park, eine Gartenterrasse und ein Kräutergarten bei der Küche. Auch die betrieblichen Wege sollen neu organisiert werden, damit sich Gäste- und Betriebsabläufe weniger kreuzen.
Handlungsbedarf besteht auch im bestehenden Haus. Mit den Erweiterungen über die vergangenen Jahrzehnte wurden die Gästezimmer grösser, gleichzeitig sank die Zahl der verfügbaren Betten. Heute führen lange interne Wege zu einem hohen Personalaufwand. Zudem sind der Wellnessbereich und Teile der internen Infrastruktur zu klein oder nicht optimal angeordnet.
Noch stehen politische Hürden bevor
Bis zur Umsetzung ist es noch ein längerer Weg. Das Siegerkonzept ist weder abschliessend ausgearbeitet noch bewilligt. Zunächst sollen die Sanierungen und Optimierungen des bestehenden Hauses konkretisiert werden. Parallel dazu wird das Gesamtkonzept mit dem Erweiterungsbau zu einem Richtprojekt weiterentwickelt.
Dieses bildet die Grundlage für die nötige Anpassung der bestehenden Überbauungsordnung und die weiteren politischen und baurechtlichen Verfahren. Entsprechend nennt die Bauherrschaft derzeit weder einen konkreten Zeitrahmen noch ein Investitionsbudget.
Die Planung steht zudem im Zusammenhang mit vorgesehenen Arbeiten am Trassee der Berner Oberland-Bahn direkt hinter dem Hotel. Die Arbeiten am Hotel sollen nach Möglichkeit darauf abgestimmt werden, um zusätzliche Schliessungszeiten möglichst gering zu halten.
Mit der öffentlichen Präsentation des Studienauftrags gibt das Hotel Belvedere Einblick in den bisherigen Prozess und die nächsten Planungsschritte. Dabei wurde auch aufgezeigt, welche Punkte noch offen sind. Auch die weiteren Planungsschritte sollen partizipativ erfolgen. Damit will die Bauherrschaft die Verfahrensrisiken möglichst gering halten.
