Seit drei Jahrzehnten würdigt Icomos Suisse Betriebe, die historische Bauten sorgfältig erhalten und zeitgemäss weiterentwickeln. Getragen wird die Auszeichnung von der Arbeitsgruppe Historisches Hotel und Restaurant gemeinsam mit GastroSuisse, HotellerieSuisse, Schweizer Heimatschutz und Schweiz Tourismus. Nun folgt eine inhaltliche und strukturelle Neuausrichtung.[RELATED]

Mehr als Denkmalpflege
Im Zentrum steht künftig nicht mehr nur die bauliche Qualität. Auch das Gästeerlebnis, Service, Nachhaltigkeit, regionale Verankerung und Innovationskraft fliessen stärker in die Beurteilung ein. «Die Auszeichnung ist fachlich etabliert. Nun soll ihre Wirkung über die Fachkreise hinaus entfaltet werden», hält das Co Präsidium der Arbeitsgruppe fest.

Wissenschaftlich begleitet
Konzeptionell begleitet wurde der Prozess von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Professor Stefan Forster spricht von einer Öffnung in die Zukunft. Die neue Bezeichnung mache sichtbar, wie historische Authentizität und zeitgenössische Gastfreundschaft zusammenwirken.

Neue Vergabepraxis
Neu will die Jury Betriebe auch selbst nominieren. Zudem sollen thematische Schwerpunkte gesetzt werden. Die Auszeichnung wird künftig im Zweijahresrhythmus vergeben und durch Begleitprogramme wie Veranstaltungen, Publikationen und ein einfaches Monitoring ergänzt.

Als nächsten Schritt haben Icomos Suisse und die Partner ein Innotour Projekt beim Seco eingereicht. Ziel bleibt, Betriebe auszuzeichnen, die ihr historisches Erbe verantwortungsvoll weiterentwickeln und sichtbar machen. (mm)


«Die Auszeichnung hat unserem Haus neue Aufmerksamkeit verliehen»

Die Icomos-Auszeichnung «Historisches Hotel 2025» brachte dem Hotel Restaurant Kreuz in Herzogenbuchsee zusätzliches Renommee. Einige Monate später fragen wir bei Co-Geschäftsleiterin Barbara Gnägi nach, was davon geblieben ist.

Brabara Gnägi, was hat sich seit der Icomos-Auszeichnung «Historisches Hotel 2025» konkret für Ihren Betrieb verändert?

Der Preis  unseres Hauses neue Aufmerksamkeit verliehen. Vor allem Anfang 2025 war auch das mediale Interesse recht gross. Ausserdem liess sich die Auszeichnung gut in unsere Marketingmassnahmen einbauen.

Wo liegen im Alltag die grössten Zielkonflikte zwischen Denkmalpflege und wirtschaftlichem Betrieb?

Auch wir hatten bei der Erstellung des Businessplans entscheidende Punkte, mit der wir bei der Denkmalpflege vorerst auf Ablehnung stiessen. Mit Kompromissbereitschaft beider Seiten, haben wir jedoch gute Lösungen gefunden. Uns war von Anfang an wichtig, den historischen Charme zu konservieren. Mit Hilfe der Denkmalpflege konnten wir viel Fachwissen abholen und viel Verborgenes wieder sichtbar machen. 

Ist Baukultur heute ein echter Wettbewerbsvorteil oder eher Verpflichtung?

Je nach Ausrichtung kann es beides sein. Wenn man sein Gästesegment danach ausrichtet, ist es aus unserer Sicht sicher ein Wettbewerbsvorteil. Da unser Haus wochentags eher Businessgäste beherbergt, fehlen hier teilweise natürlich gewünschte Annehmlichkeiten (z.B. Klimaanlage), die baulich in unseren historischen Zimmern nicht möglich sind. Zugleich schätzen besonders die Individualgäste, aber auch ein Grossteil der Businessgäste den historischen Charme unseres Hauses, der uns von anderen Betrieben unterscheidet.

Der Preis rückt künftig stärker Gästeerlebnis und Betrieb in den Fokus. Ist das der richtige Schritt?

Aus der Sicht eines Gastes macht es durchaus Sinn. Ein Haus und seine Geschichte ist für den Gast nur dann zu 100 Prozent ein Erlebnis, wenn die Geschichte und Philosophie vom aktuellen Betreiberteam weitergelebt wird.

Wann wird ein historisches Haus zur Chance und wann zur Belastung?

Ein historisches Haus wird dann zur Chance, wenn es von einer Gruppe von Menschen getragen und gepflegt wird und dem Gast ein authentisches Erlebnis geboten werden kann. Zur Belastung kann es werden, wenn grössere Investitionen anfallen, die durch denkmalpflegerische Mehrkosten entstehen und diese Kosten nicht mitgetragen werden. (nde)