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Dossier: echt schweiz
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Dossier: echt schweiz

Schweizer Qualität zwischen Herkunft und Zukunft

In der Schweiz behauptet sich ein Qualitätsverständnis, das Anspruch und Wettbewerbsfaktor zugleich ist. Wie Bewährtes gesichert und Neues aufgenommen wird, prägt die Wirkung von morgen.

Schweizer Qualität gilt weltweit als Versprechen für Verlässlichkeit, Präzision und Innovationskraft. Unser Qualitätsverständnis ist seit je ein zentraler Pfeiler des Wirtschafts-, Produktions- und Tourismusstandorts Schweiz. Worauf stützt sich dieser Grundsatz, wenn globaler Wettbewerb, technologische Dynamik und höhere Erwartungen an Nachhaltigkeit und Transparenz den Takt vorgeben? 

Stimmen aus Praxis, Wissenschaft und Standortförderung zeigen, wie Schweizer Qualität weitergedacht wird und weshalb sie auch international Wirkung entfaltet. 

Es zeigt sich: Qualität lebt von Entwicklung und bewährt sich vor allem im gemeinsamen Handeln. Im Alltag wird sichtbar, wie unterschiedlich dieser Anspruch gelebt wird – in Betrieben, Institutionen und Projekten. Vieles ist in Bewegung, manches im Übergang. Was bleibt, ist der Versuch, Verlässlichkeit und Tradition mit Weiterentwicklung zu verbinden.

Schweizer Qualität in Zahlen

- 43,9 Millionen Logiernächte im Jahr 2025 spiegeln das breite Vertrauen in die Leistungsfähigkeit und den Anspruch der Schweiz.

- 90Prozent der Schweizer Unternehmen sind familiengeführt oder in Familienbesitz.

- 0,5 Millionen Schweizer Marken sind im Schweizer Markenregister geschützt.

- 287 Milliarden Franken betrug das Schweizer Exportvolumen 2025.

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Alexandre Edelmann: «Der Hospitality-Brand Schweiz wird global hoch gehandelt»

Die Schweiz verfügt über ein starkes internationales Profil. Doch im globalen Wettbewerb reicht Reputation allein nicht. Alexandre Edelmann, Direktor von Präsenz Schweiz, über die strategische Positionierung der Marke Schweiz.
Devenish Nora
Nora Devenish
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Alexandre Edelmann
Für Tourismus und Hotellerie ist das Image der Schweiz mehr als Symbolik. Es bildet ein zentrales wirtschaftliches Fundament der Branche, sagt Alexandre Edelmann, Direktor von Präsenz Schweiz.
Für Tourismus und Hotellerie ist das Image der Schweiz mehr als Symbolik. Es bildet ein zentrales wirtschaftliches Fundament der Branche, sagt Alexandre Edelmann, Direktor von Präsenz Schweiz. image : zVg
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Alexander Edelmann, welches Image der Schweiz dominiert im Ausland?
In verschiedensten Reputations-Rankings zählen wir regelmässig zu den Top-10-Nationen und bewegen uns auf Augenhöhe mit den renommiertesten Staaten der Welt. Der Brand Schweiz ist weltweit bekannt, wird geschätzt und geniesst hohes Vertrauen.

Womit wird die Schweiz international besonders verbunden?
Häufig genannt werden Stabilität und Sicherheit. Insgesamt steht die Schweiz global für Qualität und Lebensqualität. Weniger stark präsent sind hingegen Assoziationen mit Kultur. Präsenz Schweiz misst alle zwei Jahre die Spontanassoziationen zur Schweiz in 18 Ländern. Dabei dominieren Bilder wie Berge, Uhren, Schnee, Landschaft oder Banken – durchwegs positive Zuschreibungen.

Wir überzeugen lieber durch Leistung als durch grosse Worte.

Klischees sind also nichts Schlechtes?
Im Gegenteil: Positive Klischees sind ein Fundament, auf dem wir aufbauen können. In der Kommunikation nach aussen setzt der Bund heute bewusst auf die Schwerpunkte Vertrauen und Innovation. Entscheidend ist, zu vermitteln, dass die Schweiz nicht nur für Berge, Uhren oder Banken steht, sondern ebenso für Innovationskraft, Forschung und internationale Zusammenarbeit. Es geht nicht darum, Klischees zu korrigieren, sondern sie weiterzuentwickeln – damit unsere Interessen im Ausland noch klarer wahrgenommen werden.

Verkauft die Schweiz ihr Image teilweise unter Wert? Sind wir zu bescheiden?
Es gibt einen Unterschied zwischen Stolz und Arroganz. Wir dürfen stolz sein – denn der Schweiz geht es gut, und das ist keine Selbstverständlichkeit. Unser Wohlstand ist das Resultat der Arbeit früherer Generationen. Deshalb müssen wir uns unserer Stärken bewusst sein. Gleichzeitig ist Bescheidenheit Teil unserer Kultur. «Liefere statt lafere» – wir überzeugen lieber durch Leistung als durch grosse Worte. Dieses Selbstverständnis ist tief verankert.

Ist Qualität nach wie vor der entscheidende Standortvorteil der Schweiz?
Der Produktionsstandort Schweiz kann preislich nicht konkurrieren – im Ausland lässt sich fast immer günstiger produzieren. Unser USP ist deshalb die Qualität. Dieser Anspruch prägt das gesamte System des Wirtschaftsstandorts: vom Bildungssystem über die Forschung bis zur internationalen Zusammenarbeit in Produktion und Innovation. Kooperation ist in der Schweiz historisch gewachsen und strukturell verankert – sie ist ein zentraler Teil unseres Erfolgsmodells.

Präsenz Schweiz
Präsenz Schweiz positioniert das Land im Ausland mit einem klaren Profil. Die Einheit im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) koordiniert und prägt den internationalen Auftritt der Schweiz. Ob an Weltausstellungen, bei internationalen Anlässen oder über die Schweizer Botschaften weltweit: Präsenz Schweiz setzt gezielt thematische Akzente – etwa bei Innovation, Nachhaltigkeit oder Bildung. Ziel ist es, die Schweiz als verlässlich, offen und zukunftsorientiert zu verankern.

Wie erklären Sie internationalen Gästen die hohen Preise in der Schweiz?
Die jüngsten Zahlen von Schweiz Tourismus zeigen, dass der Tourismus weiter wächst. Das bedeutet: Die Menschen können und wollen sich die Schweiz leisten. Entscheidend ist das Preis-Leistungs-Verhältnis – und das stimmt. Teuer allein ist kein Qualitätsmerkmal, diese Logik greift zu kurz. Zudem gibt es durchaus Destinationen, die noch höhere Preise verlangen. Die Schweiz ist nicht günstig, aber auch nicht so viel teurer, wie wir oft selbst annehmen.

Ist die Schweiz ein Luxusstandort oder ein Qualitätsstandort?
Was ist überhaupt Luxus? Wenn ich Anfang März alleine im Genfersee schwimme, ist das Luxus. Lebensqualität ist Luxus. In diesem Sinne bietet die Schweiz viele Luxusmomente. Gleichzeitig steht sie auf verschiedenen Ebenen für hohe Qualität. Sie ist hochwertig – aber nicht per se luxuriös. Und genau das macht sie für viele Gäste attraktiv.

Im Tourismus geht es darum, Emotionen zu verkaufen. Wirken wir im Vergleich zu südlichen Destinationen nicht zu zurückhaltend?
Unsere Zurückhaltung ist kein Nachteil. Auch mit Reserviertheit kann man punkten. Und im Ausland überraschen wir durchaus mit Humor – gerade dann, wenn er unerwartet kommt. Authentizität wirkt stärker als inszenierte Emotionalität.

Spielen wir die Karte der multikulturellen Schweiz zu wenig aus?
Ich glaube, wir sind uns dieses Vorteils sehr bewusst. Die Mehrsprachigkeit prägt unsere Denk- und Arbeitsweise. Wir sind es gewohnt, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen – Stadt und Berg, Moderne und Tradition. Diese Lösungsorientierung ist kulturell verankert. Und natürlich ist es ein Vorteil, wenn sich die Schweiz in Italien auf Italienisch präsentieren kann. Je nach Land und Kontext setzen wir dieses Element sehr gezielt ein.

Wie ausschlaggebend ist das Label «Swiss made» heute noch?
Das Vertrauen in Schweizer Qualität ist nach wie vor sehr hoch. «Swiss made» funktioniert. Je nach Branche und Markt gibt es Unterschiede – bei Uhren etwa zeigt eine Studie, dass Konsumentinnen und Konsumenten in Japan bereit sind, für ein «Swiss made»-Produkt deutlich mehr zu bezahlen. Herkunft bleibt ein starkes Qualitätsversprechen.

Wie positioniert sich die Schweiz international bei der Servicequalität – insbesondere in Hotellerie und Tourismus?
Die EHL in Lausanne ist ein weltweiter Brand – und ein Beispiel dafür, wie stark Schweizer Servicequalität international wahrgenommen wird. Auch andere Schweizer Hotelfachschulen geniessen einen hervorragenden Ruf. Der Hospitality-Brand Schweiz wird global hoch gehandelt, nicht zuletzt, weil Führungskräfte aus der Schweiz weltweit Hotels und touristische Betriebe prägen. Diese Präsenz trägt die Marke Schweiz in die Welt hinaus. Gleichzeitig ist es eine Daueraufgabe, dieses Niveau zu halten und weiterzuentwickeln. Servicequalität ist zudem immer kulturell geprägt – was in einem Markt als exzellent gilt, kann in einem anderen anders wahrgenommen werden.

Was ist für Sie der am meisten unterschätzte Qualitätsfaktor der Schweiz im globalen Wettbewerb?
Die Schweiz verbindet Natur und Innovation auf engem Raum. Wenn ein ETH-Forscher in der Mittagspause in der Limmat schwimmen und danach wieder ins Labor zurückkehren kann, ist das mehr als eine schöne Anekdote. Diese Nähe zwischen Stadt, Natur und Arbeitsplatz schafft Lebensqualität – und Lebensqualität fördert Kreativität und Leistungsfähigkeit. Unsere überschaubare Grösse, die kurzen Wege und die räumliche Nähe zwischen Forschung, Wirtschaft und Natur ermöglichen Austausch und Begegnung ohne grosse Hürden. Diese Kombination ist ein struktureller Vorteil – und verschafft der Schweiz im globalen Wettbewerb eine besondere Position.

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Schweizer Werte verwurzelt, gelebt und weitergedacht

Nicht das Konzept allein entscheidet, sondern die innere Haltung dahinter. Ein klares Selbstverständnis gibt Orientierung, schafft Vertrauen und Beständigkeit.
Devenish Nora
Nora Devenish
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Hotel Regina Mürren
Hotel Regina, Mürren: Haltung und Konsequenz
Hotel Regina, Mürren: Haltung und Konsequenz image : Atelier Schweizer Vollmer
image : Atelier Schweizer Vollmer
Hotel Regina Mürren
Das Hotel Regina entstand Ende des 19. Jahrhunderts im Stil von Jugendstil und Belle Époque.
Das Hotel Regina entstand Ende des 19. Jahrhunderts im Stil von Jugendstil und Belle Époque. image : Atelier Schweizer Vollmer
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Hotel Hof Weissbad
Die Gastgeber Susanne und Elias Leu verstehen Qualität als gelebte Haltung: traditionell gewachsen und partnerschaftlich getragen.
Die Gastgeber Susanne und Elias Leu verstehen Qualität als gelebte Haltung: traditionell gewachsen und partnerschaftlich getragen. image : zVg
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Hotel Hof Weissbad
Seit 2024 sind Elias und Susanne Leu Gastgeber und Gastgeberin im 4-Sterne-Superior-Resort Hotel Weissbad.
Seit 2024 sind Elias und Susanne Leu Gastgeber und Gastgeberin im 4-Sterne-Superior-Resort Hotel Weissbad. image : zVg
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Qualität zeigt sich im Hotel Regina nicht in Einzelmassnahmen, sondern im Zusammenspiel vieler Entscheidungen. Für Gastgeberin Yasmina Abdelilah macht sich dieser Ansatz auch am Markt bemerkbar: «Das zahlt sich in jedem Fall aus, denn immer mehr Gäste wählen unser Haus, weil es ihren Wertvorstellungen entspricht.»

Der Swiss-Lodge-Betrieb versteht sich als Kulturhotel, fördert Kulturschaffende und bindet lokale wie regionale Angebote gezielt ein. Dazu zählen ein eigener Gemüsegarten sowie die Zusammenarbeit mit der Bäckerei im Tal und mit regionalen Produzenten. Qualität entsteht hier nicht durch einzelne Akzente, sondern durch ein stimmiges Gesamtangebot. 

Qualität und Wirtschaftlichkeit im Alltag
Die Geschichte des Hauses – es feierte 1896 Eröffnung – ist ein fester Bezugspunkt. Als «Historisches Hotel» sieht sich das Regina in einer besonderen Verantwortung. «Es gehört mit zur Verpflichtung gegenüber den Gästen, die Baugeschichte auch bezüglich der Bausubstanz zu pflegen und sichtbar zu machen», sagt Abdelilah. Entscheidend sei dabei die Wirkung: «Das Original ist denn auch im Raum zu spüren.»[IMG 2]

Schweizer Qualität trennt Abdelilah nicht in Pflicht und Stolz. «Es ist immer beides!» Diese Sicht prägt auch Investitionsentscheide. Neue Betten wurden deshalb nicht als Standardprodukt beschafft, sondern gezielt in der Schweiz nachgebaut. «Bei der Anschaffung neuer Betten haben wir bewusst ein Produkt aus dem Emmental mit Schweizer Eiche nachbauen lassen, obwohl dies preislich klar teurer war.» Solche Entscheide zahlten sich nicht sofort aus. «Kurzfristig und für sich allein rechnet sich ein solches Verhalten nicht.» Entscheidend sei die langfristige Wirkung: «Es ist das Gesamtprodukt, das längerfristig überzeugt und sich auch am Markt behaupten kann.» Dafür brauche es «oft etwas Mut und unternehmerisches Risiko».

Spannungsfelder zwischen Tradition, Anspruch und Wirtschaftlichkeit gehörten zum Alltag. «Diese Aspekte dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden», betont die Gastgeberin. Gleichzeitig beobachtet sie eine klare Entwicklung bei den Gästen: «Einfachheit zählt bei vielen Gästen zum Glück wieder mehr als teurer Pseudo-Luxus.»

Immer mehr Gäste wählen unser Haus, weil es ihren Wertvorstellungen entspricht.
Yasmina Abdelilah, Gastgeberin Hotel Regina, Mürren
 

Wertorientierte Gäste
Die Verbindung von Tradition und Qualität ist für bestimmte Gästesegmente entscheidend. «Es sind nicht ‹die Reichen›, sondern vielmehr wertorientierte Gäste, welche sich in einfacheren, aber sorgfältig restaurierten Häusern wohlfühlen», so Abdelilah. Es sind auch Familien sowie Menschen aus dem Kreativ- und Kulturbereich. Besonders deutlich zeigt sich Qualität dort, wo der Aufenthalt ohne Programme und Ablenkung auskommt. «Es sind vor allem die öffentlichen Räume, wo man oft auch in kleinen Gruppen sitzt, andere Leute trifft, Bücher liest oder spielt.» Fernseher gibt es keine. «Das Haus muss als ‹Gesamtkunst› spürbar sein.» Vielfältige Kulturveranstaltungen wie auch das Kulturförderungskonzept mit einer(m) regelmässigen «Artist in Residence» setzen den besonderen Anspruch um. Zu einem weiteren Highlight haben sich die regelmässig durchgeführten «Bauwochenenden» entwickelt, bei denen Freiwillige aktiv am baulichen Unterhalt mitwirken.

Preis und Fairness
Darf Schweizer Qualität mehr kosten? Abdelilah findet grundsätzlich ja – aber mit klaren Grenzen. «Ein einfaches und auch familienorientiertes Haus kann höhere Kosten nicht beliebig an die Gäste weitergeben.» Entscheidend sei, «dass die Gäste die Preise als ‹fair› wahrnehmen». Das Hotel Regina zeigt, dass Schweizer Qualität weniger über einzelne Investitionen entsteht als über ein Gesamtbild, das im Alltag funktioniert.

Resort Hof Weissbad: Regional verankert

Haltung, Herkunft, Handwerk: Im Resort Hof Weissbad beginnt Qualität beim Netzwerk vor der eigenen Haustür – und führt direkt in die eigene Geschichte. Das Gastgeberpaar Susanne und Elias Leu setzt, wo immer möglich, auf Produzenten aus dem Appenzellerland und aus der Schweiz. Langjährige Partnerschaften, kurze Wege und gewachsene Beziehungen prägen den Alltag. Wer sich seit Jahren kennt, versteht auch die Ansprüche des anderen. So entsteht ein regionaler Kreislauf, in dem Wertschöpfung vor Ort bleibt und Qualität gemeinsam weiterentwickelt wird. Für Leus bedeutet das Verlässlichkeit und Beständigkeit, aber auch «ein Hauch Neues» – eine Mischung, die viele Gäste schätzen und die sie immer wieder zurückbringt. Im Appenzellerland bildet diese Haltung den kulturellen Rahmen. Im Hof Weissbad wird Tradition nicht inszeniert, sondern gelebt. Seit der Eröffnung 1994 ist das Resort fest in der Region verankert. Elias Leu sagt: «Weil das Appenzellerland seine Werte bis heute lebt, leben wir sie im Hof Weissbad mit – bodenständig, echt und mit dem Anspruch, das Bewährte in die heutige Zeit zu bringen.» Schweizer Produkte und Partner bewusst zu berücksichtigen und damit den Marktplatz Schweiz zu stärken, verstehen Susanne und Elias Leu als Teil ihrer unternehmerischen Verantwortung.
 

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Pflicht und Haltung zugleich
«Pflicht ist Schweizer Qualität überall dort, wo der Gast sie ganz selbstverständlich erwartet: Sauberkeit, Sicherheit, gutes Essen und dass der Betrieb reibungslos funktioniert», sagt Elias Leu. Vieles davon werde von Gästen vorausgesetzt – und sofort bemerkt, wenn es fehle. Gerade langjährige Stammgäste schätzten diese Verlässlichkeit und die Verbindung von Tradition und Qualität, die das Haus im Kern bewahrt habe. Gastgeberstolz wiederum erfülle ihn, wenn er und sein Team bewusst noch einen Schritt weitergingen: «Wenn wir uns Zeit nehmen für unsere Gäste und auf ihre individuellen Bedürfnisse eingehen, wenn die Details stimmen und wenn wir regionale Produkte nicht nur erwähnen, sondern Regionalität wirklich leben.» Ziel sei es, Erwartungen nicht nur zu erfüllen, sondern immer wieder zu übertreffen – im Grossen wie im Kleinen.

Pflicht ist Schweizer Qualität überall dort, wo der Gast sie erwartet.
Elias Leu, Gastgeber und Direktor Resort Hof Weissbad

Preis und Glaubwürdigkeit
Viele Investitionen rechnen sich messbar: Hochwertige Möbel hätten weniger Verschleiss, verursachten geringeren Unterhalt und hielten länger. Im Zentrum stehe jedoch der Mensch. Investiert werde konsequent in Team, Ausbildung und Entwicklung – etwa mit internem Jobcoach, Mitarbeiterboard und bereichsübergreifenden Projekten für Lernende. Die Fluktuation sei tief, jährlich könnten rund acht Ausbildungsplätze besetzt werden, aktuell stünden über zwanzig Lernende in Ausbildung, sagt Leu. Viele blieben lange oder kehrten nach Wanderjahren zurück in den «Hof». «Generell gilt für mich: Eine gute Infrastruktur, moderne Technik im Hintergrund, Weiterbildung sowie herzliches, dienstleistungsorientiertes und authentisches Fachpersonal sorgen für Qualität und einen reibungslosen Ablauf», so Leu. Gleichzeitig gehörten Spannungsfelder zwischen Tradition, Qualitätsanspruch und Wirtschaftlichkeit zum Alltag. Gute Qualität brauche Zeit und Menschen, während der Druck zur Effizienz steige. Entscheidend sei, täglich neu abzuwägen, «ohne dass Freude, Atmosphäre und Authentizität verloren gehen». [IMG 4]

Schweizer Qualität dürfe mehr kosten, sagen die Gastgeber. Aber nur, wenn der Gast erkenne, wofür er bezahle. Massgebend sei die Stimmigkeit des Gesamterlebnisses, vom ersten Eindruck bis zum letzten Detail. Die Zahlungsbereitschaft ende dort, wo Preis und Leistung nicht mehr nachvollziehbar seien. Qualität trägt langfristig nur dann, wenn sie im Alltag glaubwürdig gelebt wird – als Haltung, nicht als Versprechen.

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Neue Fasern, neue Funktionen

Schweizer Forschung steckt in vielen Textilien, die Hotels prägen. Ob langlebig, schadstofffrei oder schwer entflammbar: Hinter diesen Eigenschaften stehen jahrelange Entwicklungsarbeit, hohe Qualitätsansprüche und technologisches Know-how. An der Empa in St. Gallen entstehen Hightechfasern, die das «Swiss made»-Versprechen in die Praxis tragen.
Andreas Lorenz-Meyer
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EMPA Textilfasern
Die Abteilung «Advanced Fibers» der Empa entwickelt ein umweltfreundliches Verfahren für wasserabweisende Textil­fasern ohne schädliche PFAS.
Die Abteilung «Advanced Fibers» der Empa entwickelt ein umweltfreundliches Verfahren für wasserabweisende Textil­fasern ohne schädliche PFAS. image : EMPA
image : EMPA

Vorhänge, Bettwäsche, Teppiche, Tapeten, Sitzpolster, Duschhandtücher – Textilien prägen ein Hotel in nahezu allen Bereichen, erfüllen unterschiedliche Funktionen und müssen bestimmte Eigenschaften haben. Sie sollten zum Beispiel robust sein, denn was lange hält, spart Kosten. Sie sollten auch keine gesundheitsgefährdenden Giftstoffe enthalten. Das Thema Sicherheit spielt ebenso eine Rolle: Die Stoffe dürfen nicht leicht entflammbar sein – zu diesem Zweck werden Flammhemmer eingearbeitet. [RELATED]

Textilien, die solch hohen Ansprüchen genügen, sind Hightechprodukte. Bevor sie in die industrielle Produktion gehen, braucht es viele Jahre Grundlagenforschung: Die Stoffe werden entwickelt, analysiert, getestet und so Schritt für Schritt zur Marktreife geführt. Die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) steht seit 1880 dafür, Schweizer Forschung und Technologien in marktfähige Innovationen zu überführen. In der Abteilung «Advanced Fibers» in St. Gallen dreht sich alles um Fasern – jene fadenförmigen Gebilde, aus denen Textilien bestehen.

Die molekulare Struktur der Fasern wird im Kleinsten, auf Nano- und Mikrometerebene, analysiert und gezielt so verändert, dass sie die gewünschten Eigenschaften erhalten. Die Fasern sind dabei meist nicht von Anfang an als branchenspezifische Produkte gedacht. «Vielmehr forschen wir für eine breite Anwendung», erklärt Manfred Heuberger, Leiter Forschung und Entwicklung bei der Empa. «Später integrieren Textilfirmen unsere Fasern in ihre Produkte – und davon profitieren ganz unterschiedliche Branchen, darunter die Hotellerie.»

Nachhaltige Hotels, saubere Fasern
Für ein Hotel, das sich als nachhaltiger Betrieb versteht und positioniert, ist auch Mikroplastik ein Thema. Über den Abrieb beim Waschen der Textilien gelangt es via Abwasser in die Umwelt. Auch da leistet die Empa-Faserabteilung Grundlagenforschung und hat herausgefunden, dass bestimmte Prozesse in der Herstellung der Textilien zur Bildung von Mikroplastikfasern führen. Würden gewisse traditionelle textile Produktionsmethoden gezielt verändert, würde in der Hotelwäscherei signifikant weniger Mikroplastik freigesetzt. 

PFAS-freie Textilien und neuer Flammschutz
Eine für die Hotelbranche interessante Empa-Innovation steht kurz vor der Markteinführung: waschfeste, wasserabweisende Textilien, die ohne fluorhaltige PFAS-Chemikalien auskommen. Diese werden herkömmlich als hauchdünne Beschichtung auf die Fasern aufgebracht. Das Problem: PFAS-Chemikalien werden nicht abgebaut, sondern reichern sich in der Umwelt und im menschlichen Körper an. Sie stehen im Verdacht, Krebs und andere Erkrankungen zu verursachen. Heubergers Abteilung entwickelt eine alternative Imprägnierung mit einer Silizium-Netzwerkstruktur. Im Labor hat diese schon gezeigt, was sie kann: Die neue Empa–Imprägnierung saugt weniger Wasser auf und trocknet schneller. Der ganze Stoff bleibt auch nach vielen Waschgängen stabil, ist also waschfest – und obendrein giftfrei. Nun soll der Transfer vom Labor in den Markt folgen. Dafür kooperiert die Faserabteilung der Empa mit Schweizer Textilunternehmen. Gut möglich, dass schon in wenigen Jahren Gäste im Hotelfoyer auf Polstern mit der fluorfreien Imprägnierung Platz nehmen. Die Technologie könnte zudem in Tischtüchern oder Küchenbekleidung zum Einsatz kommen.

Ein weiterer Empa-Schwerpunkt ist die Flammschutzforschung, die es schon seit zwanzig Jahren gibt. Hier verbinden sich die Themen Umweltschutz und Sicherheit. Vor ein paar Jahren wurde in St. Gallen ein ungiftiges Flammschutzmittel für Matratzenschäume und Polster entwickelt. Es ist bereits auf dem Markt und ersetzt giftige, chlorhaltige Flammschutzmittel, bei denen im Brandfall giftige Gase freigesetzt werden können. Rund zwanzig Patente hat die Empa im Bereich Flammschutz angemeldet, drei davon sind gerade in der industriellen Umsetzung. Darunter ein spezielles Molekül, das in Polyesterfasern eingearbeitet wird, welche künftig auch als Sonnenschutzplane oder textile Überdachung auf Hotelterrassen zum Einsatz kommen könnten.

Wenn der Teppich zur Antenne wird
Die Technologiesprünge in den letzten zehn Jahren waren bereits beachtlich, ordnet Heuberger ein. Synthetische Fasern haben durch neue Materialkombinationen neue Funktionen bekommen: Sie können in absehbarer Zukunft zum Beispiel Wirkstoffe abgeben. Das «Ende der Fahnenstange» sei noch lange nicht erreicht. Heuberger denkt da an einen speziellen Fasertyp, die sogenannten Bi-Komponenten-Fasern, kurz Biko. «Bi-Komponenten-Fasern weisen den gewohnten Durchmesser und die gewohnten textilen Eigenschaften von Fasern auf, haben aber zusätzliche Eigenschaften dauerhaft mit eingebaut», erklärt Heuberger. 

Am besten ist es, wenn Stoffe langlebig sind und repariert werden können. Nachhaltiger geht es nicht.
Manfred Heuberger, Leiter Forschung und Entwicklung Empa

Ganz erstaunliche Eigenschaften, wie das Beispiel der Faser mit dem flüssigen Kern aus Glycerin zeigt. Der Faserabteilung der Empa gelang es, eine solche neuartige Biko-Faser herzustellen. Sie hat das Zeug, künftig als Signalüberträger eingesetzt zu werden. Wie Glasfasern kann die St. Galler Spezialfaser Licht leiten, Informationen können also mit Lichtgeschwindigkeit durch sie hindurch transportiert werden. Im Gegensatz zur Glasfaser ist die Flüssigkernfaser aber elastisch und weitgehend unempfindlich gegen mechanische Beanspruchung – ein durch und durch robuster Datenüberträger.

Was das mit der Hotellerie zu tun hat? Ganz einfach, so Heuberger: «Etwas weiter in die Zukunft geschaut gibt es im Hotel vielleicht Teppiche und Gardinen, die als Indoorantennen für das 6G-Kommunikationsnetzwerk fungieren werden, welches irgendwann die ja auch noch neue 5G-Technologie ablösen wird.» Textilien erhielten also technische Funktionen, die weit über die heutigen hinausgingen.

In Zukunft langlebig, reparierbar, rezyklierbar
Und wie beurteilt der Faserforscher die künftige Entwicklung in Sachen Nachhaltigkeit? «Die wichtigste Frage lautet aus meiner Sicht: Wie können wir mit nachhaltigeren und kreislauffähigeren Materialien in Zukunft eine vergleichbar hohe Qualität erzielen wie heute?» Gerade für den Produktionsstandort Schweiz mit seinen Textilunternehmen und dem «Swiss made»-Qualitätsversprechen ein zentraler Punkt. Designkonzepte wie «Safe and Sustainable by Design», mit denen die EU Materialien sicherer und nachhaltiger machen will, spielten in Zukunft eine grosse Rolle.

Grundsätzlich rät Heuberger aber zu einer differenzierten Betrachtungsweise. «Am besten ist es, wenn Stoffe langlebig sind und repariert werden können. Nachhaltiger geht es nicht. Recycling schneidet im Vergleich dazu meist schlechter ab, das zeigen die aktuellen wissenschaftlichen Lebenszyklusstudien von Textilien.» Der Grund: Rezyklieren ist ein energieaufwendiger Prozess, der in der Regel eher minderwertige Materialien hervorbringt. Um diese qualitativ einsatzfähig zu machen, werden oft fossile Rohstoffe in entsprechend hohem Masse beigemischt. Was die Nachhaltigkeit angeht, so sind für Heuberger noch robustere, noch länger haltbare Fasern der Königsweg der Faserforschung. Dafür brauche es dann auch definitiv neue Geschäftsmodelle. Denn die Textilfirmen würden weniger Produkte verkaufen, wenn diese länger lebten.

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Echter Vorsprung entsteht nicht zufällig

Wenn das Angebot immer vergleichbarer wird, entscheidet nicht das Versprechen, sondern die Umsetzung. Das Hotel Bären in Dürrenroth und das Kurhaus Flühli zeigen, wie aus Haltung langfristiger wirtschaftlicher Erfolg wächst.
Devenish Nora
Nora Devenish
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Kurhaus Flüehli
Kurhaus Flühli: ein Rückzugsort mit Haltung.
Kurhaus Flühli: ein Rückzugsort mit Haltung. image : zvg
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Kurhaus Flüehli Flüehli Direktor
Gastgeber Pasquale Castagliuolo setzt nicht auf Preiskampf, sondern auf das, was sich nicht kopieren lässt: Ruhe, Authentizität und persönliche Bindung.
Gastgeber Pasquale Castagliuolo setzt nicht auf Preiskampf, sondern auf das, was sich nicht kopieren lässt: Ruhe, Authentizität und persönliche Bindung. image : zVg
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Hotel Bären Dürrenroth
Das Hotel Bären in Dürrenroth ist als 3-Sterne-Superior-Hotel und mit den Spezialisierungen «Boutique», «Historic» und «Gasthof» klassiert.
Das Hotel Bären in Dürrenroth ist als 3-Sterne-Superior-Hotel und mit den Spezialisierungen «Boutique», «Historic» und «Gasthof» klassiert. image : zVg
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Hotel Bären Direktor Volker Behun
Bei Volker Beduhn und seinem Team entsteht Qualität im täglichen Tun. Saubere Abläufe, verlässliche Entscheidungen und der sorgfältige Umgang mit dem Haus prägen den Betrieb.
Bei Volker Beduhn und seinem Team entsteht Qualität im täglichen Tun. Saubere Abläufe, verlässliche Entscheidungen und der sorgfältige Umgang mit dem Haus prägen den Betrieb. image : zVg
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Schweizer Qualität ist im 3-Sterne--Hotel Kurhaus Flühli Teil der strategischen Positionierung. In einem Markt mit zunehmender Vergleichbarkeit und wachsendem Preisdruck setzt Hoteldirektor und Gastgeber Pasquale Castagliuolo bewusst auf Atmosphäre, Haltung und die emotionale Wirkung des Ortes. Qualität wird dabei nicht primär als technische Grösse verstanden, sondern als kulturelle Leistung, die Vertrauen schafft und Bindung ermöglicht.

«Schweizer Qualität ist für uns kein Schlagwort, sondern gelebte Haltung», sagt Castagliuolo. Für das Kurhaus Flühli sei Qualität ein zentrales Instrument, um sich jenseits von reiner Preis- und Angebotslogik zu positionieren. Sie zeige sich in der Glaubwürdigkeit des Angebots und in der Bereitschaft der Gäste, für Ruhe, Rückzug und Authentizität einen angemessenen Preis zu bezahlen. Gerade in einem Umfeld steigender Kosten und hoher Transparenz über Onlineplattformen werde es immer wichtiger, den Mehrwert erlebbar zu machen. Das Kurhaus Flühli setzt deshalb bewusst auf schwer kopierbare Faktoren wie Atmosphäre, persönliche Gastgeberkultur und ein klar spürbares Werteverständnis – als Grundlage für langfristige Gästebindung und eine stabile Nachfrage.

Schweizer Qualität ist kein Schlagwort, sondern gelebte Haltung.
Pasquale Castagliuolo, Direktor und Gastgeber Hotel Kurhaus Flühli

Tradition als Fundament des Qualitätsverständnisses
Die Geschichte des Kurhauses ist Teil des heutigen Qualitätsverständnisses und der langfristigen Wertschöpfungslogik. Sie verpflichtet zu Beständigkeit, Sorgfalt und Respekt gegenüber dem Haus und seinen Gästen. Pasquale Castagliuolo: «Qualität bedeutet für uns nicht Trendanpassung, sondern Weiterentwicklung im Einklang mit unserer Identität.»

Diese Haltung wirkt sich auch auf Investitionsentscheidungen aus. Statt kurzfristiger Modernisierungsschritte setzt der Hoteldirektor auf eine Weiterentwicklung, die Substanz erhält und gleichzeitig den Erwartungen moderner Gäste Rechnung trägt. Der Spagat zwischen historischem Gebäude und zeitgemässem Komfort bleibt eine konstante Herausforderung – wird aber bewusst als Teil der Positionierung angenommen. Schweizer Qualität wird im Kurhaus Flühli sowohl als unternehmerische Pflicht wie auch als Ausdruck von Gastgeberstolz verstanden. Pflicht ist sie überall dort, wo es um Sicherheit, Hygiene, Ausbildung und Verlässlichkeit geht. Gastgeberstolz zeigt sich in der Pflege der Räume, im Umgang mit Mitarbeitenden und in der persönlichen Begegnung mit den Gästen. «Unsere Verantwortung gegenüber Generationen bedeutet für uns, das Haus nicht auszubeuten, sondern nachhaltig weiterzugeben», so Castagliuolo.

Bewusste Investitionen in Schweizer Qualität
Investiert wird bewusst in regionale Lebensmittel, Handwerksleistungen, die Instandhaltung der Bausubstanz sowie in langfristige Partnerschaften mit Schweizer Lieferanten. Ein Teil dieser Investitionen wirkt sich direkt auf Auslastung und Gästezufriedenheit aus. Regionale Produkte und persönliche Beziehungen zu Lieferanten gelten als Qualitätsmerkmal und stärken die Glaubwürdigkeit. Andere Investitionen – etwa in Atmosphäre, Traditionserhalt oder kulturelle Werte – lassen sich nicht in klassischen Kennzahlen abbilden. «Der Effekt zeigt sich oft im Gefühl unserer Gäste», sagt Castagliuolo. Gerade diese emotionalen Faktoren seien jedoch entscheidend für die Positionierung als Rückzugsort und für die langfristige Wahrnehmung des Hauses.
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Qualität äussert sich im Kurhaus Flühli durch Ruhe, persönlichen Empfang und Atmosphäre. «Wenn Gäste sagen: ‹Hier fühlt man sich einfach gut aufgehoben›, dann wissen wir, dass unser Qualitätsverständnis greift», so der Gastgeber. Für das Haus sei genau diese schwer messbare, aber spürbare Qualität ein zentraler wirtschaftlicher Erfolgsfaktor – gerade in einem Markt, in dem Austauschbarkeit zunehme.

Hotel Bären, Dürrenroth: Gastgeberschaft mit Prinzipien
 

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Volker Beduhn, Gastgeber im 3-Sterne-Superior-Hotel Bären in Dürrenroth im Emmental, versteht Schweizer Qualität nicht als kurzfristigen Erfolgsfaktor, sondern als Ergebnis konsequenter Arbeit. Qualität zeigt sich weniger in einzelnen Kennzahlen als im verlässlichen Betrieb und im Vertrauen der Gäste. Dieses Vertrauen gründet auf Beständigkeit und einem ehrlichen Umgang. Das spiegelt sich in stabilen Wiederkehrquoten und langjährigen Weiterempfehlungen wider.

«Schweizer Qualität bedeutet für uns nicht Perfektion um jeden Preis, sondern konsequente Sorgfalt im Alltag», sagt Beduhn. Qualität entstehe nicht durch einzelne Highlights, sondern durch Beständigkeit und funktionierende Abläufe. Die Geschichte des Hauses dient als Orientierung für heutige Entscheidungen. Bewährtes wird dort beibehalten, wo es sich als tragfähig erwiesen hat. Neues wird integriert, wenn es den Betrieb verbessert.

«Tradition ist für uns eine Orientierungshilfe für nachhaltige Entscheidungen», so der Gastgeber. Gerade bei kurzfristig verlockenden, langfristig jedoch problematischen Lösungen helfe dieser Blick, die Substanz und die Servicequalität im Auge zu behalten.

Unternehmerische Pflicht und Gastgeberstolz
Schweizer Qualitätsstandards sind im Hotel Bären in erster Linie unternehmerische Pflicht. Dazu gehören Sauberkeit, Sicherheit, Verlässlichkeit und Ehrlichkeit. Qualität beginnt dort, wo Erwartungen übertroffen werden. «Gastgeberstolz zeigt sich dort, wo wir bewusst mehr tun, als zwingend nötig wäre», sagt Beduhn. Dazu gehörten der persönliche Umgang, die Pflege des Hauses sowie die Ausbildung der Mitarbeitenden. Gegenüber kommenden Generationen bedeute Qualität, die Substanz des Hauses zu erhalten und es langfristig tragfähig zu führen. [IMG 3]

Investitionen fliessen gezielt in regionale Partnerschaften, in handwerkliche Leistungen, in langlebige Materialien sowie in gut ausgebildete Mitarbeitende. In der Küche setzt das Team bewusst auf regionale Produkte und Produzenten – selbst wenn dies zu Mehrkosten führt. Zudem wird kontinuierlich in die Instandhaltung investiert. «Nicht spektakulär, aber konsequent», fasst Beduhn diesen Ansatz zusammen. Messbar rechneten sich insbesondere Investitionen in Mitarbeitende, Infrastruktur und Qualitätssicherung, weil sie sich direkt auf die Gästezufriedenheit und die Effizienz auswirkten.

Es ist unsere Aufgabe, Qualität ehrlich zu leben, statt sie nur zu inszenieren.
Volker Beduhn, Gastgeber Hotel Bären, Dürrenroth

Spannungsfeld zwischen Qualität und Wirtschaftlichkeit
Gleichzeitig bleibt der betriebliche Alltag von Abwägungen geprägt. Geschwindigkeit und Kostendruck legten einfache Lösungen nahe, während Tradition Zeit und Qualität Sorgfalt erforderten. «Die Herausforderung besteht darin, wirtschaftlich zu bleiben, ohne Substanz zu verlieren», sagt Beduhn. Für viele Gäste zeige sich Qualität gerade dort, wo sie kaum auffalle: bei reibungslosen Abläufen, gepflegter Infrastruktur oder konstantem Service. Diese Selbstverständlichkeit sei ein Zeichen dafür, dass Qualität funktioniere – und werde oft erst dann wahrgenommen, wenn sie fehle. Dieser Ansatz spreche vor allem Gäste an, die bewusst reisten und Wert auf Authentizität und Beständigkeit legten. Im Alltag werde Qualität dabei weniger erklärt als erlebt.

Schweizer Qualität dürfe mehr kosten, wenn sie für den Gast nachvollziehbar und in der Leistung konsistent sei. Die Zahlungsbereitschaft ende dort, wo der Mehrwert nicht mehr verständlich sei oder als Selbstzweck wahrgenommen werde. «Unsere Aufgabe ist es, Qualität nicht zu inszenieren, sondern ehrlich zu leben – dann wird sie auch akzeptiert», so Volker Beduhn.

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Qualität zahlt sich spätestens beim Waschen aus

Textilien für die Hotellerie und Gastronomie müssen mehr können als gut aussehen. Sie sollen sich gut anfühlen, halten – und sich rechnen. In Burgdorf entsteht Wäsche, die Qualität, Langlebigkeit und Service verbindet: vom Garn bis zur Wäscherei. Zu Besuch bei der Leinenweberei Schwob.
Claudia Meyr
Claudia Meyr
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Schwob Textilien
Beim Rundgang begrüsst CEO Stephan Hirt die Mitarbeitenden persönlich mit Namen und lässt sich einen Spezialauftrag erklären.
Beim Rundgang begrüsst CEO Stephan Hirt die Mitarbeitenden persönlich mit Namen und lässt sich einen Spezialauftrag erklären. image : Claudia Meyr
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Wer die Weberei der Schwob AG betritt, versteht sein eigenes Wort nicht mehr. Der Lärm ist ohrenbetäubend. Webmaschinen jagen das Garn mit rasendem Tempo durch Tausende gespannter Fäden. Hinter den über 150 Jahre alten Backsteinmauern beim Bahnhof Burgdorf entsteht etwas schweizweit Einzigartiges: feinste Stoffe für Hotellerie, Gastronomie und Kliniken. Täglich im Einsatz und im direkten Gästekontakt. [RELATED]

Ein grosses Erbe
Der Standort im Emmental blickt auf eine jahrhundertealte Tradition zurück. Einst prägten Flachsanbau und -verarbeitung die Region. Bis heute zeugt der weitläufige Gebäudekomplex der letzten industriellen Leinenweberei von den Glanzzeiten der Schweizer Textilindustrie. Dieses Erbe will Schwob bewahren – und konsequent weiterentwickeln. Das Unternehmen beschäftigt heute rund 240 Mitarbeitende und arbeitet vor allem im B2B-Geschäft. In Burgdorf sind rund 60 Personen tätig. Hier befinden sich Verwaltung, Weberei sowie Konfektions- und Stickereiabteilung. Mit Schweizer Präzision, viel Handarbeit und einem innovativen Geschäftsmodell behauptet sich Schwob im hart umkämpften Textilmarkt.

Wir drücken unseren Kunden nicht einfach einen Katalog in die Hand.
Cornelia Magno, Textildesignerin Schwob AG

Hightech statt Nostalgie
In der grossen Produktionshalle hat Nostalgie keinen Platz. Elf vollautomatische Jacquard-Webmaschinen von Dornier-Stäubli bestimmen den Takt. Modernste Elektronik steuert jeden der insgesamt 75 000 Fäden einzeln. Reisst einer, blinkt ein rotes Licht. Die Maschine stoppt, ein Mitarbeiter greift ein, knotet den Faden – und weiter gehts.

Produktionsleiter Andreas Meier und sein fünfköpfiges Team sorgen für einen reibungslosen Ablauf. Vor über 40 Jahren hat Meier hier seine Lehre gemacht. «Damals standen 120 Webmaschinen in dieser Halle, gesteuert mit mechanischen Lochkarten. Alles war fehleranfälliger. Was wir hier sehen, ist ein Quantensprung», sagt er.

Im Zweischichtbetrieb laufen die Maschinen von fünf Uhr morgens bis zehn Uhr abends. Gerade webt eine Maschine den Schriftzug des «Beau-Rivage Interlaken» in das Gewebe – Zentimeter für Zentimeter, individuell gefertigt. So entstehen Jahr für Jahr rund 300 Kilometer feinstes Tuch.

«Die Jacquard-Webmaschinen sind technische Wunderwerke. Wir können jedes erdenkliche Muster einweben – grafische Elemente, Schriftzüge oder Blumenmotive», so Meier. Der Aufwand lohnt sich. «Bedruckte Stoffe sehen anfangs gut aus, doch die Farben verblassen. Gewebte Sujets dagegen bleiben, ein Textilleben lang.»

Für jedes Haus die passende Lösung
Das Design entsteht im Atelier von Textil- und Farbdesignerin Cornelia Magno. Seit fast 30 Jahren arbeitet sie bei Schwob. «Als noch Lochkarten im Einsatz waren, habe ich jedes Muster Punkt für Punkt auf Millimeterpapier gezeichnet», erzählt sie. Heute ist der Computer ihr wichtigstes Werkzeug.


300 Kilometer Stoff pro Jahr produziert die Weberei in Burgdorf.
11 Jacquard-Webmaschinen stehen in einer der modernsten Webereien Europas.
75‘000 Fäden werden beim Weben einzeln angesteuert und ermöglichen komplexe, eingewebte Designs.
400 industrielle Waschzyklen halten die Textilien aus – weit mehr als Standardware.
12‘000 Tonnen Wäsche pro Jahrverarbeiten die fünf hauseigenen Wäschereien.
6 Liter Wasserverbrauch pro Kilogramm in der professionellen Wäscherei, gegenüber 25 Litern im Privathaushalt.

«Wir drücken unseren Kunden nicht einfach einen Katalog in die Hand», sagt Magno. «Wir hören zu und entwickeln gemeinsam eine Lösung, die zum Haus passt.» CAD-Programme übersetzen die Ideen in individuelle Entwürfe. Wenn sich Kunden nur schwer vorstellen können, wie eine Farbe oder ein Muster im Raum wirkt, erstellt die Designerin eine 3D-Visualisierung. So lassen sich Varianten durchspielen.

Von Luxus bis Low Budget
Am Anfang steht für Hoteliers die einfache Frage: Was braucht unser Haus wirklich? Zu Schwobs Kunden zählen 5-Sterne-Hotels, Jugendherbergen, aber auch kleine Bed and Breakfasts und Boutique-Hotels. Für Cornelia Magno ist jeder Auftrag einzigartig. «Ob Luxushotel oder kleines Haus spielt keine Rolle. Entscheidend ist eine Lösung, die dem Haus und seinem Anspruch gerecht wird.» Ist das Budget kleiner, wird der Weg pragmatischer – nicht schlechter. «Dann entwickeln wir vielleicht keine eigene Kollektion, finden aber trotzdem eine überzeugende Alternative.» In solchen Fällen kommen auch hochwertige Handelsprodukte zum Einsatz, die Schwob ergänzend im Sortiment führt.

Präzision bis zum letzten Stich
Nach der Weberei folgt die Feinarbeit – ein entscheidender Schritt, bevor ein Textil im Hotelzimmer oder Restaurant seinen Platz findet. In der Qualitätssicherung prüft eine Mitarbeiterin zunächst mit Argusaugen jede Stoffbahn Zentimeter für Zentimeter, die Pinzette in der Hand. Kleinste Fehler markiert sie sofort, damit sie beim Zuschnitt berücksichtigt werden.

In der von Tageslicht durchfluteten Halle der Konfektionierung arbeiten 16 Mitarbeitende. Sie fertigen die Textilien schliesslich Stück für Stück. Vieles bleibt Handarbeit: Die Mitarbeiterinnen nähen breite Säume selbst, platzieren Logos millimetergenau und fertigen mit Spezialmaschinen Hohlsäume, Knopflöcher sowie dekorative Details. Hightech unterstützt im Hintergrund.

Sonderwünsche und Kleinserien gehören zum Alltag. «Wir fertigen individuelle Produkte, auch in kleinen Auflagen, und liefern schnell», sagt CEO Stephan Hirt. Eine Serie von 1200 Servietten für das Wankdorf-Stadion etwa versäumt eine Näherin innerhalb von zwei Tagen.

Vom Weben bis zum Waschen
Hoteltextilien folgen einem Kreislauf: vom Einsatz in Zimmern und im Restaurant zurück in die Aufbereitung und von dort wieder in den Betrieb. Stephan Hirt weiss: «Unsere Kunden wollen schöne Textilien. Aber sie erwarten auch einen verlässlichen Wäscheservice.» Diese Einsicht markierte 2008 einen Wendepunkt für Schwob.

Damals erweiterte das Unternehmen sein Angebot um die Wäscherei. Seither betreut es den gesamten Lebenszyklus seiner Textilien – mit einem Mietwäsche-Vollservice (siehe rote Box). Das Prinzip: Hotels lassen ihre Tisch- und Bettwäsche produzieren, ohne sie zu kaufen. Abgerechnet wird nur, was tatsächlich in der Wäscherei landet.

Heute nutzen über 700 Kunden in der Schweiz dieses Modell. Fünf eigene Wäschereien und 30 regionale Partnerbetriebe waschen die Textilien. «Unsere Lastwagen fahren nicht Hunderte von Kilometern, nur weil es irgendwo billiger ist», betont Hirt. «Nähe zum Kunden ist Teil unseres Serviceversprechens.» Im Wäschereialltag wird dieser Anspruch täglich umgesetzt.

Unsere Kunden wollen schöne Textilien. Aber sie erwarten auch einen verlässlichen Wäscheservice.
Stephan Hirt, CEO Schwob AG

Spürbare Qualität
Vom Garn bis zum letzten Waschgang zählen Langlebigkeit, Pflege und Wiederverwendung. Die hochwertigen Stoffe aus der Leinenweberei Schwob halten bis zu 400 Waschgängen stand, was einem Vielfachen von handelsüblichen Textilien entspricht.

«Wir schaffen die Quadratur des Kreises», sagt Hirt und streicht über einen Stapel frisch konfektionierte Bettwäsche. «Sie fühlt sich fast wie Seide an – und bleibt trotzdem industriell waschbar.» Textilien, sagt er, seien Berührungspunkte. «Gäste spüren sie, noch bevor sie sie bewusst wahrnehmen: die Bettwäsche beim Zubettgehen, das Frottiertuch nach der Dusche, die Serviette beim Frühstück.» Ob sich etwas hochwertig anfühle, entscheide sich im Unterbewusstsein.

Auch am Ende bleibt das Textil Teil des Kreislaufs. «In einem aktuellen Projekt versuchen wir, bis zu 40 Prozent unserer End-of-Life-Textilien wieder in den textilen Kreislauf zurückzuführen», sagt Hirt. Ein Teil wird zu neuem Garn verarbeitet und erneut eingesetzt, etwa für Frottiertücher. Anderes erhält ein zweites Leben als Wäschesack oder als Give-away für Hotelgäste.

Swissness in der DNA
Für Schwob ist die Produktion in der Schweiz ein bewusster Entscheid. Er beginnt in der Weberei in Burgdorf, führt über die Veredelung und die Konfektionierung im eigenen Atelier – und endet mit den letzten Waschgängen in der Wäscherei. Dass Herstellung und Service hierzulande teurer sind, stellt Hirt nicht infrage. «Die 20 bis 25 Prozent Mehrkosten holen wir wieder rein», sagt er. «Mit Langlebigkeit, Qualität, Swissness – und Nähe zum Kunden.»


Rundumservice für Hoteliers und Gastronominnen
Beim Mietwäsche-Vollservice der Schwob AG bezahlen Kunden nur die effektiv gewaschene Wäsche, pro Kilo oder Stück. Schwob holt die Wäsche ab, wäscht, kontrolliert, ersetzt beschädigte Teile und liefert sie termingerecht zurück. Kosten für Personal, Maschinen, Lager, Strom, Waschmittel und Reparaturen entfallen. Das Modell senkt Fixkosten, schafft Kostentransparenz und entlastet den Betrieb im Alltag. Investitionen in den Kauf von Textilien sind nicht nötig. Dank eigener Wäschereien und ausgewählter Partner ist das Angebot schweizweit verfügbar.

echt schweiz

Raphael Meier: «Die Ansprüche an den Schlaf sind gestiegen»

Steigende Erwartungen und differenzierte Bedürfnisse prägen den Schlafkomfort im Hotel. Raphael Meier erklärt, wie Bico mit modularen Systemen, Forschung und nachhaltigen Materialien auf diese Entwicklung reagiert.
Gaston Haas
Gaston Haas
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Raphael Meier ist Head of Product Management & Development bei der Hilding Anders Switzerland AG
Für die Bedürfnisse der Hotellerie hat Bico ein eigenes, abgestimmtes Sortiment, erklärt Raphael Meier.
Für die Bedürfnisse der Hotellerie hat Bico ein eigenes, abgestimmtes Sortiment, erklärt Raphael Meier. image : zVg
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Raphael Meier, wie haben sich die Bedürfnisse der Hotelgäste in den letzten zehn Jahren in Bezug auf Schlafkomfort verändert?

Das Bewusstsein für guten Schlaf ist deutlich gestiegen. Gäste erwarten heute nicht nur ein bequemes Bett, sondern einen erholsamen, hochwertigen Schlaf als festen Bestandteil des Hotelerlebnisses. [RELATED]

Sind die Ansprüche also gestiegen?

Sie sind differenzierter geworden: Unterschiedliche Schlafpositionen, individuelle Komfortbedürfnisse und ein höheres Hygienebewusstsein spielen eine grössere Rolle.

Wie reagiert Bico auf differenzierte Bedürfnisse?

Wir verfügen über ein eigenständiges, auf die Hotellerie ausgerichtetes Sortiment, das wir 2025 grundlegend überarbeitet haben, um der gestiegenen Vielfalt an Anforderungen gerecht zu werden. Statt weniger Standardmodelle bieten wir heute ein modular aufgebautes System mit über 60 Matratzenkonfigurationen in unterschiedlichen Komfort- und Qualitätsstufen an. Wir wollen den Hoteliers ein professionelles, strukturiertes Sortiment bieten, das sowohl wirtschaftliche als auch qualitative Anforderungen optimal abdeckt.

Wie hat sich die Matratzenproduktion in den letzten Jahren technologisch und ökologisch weiterentwickelt?

Die Materialvielfalt und die technischen Möglichkeiten haben deutlich zugenommen. Fortschritte sehen wir vor allem in präziseren Fertigungsprozessen, verbesserten Materialkombinationen und einer konstant höheren Qualitätskontrolle. Parallel dazu ist das Thema Nachhaltigkeit stark in den Fokus gerückt. Der Einsatz schadstoffarmer Materialien, die Reduktion von Klebstoffen sowie die Verwendung von recycelten Rohstoffen oder Produktionsresten sind heute zentrale Entwicklungsfelder. Entscheidend bleibt dabei, dass Komfort und Lebensdauer mindestens gleich hoch sind wie bei konventionellen Lösungen.

Welche Rolle spielen Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft bei der Entwicklung neuer Matratzen im Hospitality-Segment?

Beide sind eng miteinander verknüpft, aber nicht identisch. Während nachhaltige Materialien und langlebige Konstruktionen bereits stark nachgefragt werden, befindet sich die echte Kreislaufwirtschaft noch im Aufbau. Als Gründungsmitglied der Matratzen-Allianz (siehe Box) engagieren wir uns aktiv für den Aufbau von Recyclingstrukturen. Unsere Textilien enthalten mindestens 46 Prozent Post-Consumer-Recyclingmaterial, und viele Modelle sind in zirkulären Hüllenvarianten erhältlich.

In unserem hauseigenen Sleep Lab untersuchen wir seit über elf Jahren Themen wie Ergonomie, Bettklima, Hygiene, Haltbarkeit und Nachhaltigkeit.

Wie stark fliessen Erkenntnisse aus der Schlaf- und Gesundheitsforschung in Ihre Produkte ein?

Forschung ist ein zentraler Bestandteil unserer Entwicklungsarbeit. In unserem hauseigenen Sleep Lab untersuchen wir seit über elf Jahren Themen wie Ergonomie, Bettklima, Hygiene, Haltbarkeit und Nachhaltigkeit. Zusätzlich arbeiten wir mit dem Institut für Arbeitsmedizin, Ergonomie und Hygiene (AEH) zusammen, das unsere Produkte unabhängig begleitet und zertifiziert. Erkenntnisse aus Kooperationen mit Schlafforschern sowie Fachpersonen aus Ergonomie und Therapie fliessen in unsere Entwicklung ein. Unser Ziel ist es, Komfort nicht nur subjektiv, sondern auch wissenschaftlich nachvollziehbar zu gestalten.

Wie individuell können Hoteliers Matratzenlösungen für ihre Gästezimmer konfigurieren?

Die Individualisierung erreichen wir durch Systematik. Dank des modularen Aufbaus können wir Matratzen gezielt auf unterschiedliche Hotelkonzepte, Zimmerkategorien oder Budgetstufen abstimmen. Es geht um Härtegrade, Komfortzonen, Bauhöhen und Hüllenvarianten. Diese lassen sich flexibel kombinieren. Eine professionelle Beratung hilft, eine Lösung zu definieren, die sowohl zur Zielgruppe als auch zum betrieblichen Konzept passt. So entsteht keine unübersichtliche Produktvielfalt, sondern ein durchdachtes Schlafsystem.

Wie wichtig ist das Thema Swissness? Ist es bloss Marketing oder ein echter Mehrwert?

Für uns ist Swissness kein Marketinginstrument, sondern ein Qualitätsversprechen. Wir produzieren in Schänis und arbeiten mit langjährigen regionalen Partnern zusammen. Das ermöglicht kurze Wege, hohe Produktionskontrolle und eine konstante Qualität. Für Hoteliers bedeutet das langlebige Produkte, zuverlässige Lieferfähigkeit und transparente Herkunft. Gleichzeitig ist «Made in Switzerland» für viele Gäste ein glaubwürdiges Signal für Wertigkeit und Vertrauen – und damit ein echter Mehrwert in der Positionierung des Hotels. 

Raphael Meier ist Head of Product Management & Development bei der Hilding Anders Switzerland AG, zu der auch die Marke Bico gehört.

echt schweiz

Neues Leben für alte Matratzen

Jährlich landen in der Schweiz rund eine Million Matratzen im Abfall. Jens Fischer, Präsident der Matratzen-Allianz, erklärt, wie Recycling funktionieren kann – und wie die Branche gemeinsam eine nachhaltige Kreislauflösung aufbaut.
Gaston Haas
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Jens Fischer
Jens Fischer hofft auf eine nationale Lösung für Recycling- und Rücknahmesysteme mit Branchenfinanzierung.
Jens Fischer hofft auf eine nationale Lösung für Recycling- und Rücknahmesysteme mit Branchenfinanzierung. image : zVg
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Jedes Jahr werden in der Schweiz eine Million Matratzen entsorgt, was rund 20'000 Tonnen Material entspricht oder der Distanz Schänis–Lissabon. Endstation war bisher meist die Kehrichtverbrennung, denn eine Zweitverwendung ist aus hygienischen Gründen und oft auch aufgrund der Stützqualität fast unmöglich. Hier setzt der Verein Matratzen-Allianz an. Er bringt seit 2021 Hersteller, Händler und Entsorger aus der Möbelbranche mit dem Ziel zusammen, ein landesweites Recyclingsystem für Matratzen aufzubauen. 

Seit dem 1. Dezember 2025 läuft im Kanton Aargau ein Pilotprojekt. In Spreitenbach, Hunzenschwil und Kölliken können alte Matratzen abgegeben werden. Von dort gelangen sie in die Justizvollzugsanstalt Witzwil im Kanton Bern, wo sie von Hand zerlegt werden. Zurückgewonnen werden unter anderem  Polyurethanschaum, Latex, Textilien und Metall. Diese Materialien eignen sich teilweise zur Herstellung neuer Matratzen.
Die Allianz zählt aktuell rund 30 Mitglieder, darunter Forschungsinstitutionen, Umweltorganisationen und Möbelhändler wie Ikea oder Micasa. Der grösste Schweizer Matratzenhersteller Bico spielt mit seinem Produkt- und Materialwissen eine Schlüsselrolle. Damit wird Kreislaufwirtschaft konkret: weniger Primärrohstoffe, weniger CO₂, mehr Verantwortung entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Langfristig strebt die Allianz eine vorgezogene Recyclinggebühr beim Matratzenkauf an, ähnlich wie bei Elektrogeräten. So wird das Lebensende eines Produkts bereits beim Verkauf mitgedacht, und für das heutige Abfallproblem entsteht eine vorfinanzierte Recyclinglösung.


5 Fragen an Jens Fischer, Präsident der Matratzen-Allianz und Mitglied der Geschäftsleitung von Hilding Anders Switzerland. 

Jens Fischer, rezyklieren kostet. Wie stellen Sie sich eine künftige vorgezogene Recyclinggebühr vor?

Unser Ziel ist ein verpflichtender vorgezogener Recyclingbeitrag für alle Inverkehrbringer. Dafür braucht es eine national abgestützte Branchenvereinbarung. Je rascher sich die Branche auf eine Lösung einigt, desto schneller geht es voran. Realistisch ist das innerhalb von einigen Jahren. [RELATED]

Bisher gibt es drei Sammelstellen für Matratzen im Kanton Aargau. Gibt es Pläne für weitere Standorte?

Die Pilotstandorte im Aargau dienen dazu, Materialqualität, Logistik und Kostenstruktur unter realen Bedingungen zu testen. Darauf bauen wir eine schrittweise Ausweitung auf weitere Kantone auf. Da erst ein Viertel der Kosten über Fördergelder gedeckt ist, fehlt uns noch die Finanzierung. Ziel bleibt ein schweizweit zugängliches Sammelsystem in Zusammenarbeit mit Handel, Gemeinden und Entsorgungswirtschaft. Aktuell arbeiten wir daran, die notwendigen finanziellen Mittel und Partnerschaften zu sichern, damit eine Ausweitung wirtschaftlich tragfähig wird.

Internationale Beispiele zeigen, dass nationale Recyclinglösungen funktionieren können. Unser Ziel bleibt ein schweizweit zugängliches Sammelsystem.

Welches sind die wertvollsten wiederverwendbaren Materialien einer Matratze?

Besonders relevant sind Metalle, Polyurethanschäume sowie textile Bestandteile, aber auch Latex wird separiert, ist anteilsmässig jedoch die kleinste Fraktion. Metalle aus Federkernen lassen sich bereits heute sehr effizient recyceln. Bei Schäumen liegt der grösste Hebel bei Kreislauflösungen, etwa durch Rebonding, chemisches Recycling oder den Einsatz in anderen Produkten wie Dämmstoffen. Bei Textilien besteht ebenfalls ein grosses Potenzial für CO₂-Einsparungen. Die Textilbranche steht da vor ähnlichen Herausforderungen: In der Schweiz gibt es noch kein Textilrecycling.

Welche Matratzenart liefert am meisten wiederverwendbare Materialien?

Die Bauart der Matratze ist weniger entscheidend als ihr Design. Für die Wiederverwertung ist wichtig, dass möglichst sortenreine Materialien verwendet wurden und die einzelnen Bestandteile leicht voneinander getrennt werden können. Deshalb sollten sie nicht verklebt, sondern lösbar miteinander verbunden sein. Je einfacher sich eine Matratze zerlegen lässt, desto besser können die Materialien später wiederverwendet werden.

Gibt es internationale Vorbilder für funktionierende Kreislaufsysteme?

In Frankreich, den Niederlanden und Belgien, aber auch in einigen Staaten der USA und in Grossbritannien gibt es organisierte Rücknahme- und Recyclingsysteme mit Branchenfinanzierung. Diese Modelle zeigen, dass nationale Lösungen funktionieren können, wenn Industrie, Handel und Politik gemeinsam handeln und das Recycling über einen vorgezogenen Recyclingbeitrag finanziert wird. Die Schweiz kann von diesen Erfahrungen lernen, entwickelt jedoch ein eigenes, auf die hiesigen Rahmenbedingungen zugeschnittenes System. 

echt schweiz

Schweizerisch schlafen: Ein Blick hinter die Kulissen

In Schänis produziert Bico als Teil der Hilding Anders Switzerland AG jährlich 28‘000 Matratzen, viele davon für die Hotellerie. Ein Rundgang durch die Produktion zeigt, wie Handarbeit, Forschung und Housekeeping-Erfahrung zusammenspielen.
Blanca Burri
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Bico, Teil der Hilding Anders Schweiz AG
Es braucht langjährige Erfahrung, um jeden Arbeitsschritt beim Nähen der Matratzenhüllen zu lernen.
Es braucht langjährige Erfahrung, um jeden Arbeitsschritt beim Nähen der Matratzenhüllen zu lernen. image : zVg
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In Schänis, einem beschaulichen Dorf zwischen Zürichsee und Walensee, liegt ein Stück Schweizer Industrie: die Produktionsstätte von Bico, Teil der Hilding Anders Schweiz AG. In hohen Hallen geben Nähmaschinen mit rhythmischem Rattern den Takt an. Hier arbeiten die Näherinnen an massgefertigten Arbeitstischen an Matratzenhüllen. Bis alle Arbeitsschritte sitzen, vergehen Jahre. [RELATED]

Alexandra Burkart geht durch wohlsortierte Matratzenstapel, hält inne und streicht über eine Schaumstoffoberfläche, die sich noppenartig anfühlt: «Diese Federkernmatratze ist typisch für ein Boxspringbett.» Als Account Manager Hotellerie führt Burkart jährlich rund 200 Beratungsgespräche mit Hoteliers, Innenarchitektinnen und Projektleitern. Sie klärt ihre Kunden über den Unterschied zwischen einem Boxspringbett (mit Federkern) und einem Lattenrostbett auf und kennt deren Vor- und Nachteile, besonders für die Hotellerie.

Die geheime Macht des Housekeepings
Burkart betont mit warmer, geschulter Stimme, dass sie ihre Gespräche am liebsten mit den Personen von der «Front» führt, den Housekeeping-Mitarbeitenden. Für das Housekeeping ist das Bett mehr als ein Ausgabeposten, es ist ein tägliches Arbeitsgerät. Eine Matratze ist per se schwer und muss im Hotelalltag beim Beziehen täglich angehoben werden. Burkart achtet auf Details, die den Rücken der Mitarbeitenden schonen: Sind die Griffe ergonomisch platziert? Ist die Höhe der Bettfüsse so gewählt, dass man effizient unter dem Bett reinigen kann, ohne das schwere Möbel verschieben zu müssen? Ein strategischer Punkt ist der Einsatz von Toppern. Während Entwickler sie oft kritisch sehen, da sie das Schlafklima beeinflussen können, sind sie für das Housekeeping ein Segen, da sie leichter zu beziehen sind als eine schwere Matratze. Burkart hilft hier bei der Entscheidung und empfiehlt einen durchgehenden Topper auf zwei Einzelmatratzen, um Handling und Wäsche zu optimieren und den Gästen optimalen Komfort zu bieten.

Wenn jemand schlecht geschlafen hat, ist auf den Bewertungsseiten alles schlecht – selbst das Kaffeelöffelchen auf der falschen Seite der Tasse
Alexandra Burkart,Account Manager Hotellerie, Hilding Anders Switzerland

Bico ist zwar seit 2001 Teil des schwedischen Konzerns Hilding Anders, doch die Wertschöpfung bleibt in der Schweiz. «Auch wenn wir Hilding Anders Switzerland heissen, bezeichnen wir uns nach wie vor als Bico», erklärt Burkart beim Vorbeigehen an den Stoffrollen, die teilweise aus dem Appenzell stammen. Bei Bico entstehen jährlich 28'000 Matratzen in drei Kategorien: Es gibt die Bico-Privatkollektion für den Fachhandel, massgefertigte Matratzen für Private Labels grosser Möbelhäuser sowie eine Kollektion für die Hotellerie. Diese macht rund 6 Prozent des Gesamtumsatzes von Hilding Anders Switzerland aus.

Das Gehirn: Das Sleep Lab von Bico
Hinter den Produktionshallen liegt das «Gehirn» des Unternehmens: das Good Night’s Sleep Lab. Beim Betreten des Labors vermisst Raphael Meier, Head of Product Management & Development, gerade einen Matratzenkern. Er entwickelt ein neues Modell für einen Private-Label-Kunden. In diesem Labor nutzt Meier anthropometrische Daten, um Zonen für Schulter- oder Lordosestütze zu berechnen. Ziel ist es, dass sie für 95 Prozent der Menschen ergonomisch passen. Die Qualität wird durch harte, vom AEH-Institut zertifizierte Tests untermauert: Eine 140 Kilogramm schwere Walze simuliert eine zehnjährige Nutzung, während in einer Klimakammer ein schwitzender Torso die Feuchtigkeitsregulierung misst. Raphael Meier ist dabei selbst der aktivste Testschläfer: «Keine Maschine schafft es, unser menschliches Gefühl abzudecken.»

1 Schwarznasenschaf liefert pro Jahr die Wolle für zwei Matratzen.
28‘000 Matratzen werden in Schänis pro Jahr produziert.
5000 Matratzen der Jahresproduktion gehen an die Hotellerie.
6 % des Umsatzes von Hilding Anders Switzerland entfallen auf die Hotellerie.
30 % Marktanteil in der Hotellerie.
150 Hotels werden pro Jahr beliefert.
60 % der verkauften Betten an die Hotellerie sind Boxspringbetten.

Für Wohlbefinden und Onlinebewertungen
Für Hoteliers ist Bico eine Investition in die wichtigste Währung der Branche: Gästezufriedenheit. «Wenn jemand schlecht geschlafen hat, ist auf den Bewertungsseiten alles schlecht – selbst das Kaffeelöffelchen auf der falschen Seite der Tasse», so Alexandra Burkart. Bico hält heute einen Marktanteil von 30 Prozent in der Schweizer Hotellerie. Ein grosser Vorteil ist dabei die Anbindung an Hilding Anders: Bei Sonderwünschen kann Bico auf das Portfolio des Mutterhauses zurückgreifen und deckt so fast jedes Preissegment ab.

Für die Hotellerie gibt es einen eigenen Showroom. Die Ausstellung ist praxisnah eingerichtet: Matratzen und Topper lassen sich mit verschiedenen Lattenrosten, Boxspringboxen und Zustellbetten kombinieren. CEO Toni Haberthür zeigt auf eine hochwertige Pro-Body-Prime-Matratze mit einem 7-Zonen-Kern. Er beobachtet seit der Pandemie einen stärkeren Fokus auf guten Schlaf. «Egal, ob im Business- oder im Ferienhotel: Die wichtigste Zeit des Gastes ist trotz allem die Nacht im Bett.»

Einlegerahmen aus der eigenen Werkstatt, Matratzen von nebenan
Entsprechend gross ist der Aufwand hinter den Kulissen. Den Schaumstoff für seine Matratzen entwickelt Bico gemeinsam mit Carpenter Engineered Foams im nur 15 Kilometer entfernten Wolfhausen, wo die Matratzenkerne konfektioniert werden. Die Einlegerahmen und Boxspringboxen entstehen vor Ort in Schänis.

Beim Verlassen der Produktionshalle laufen die Nähmaschinen weiter. Aus Textilien, Schaum und Federn entstehen hier täglich Matratzen, auf denen irgendwo in der Schweiz ein Hotelgast besser schlafen soll als zu Hause.