Barbara und Martin Künzi aus Thun kannten das Hotel Schwendi von zahlreichen Velotouren. Schon 2010 fiel ihnen das Haus auf, nur einige hundert Meter vom Reichenbachfall entfernt. Es stand leer und war ausgeschrieben. Der Impuls zum Kauf kam Jahre später, in Form einer Wortschöpfung: «Zwischensinn». Das Wort stand für einen Ort, an dem Menschen mitten im Leben innehalten, um bewusster in den Alltag zurückzukehren. Da fiel den Künzis die Schwendi wieder ein.
Beim ersten Rundgang wirkte das Haus, als wären die letzten Gäste eben gegangen. Die Betten waren noch bezogen, die Frotteetücher hingen neben den Lavabos.
Steckbrief
Betrieb: Pilgerhaus Schwendi, Schattenhalb
Betreiberin: Zwischensinn GmbH, Künzi, Barbara und Martin, Schattenhalb
Besitzer: Barbara und Martin Künzi, Thun
Baujahr: 1899
Hotelkategorie: wird als Pilgerhaus geführt
Anzahl Zimmer: 6 Apartments für 1–2 Personen, maximal 9 Gäste (Adults only, ab 16 Jahren)
schwendi.swiss
Ein Kauf gegen alle Ratschläge
Vieles sprach gegen den Kauf. Banken winkten ab, Fachleute aus der Hotellerie rieten davon ab, und die Künzis kamen selbst nicht aus der Branche. Das half womöglich: Sie hatten keinen Traum vom eigenen Hotel, den sie um jeden Preis verwirklichen wollten. «Im Kern ging es nie darum, ein wirtschaftlich interessantes Beherbergungsangebot zu schaffen», sagt Martin Künzi.
Zwei Sommer auf Probe
Nach dem Kauf 2022 liess das Ehepaar das Haus zunächst fast unverändert. Zwei Sommer lang verbrachten Familie, Freunde und Bekannte ihre Ferien in der alten Schwendi, eine Art Probebetrieb. Manches, was auf dem Papier logisch schien, verlor vor Ort an Bedeutung, anderes wurde plötzlich zentral. «Nicht jedes leer stehende Hotel muss wieder ein Hotel werden. Manchmal wartet dahinter etwas anderes. Man muss dem Haus nur Zeit geben, sich zu zeigen», sagen die Künzis.
Die Schwendi ist nicht entstanden, weil wir von Anfang an wussten, wie es geht. Sondern weil wir mutig genug waren, anzufangen.
Barbara und Martin Künzi, Bauherrschaft und Betreiber Pilgerhaus Schwendi
Aus zwölf Zimmern werden sechs Appartments
Aus diesen Erfahrungen erfolgte von Februar bis November 2025 der Umbau mit lokalen Handwerkern. Historische Substanz blieb, wo sie dem Haus seine Eigenart gibt. Neues kam dazu, wo es Komfort und Flexibilität schafft. Aus zwölf Zimmern wurden drei Doppel- und drei Einzelapartments mit Dusche und Kochnische.
Seit Januar 2026 empfängt das Haus als Pilgerhaus Schwendi wieder Gäste. Einzelgäste finden Raum für Stille und Einkehr, Teams nutzen es für Retreats und Workshops, um neue Ideen zu entwickeln.
Eindrücke Pilgerhaus Schwendi
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Der Umbau in Zahlen
- 10 Monate dauerte die Umgestaltung des Hauses in Zusammenarbeit mit regionalen Handwerkern.
- 1,7 Millionen investierten die Künzis in den Umbau des für 700'000 Franken gekauften ehemaligen Hotels.
- 20 Jahre stand das ehemalige Hotel Schwendi leer.
Zum Umbau
Bauherrschaft: Barbara und Martin Künzi, Zwischensinn GmbH, Schattenhalb
Finanzierung: Schweizer Berghilfe; Raiffeisenbank Jungfrau; private Darlehen und eigene Mittel
Architekt: Akkurat Bauatelier AG, Thun
Bauleitung: David Grossenbacher, Gisler Architektur und Bauplanung AG, Meiringen
Partner: Holzbau Burn AG, Adelboden; Rufibach und Schläppi AG, Guttannen; K. Winterberger Holzbau AG, Meiringen; Maurer und von Bergen Holzbau AG, Meiringen (Holzarbeiten); Christen Elektro AG, Meiringen (Elektro); Kohler Bau AG, Schattenhalb (Baumeister); Haldi AG, Meiringen; Slanzi Malen Gipsen AG, Meiringen (Gipser- und Malerarbeiten); HwR AG, St. Stephan; Aegerter Parkett & Innenausbau, St. Stephan; Luchs AG, Hofstetten; Falch AG, Meiringen (Bodenbeläge); F. Boss AG, Meiringen; Müller AG, Meiringen (Metall- und Spenglerarbeiten); Lorenz Stämpfli Ofenbau, Innertkirchen; Walter Huggler AG, Meiringen (Sanitär); Kehrli AG, Meiringen (Küchenbau); Andreas und Roland von Bergen AG, Hasliberg-Goldern; Karl Wenger AG, Innertkirchen (Türen)
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