In Vorarlberg kam es 2025 zum grössten bekannten Legionellen-Ausbruch Österreichs. Über vierzig Menschen mussten in Spitälern behandelt werden. Der Fall landete schliesslich vor Gericht. Es dauerte mehrere Wochen, bis die Gesundheitsbehörden die Quelle des Ausbruchs fanden. Mithilfe genetischer Untersuchungen, Befragungen und Wetterdaten konnte ein industrieller Rückkühler identifiziert werden, dessen Wasserdampf durch den Wind bis in die benachbarte Stadt Bregenz getragen wurde. Die Anlage war mangelhaft gewartet worden.

Ein Vorfall mit Folgen
Für Hotels ist dieser Fall ein Weckruf. Auch in Hotelbetrieben gibt es Wasserinstallationen, die anfällig für Keimbildung sind. Dazu gehören beispielsweise wenig genutzte Gästezimmer, Wellnessanlagen oder Rückkühler. Legionellen entwickeln sich bevorzugt in warmem, stehendem Wasser. Besonders kritisch wird es, wenn Duschen oder Leitungen über längere Zeit nicht gebraucht und nicht gespült werden. Auch Whirlpools oder Dampfbäder sind Risikozonen, wenn sie nicht regelmässig gereinigt und auf Keime untersucht werden.

Gefährliche Erreger im Wasser
Die sogenannte Legionärskrankheit wird durch Bakterien ausgelöst, die sich im Wasser vermehren. Sie gelangt über feine Wassertröpfchen in die Lunge und kann schwere Lungenentzündungen verursachen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen oder Personen mit geschwächtem Immunsystem. Anders als bei vielen Infektionskrankheiten hinterlässt eine durchgemachte Legionellose keine Immunität. Eine erneute Erkrankung ist schon nach wenigen Monaten möglich.

Verantwortung liegt beim Hotel
Die Verantwortung für die Wasserqualität liegt beim Hotel. Unklarheiten zwischen technischer Leitung und Geschäftsführung können im Ernstfall schwer wiegen – auch rechtlich. Es braucht deshalb klare Zuständigkeiten und einfache Abläufe. Regelmässige Kontrollen sind unerlässlich. In der Regel genügt es, das Wasser einmal pro Jahr an sinnvoll ausgewählten Orten durch ein zertifiziertes Labor analysieren zu lassen. Bei längeren Betriebspausen, etwa bei saisonalen Schliessungen, sollte vor der Wiedereröffnung eine zusätzliche Prüfung erfolgen. Auch bei Umbauten oder Änderungen an der Wasserversorgung ist Vorsicht geboten.

Gemäss Behörden muss eine Gefahrenanalyse und Risikoeinschätzung der gesamten sanitären Anlagen vorhanden sein. Zudem sollte eine Liste aller möglichen Legionellen-Infektionsquellen erstellt und deren Risiko bewertet werden. Neben dem Selbstkontrollkonzept hat jeder Betrieb ein Notfallkonzept zu erstellen. Darin muss festgelegt werden, welche Massnahmen getroffen werden, wenn gesundheitsgefährdende Legionellen-Konzentrationen festgestellt werden.

Was bei Keimbefund zu tun ist
Kommt es zu erhöhten Mikrobiologie-Werten, ist rasch zu handeln. Zuerst sind die verantwortlichen Stellen im Betrieb zu informieren. Falls die Höchstwerte überschritten werden, sollten gefährdete Bereiche wie Spa-Zonen oder einzelne Zimmer sofort ausser Betrieb genommen werden. Die optimale Vorgehensweise ist, mit Audits und Risikobeurteilungen Schwachstellen zu eruieren, damit diese eliminiert werden können und entsprechend die Mikrobiologie reduziert wird. Im Normalfall kann dadurch auf langwierige, teure und das System schädigende Massnahmen, wie chemische Desinfektionen, verzichtet werden. Wichtig ist, dass nicht erst im Ernstfall reagiert wird, sondern dass Vorsorge als Teil der Betriebssicherheit verstanden wird.

Lehren aus der Praxis
Einige reale Beispiele zeigen, wie unterschiedlich die Risiken sein können: In einem Stadthotel mit Saisonschliessung verzögerte sich die Wiedereröffnung, weil in ungenutzten Leitungen Legionellen nachgewiesen wurden. Ein Wellnesshotel kämpfte mit einem veralteten Kühlsystem, das nicht nur hygienisch problematisch war, sondern auch hohe Energiekosten verursachte. In einem Businesshotel wurden über Jahre keine Wasserproben gemacht, weil die Zuständigkeit ungeklärt war. Erst eine externe Kontrolle brachte das Versäumnis ans Licht.

Vorbeugen ist besser als reagieren
Dabei lässt sich mit einfachen Mitteln viel erreichen. Wer Zuständigkeiten klar regelt, regelmässig spült und Wassertemperaturen im Auge behält, senkt das Risiko bereits deutlich. Auch die Reduktion von chemischen Reinigungsmitteln kann sinnvoll sein – vorausgesetzt, die technischen Anlagen sind gut gewartet. In Kühltürmen etwa können Ablagerungen nicht nur die Keimbildung fördern, sondern auch die Energieeffizienz verschlechtern.

Sicherheit als Investition
Für Hoteliers stellt sich auch die wirtschaftliche Frage: Was kostet es, nichts zu tun? Neben den Gesundheitsrisiken drohen im Schadensfall hohe Folgekosten – etwa durch Betriebsausfälle, Sanierungen oder rechtliche Konsequenzen. Der Fall aus Österreich zeigt, dass nicht nur technische Defizite, sondern auch organisatorische Versäumnisse gravierende Folgen haben können. Wer Wasserqualität als Teil der Betriebssicherheit versteht, schützt nicht nur seine Gäste, sondern auch das eigene Unternehmen. Prävention ist nicht kompliziert, aber notwendig.

Christian Koller ist Geschäftsführer der KüwAB. Dieser Fachartikel ist in Zusammenarbeit mit KüwAB entstanden.