Der Graben zwischen Rauchern und Nichtrauchern sei in jüngster Zeit wieder grösser geworden, sagte Heinrich Villiger, Besitzer des traditionsreichen Zigarrenherstellers. Nachdem vor zwei Jahren die Gesetze zum Passivrauchen verschärft worden seien, habe das Volk mit dem Marschhalt nun ein wichtiges Zeichen gesetzt.

Die Tabakbranche und die Gastronomie hätten bereits viel unternommen, um die Bevölkerung vor dem Passivrauchen zu schützen. Viel mehr könne die Branche nicht tun. Statt in den Abstimmungskampf hätten Gegner und Befürworter das Geld besser in die Prävention und Hilfe für Lungenkranke investiert.

Starkes Zeichen der Vernunft

Das Volk habe ein starkes Zeichen der Vernunft ausgesandt, teilte Gastrosuisse, der Dachverband der Gastronomie, mit. Das aktuelle Gesetz habe damit ebenso Bestand wie die unterschiedlichen Regelungen in den Kantonen. «Denn Appenzell ist nun mal nicht gleich wie Genf», hielt Gastrosuisse Präsident Klaus Künzli fest.

«Wir bieten Hand für den Dialog zwischen den Regionen», sagte Christoph Juen, Direktor von hotelleriesuisse. Für die Schweizer Hotels hätte ein negativer Volksentscheid die unternehmerische Freiheit massiv eingeschränkt und eine Lawine von kostspieligen Investitionen ausgelöst. Umso mehr zeigte sich Juen erleichtert.

Als «guten Kompromiss» zwischen Rauchern und Nichtrauchern bezeichnete Muriel Mathis, Mediensprecherin der Japan Tobacco International, das geltende Gesetz. Ein friedliches Nebeneinander sei möglich. Wer rauchen wolle, könne dies tun, ohne andere zu stören. Rücksicht und Toleranz seien in der Schweiz gewährleistet.

Verschärfte Rauchverbote nun vom Tisch

Der Schweizerische Gewerbeverband und der Wirtschaftsdachverband economiesuisse sind froh, dass das Volk der Tendenz, immer mehr staatlich regeln zu wollen, einen Riegel geschoben habe. Die bestehenden Regeln hätten sich bewährt. Sie beliessen den Kantonen genügend Spielraum für eigene Regelungen.

Laut FDP-Nationalrat Ruedi Noser, der dem Nein-Komitee angehörte, zeigt die Abstimmung, dass die Initianten mit ihrer Initiative weit über das Ziel hinausgeschossen sind. Die Verschärfung der Rauchverbote sei nun vom Tisch. Das Volk habe sich klar für den Status quo ausgesprochen.

Lungenliga und Ärzte enttäuscht

Enttäuscht zeigte sich dagegen Sonja Bietenhard, Geschäftsführerin der Lungenliga. Das Volk sei offenbar mit den aktuellen Regeln zufrieden. Die Abstimmungskampagne habe die Öffentlichkeit für die Gefahren des Passivrauchens sensibilisiert. Den Kantonen sei es weiterhin freigestellt, von sich aus strengere Regeln einzuführen. 

Als verpasste Chance bezeichnete Jacques de Haller, Präsident der Ärztevereinigung FMH, den Volksentscheid. Personen, die in Räumen arbeiten müssten, in denen geraucht werde, seien gesundheitlichen Risiken ausgesetzt. Das Timing der Initiative sei jedoch zwei Jahre nach dem letzten Entscheid nicht optimal gewesen.

Die Eidgenössische Kommission für Tabakprävention sieht im Abstimmungsergebnis eine Bestätigung der geltenden Regeln. Sie gäben den Kantonen die Freiheit, das Rauchverbot weiter einzuschränken. Insgesamt 15 Kantone machten schon heute davon Gebrauch.

Angst vor Lockerungen

Eine nationale Regelung wäre nach Ansicht des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes zielführend gewesen. Es sei nun an den Kantonen sicherzustellen, dass Beschäftigte am Arbeitsplatz vor dem Passivrauchen geschützt würden. Die SP befürchtet gar, dass das Rauchverbot in den Kantonen gelockert werden könnte.

Für die bürgerlichen Parteien SVP, FDP, CVP und BDP sind die bestehenden Gesetze gegen das Passivrauchen ausreichend. Das Volk habe einen Marschhalt verordnet. Es wolle keine weiteren Verschärfungen. Es gewichte individuelle Freiheit und persönliche Verantwortung höher. (npa/sda)

Siehe auch «Strengeres Rauchverbot wir abgelehnt».