Welche Hotels können heute noch auf ausländisches Personal verzichten? Es werden immer weniger. Vor diesem Hintergrund will die sogenannte «Chaos-Initiative» die Bevölkerung auf 10 Millionen Einwohner begrenzen und das Abkommen über die Personenfreizügigkeit angreifen. Die Folgen wären gravierend – gerade für Berg- und Familienhotels. Das gesamte lokale Gefüge würde darunter leiden. [RELATED]
Fast 44 Prozent der Hoteliers haben Schwierigkeiten bei der Personalbeschaffung. Bis 2030 müssen mehr als tausend Stellen neu besetzt werden. Rund 30 Prozent des qualifizierten Personals im Gastgewerbe stammen aus EU- und Efta-Staaten.
Ohne die Personenfreizügigkeit würde diese Rekrutierungsbasis wegfallen. Die Folgen wären ein Rückgang des Angebots, Qualitätseinbussen und Betriebsschliessungen. Hinzu käme ein Kostenanstieg – schwer verkraftbar für eine Branche mit knappen Margen.
Unsere Hotels sind auf die Personenfreizügigkeit angewiesen.
Ein Ja zur «Chaos-Initiative» würde die bilateralen Abkommen mit der EU beenden, namentlich die Schengen-Dublin-Abkommen. Die Schweiz würde zur Visumsinsel und verlöre an Attraktivität. Gäste aus den USA oder Asien würden eher in Megève als in Verbier übernachten.
Auch der Inlandtourismus wäre betroffen. Politische und rechtliche Unsicherheit schwächt die Kaufkraft. Weniger Menschen können sich Ferien und Freizeitaktivitäten leisten. Gleichzeitig würden Investitionen in Infrastruktur, Energie, Nachhaltigkeit und Innovation gebremst.
Die Initiative stellt auch eine Bedrohung für unsere Sicherheit dar. Würden die Schengen-Dublin-Abkommen gekündigt, wären Polizei und Nachrichtendienste taub und blind, da ihnen wesentliche Informationen vorenthalten würden. Die Schweiz würde zu einem Rückzugsgebiet für organisierte Kriminalität und Terrorismus – und ihr internationales Ansehen litte.
Die «Chaos-Initiative» ist zu starr und liefert die falsche Antwort auf ein reales Problem. Den Sorgen der Bevölkerung wird man nicht mit Grenzschliessungen gerecht, sondern mit konkreten Lösungen für die unerwünschten Auswirkungen der Einwanderung. Unsere Hotels sind auf die Personenfreizügigkeit angewiesen.
Jacqueline de Quattro ist Nationalrätin der FDP im Kanton Waadt
