Im Sommer 2026 gingen die Logiernächte in der Schweiz erstmals seit der Covid-19-Pandemie wieder zurück. Mit knapp 25 Millionen Übernachtungen lag das Ergebnis 0,8 Prozent unter dem Vorjahr. Besonders stark wirkten sich die Folgen des Iran-Kriegs auf die asiatischen Herkunftsmärkte aus. Allein bei Gästen aus Indien betrug der Rückgang 19,1 Prozent. 

Wie BAK Economics an der Medienkonferenz erklärte, haben sich die Flugkapazitäten über die Golfstaaten inzwischen teilweise erholt, liegen aber weiterhin unter dem Vorkriegsniveau. Hinzu kommen hohe Kerosinpreise, die sich 2027 noch stärker auf die Flugtickets auswirken könnten. Für die Fernmärkte prognostizieren die Ökonomen im Winter 2026/27 ein Logiernächtewachstum von lediglich 1,0 Prozent. Im Sommer 2027 dürfte es auf 3,3 Prozent steigen. Die Nachfrage aus Asien bleibt jedoch unter dem Vorkriegsniveau. Erst 2028 erwartet BAK eine stärkere Erholung.

US-Gäste: Luxushotellerie behauptet sich

Auch aus den USA schwächt sich die Nachfrage ab. Im Sommer 2026 stagnierten die Logiernächte amerikanischer Gäste insgesamt. Wie BAK Economics an der Medienkonferenz ausführte, verzeichnete die 4- und 5-Sterne-Hotellerie weiterhin Zuwächse, während die Nachfrage in den übrigen Sternekategorien zurückging. 

Der schwache Dollar und die hohen Flugpreise treffen insbesondere preisbewusste Reisende. Für den Winter 2026/27 erwartet BAK bei den US-Logiernächten eine weitgehende Stagnation mit einem Plus von 0,1 Prozent. In China erschweren neben den Flugverbindungen auch die Immobilienkrise, die staatliche Förderung des Inlandtourismus und Reisebeschränkungen für gewisse Staatsangestellte die Erholung. Insgesamt rechnet BAK für den Schweizer Tourismus im kommenden Winter mit einem Wachstum von 0,9 Prozent auf 18,9 Millionen Logiernächte. Die Nachfrage aus der Schweiz und Europa bleibt dabei eine wichtige Stütze.

Höhenlage gewinnt im Sommertourismus an Bedeutung

Der aussergewöhnlich heisse Sommer 2026 zeigt zudem, wie sich steigende Temperaturen auf die touristische Nachfrage auswirken. Im Juli nahmen die Logiernächte von Schweizer Gästen in alpinen Gebieten um 8,8 Prozent zu. Besonders deutlich zeigt sich der Einfluss der Höhenlage: In Gemeinden über 1600 Metern stiegen die Übernachtungen um 11 Prozent, während sie zwischen 500 und 800 Metern um 4 Prozent zurückgingen. 

BAK untersuchte auch, ob das Wanderangebot die Unterschiede erklärt. Bei vergleichbarer Höhenlage verschwand dessen positiver Effekt jedoch weitgehend. Entscheidend war offenbar die Aussicht auf kühlere Temperaturen. Für alpine Destinationen ergeben sich dadurch Chancen, den Sommertourismus zu stärken und die Abhängigkeit vom Wintergeschäft zu reduzieren. Städte stehen dagegen vor zusätzlichen Herausforderungen durch Hitzeperioden, etwa bei der Kühlung von Hotelzimmern. (mm/nbo)

Über BAK Economics

BAK Economics ist ein unabhängiges Schweizer Wirtschaftsforschungsinstitut, das im Auftrag des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) die halbjährliche Schweizer Tourismusprognose erstellt. Die Ökonomen analysieren dabei die nationale Tourismusentwicklung auf empirischer und quantitativer Ebene, um der Branche fundierte Planungsgrundlagen zu liefern.
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