Wie können Bergdestinationen steigende Gästezahlen bewältigen, ohne Naturerlebnis und Erlebnisqualität zu beeinträchtigen? Diese Frage prägte den 3. Schweizer Wandergipfel in Saanen. Rund 120 Fachleute aus Tourismus, Freizeit, Mobilität und Raumplanung diskutierten am 1. und 2. September darüber, wie sich wirtschaftliche Interessen und die Bedürfnisse verschiedener Nutzergruppen besser aufeinander abstimmen lassen. 

Bergerlebnis im Wandel

Dabei standen auch die Folgen an stark frequentierten Ausflugszielen im Fokus: Warteschlangen vor Bergbahnen, überlastete Infrastrukturen und Abfälle entlang der Wanderwege. Michael Roschi, Präsident des Vereins Schweizer Wandergipfel, sieht eine aktivere Besucherlenkung, eine koordinierte Entwicklung touristischer Angebote und eine engere Zusammenarbeit zwischen Tourismus, Infrastrukturbetrieben und Naturschutz als notwendig an. Neben dem Umgang mit hohen Gästezahlen beschäftigte die Teilnehmenden auch die veränderte Bedeutung des Bergerlebnisses. Christoph Engl, CEO der Oberalp Group, verwies in seinem Referat auf Werte wie Gemeinschaft, Einfachheit und bewusstes Naturerlebnis, die aus seiner Sicht an Bedeutung gewinnen.

Verbundpässe bringen Chancen und Herausforderungen

Ein weiterer Schwerpunkt galt Verbundpässen und ihren Auswirkungen auf Bergdestinationen. Sébastien Travelletti, CEO von Magic Mountains Cooperation, zeigte am Beispiel des Magic Pass auf, wie sich Destinationen vom klassischen Wintersportmodell hin zu ganzjährigen Freizeitangeboten entwickeln. Kooperationen zwischen Bergbahnen seien dabei entscheidend, um neue urbane Zielgruppen anzusprechen, erklärte Travelletti. In der anschliessenden Diskussion standen auch die Folgen steigender Gästezahlen im Zentrum. Die wachsende Attraktivität von Verbundpässen könne Besucherströme gezielter in Bergregionen lenken, stelle Destinationen aber zugleich vor Herausforderungen bei Infrastruktur, Naturschutz und Erlebnisqualität, sagte Bettina Hübscher, Geschäftsführerin der Sportbahnen Melchsee-Frutt.

Nutzungskonflikte auf Wegen diskutiert

In weiteren Fachbeiträgen und Kleingruppen beschäftigten sich die Teilnehmenden mit Wanderevents und ihrer Bedeutung für den Tourismus, mit Sicherheit, Prävention und Risikokommunikation. Diskutiert wurden zudem die Koexistenz von Wandern und Mountainbiken sowie die Planung der Weginfrastruktur. Auch die Positionierung von Outdoormarken zwischen Wachstum und Naturverbundenheit war Thema. Der Schweizer Wandergipfel findet alle zwei Jahre statt. Der Verein wurde 2022 vom Verband Schweizer Wanderwege und von Gstaad Saanenland Tourismus gegründet. Mit rund 120 Teilnehmenden verzeichnete die dritte Ausgabe nach Angaben der Organisatoren einen Teilnahmerekord. (mm)

Schweizer Wandergipfel
Der Verein Schweizer Wandergipfel wurde 2022 vom Verband Schweizer Wanderwege und von Gstaad Saanenland Tourismus mit dem Ziel gegründet, eine Plattform für Austausch, Innovation und Vernetzung rund ums Wandern in der Schweiz zu schaffen. Alle zwei Jahre treffen sich Fachpersonen, die sich beruflich mit dem Wandern beschäftigen, um neue Impulse zu erhalten, Herausforderungen zu diskutieren und Lösungsansätze zu erarbeiten. Partnerorganisationen aus den Bereichen Mobilität, Sicherheit, Tourismus und Freizeitwirtschaft unterstützen den Schweizer Wandergipfel und tragen zum fachlichen Austausch bei.