In Lenzerheide ist im Waldgebiet Canols das Bike Kingdom Learning Lab eröffnet worden. Im Zentrum steht nicht nur Fahrtechnik für Kinder und Jugendliche, sondern auch die Frage, wie unterschiedliche Interessen auf und neben den Trails besser zusammengebracht werden können.
Gemeinde finanziert Projekt
Das Angebot entstand in Zusammenarbeit von Bike Kingdom, der nationalen Initiative Fairtrail, der Gemeinde Vaz/Obervaz sowie regionalen Partnern. Eingebunden waren auch Fachstellen aus Landwirtschaft, Forst und Wildhut. Die Gemeinde Vaz/Obervaz übernahm laut Mitteilung den grössten Teil der Finanzierung.
Sensibilisierung für Natur und Mensch
Das Learning Lab verbindet technische Übungselemente wie Rockgardens, Spitzkehren und eine blaue Jumpline mit Sensibilisierung. Interaktive Stationen thematisieren unter anderem Rücksicht gegenüber Wandernden, Verhalten im Wald, in landwirtschaftlich genutzten Gebieten und bei Begegnungen mit Herdenschutzhunden.
Damit wird die Anlage auch zu einem Beispiel dafür, wie Destinationen den wachsenden Nutzungsdruck im Naturraum angehen können. Statt Regeln nur abstrakt zu vermitteln, setzt das Projekt auf Übung und Aufklärung direkt vor Ort. (mm)
Nachgefragt bei Marc Schlüssel, CEO Lenzerheide Marketing und Support AG
[IMG 2]Das Bike Kingdom Learning Lab ist das erste seiner Art in der Schweiz. Welche Idee steckt hinter dem Projekt?
Nachhaltiger Mountainbike-Tourismus braucht mehr als gute Trails. Es braucht auch Wissen, Verständnis und gegenseitigen Respekt. Das Learning Lab verbindet Fahrtechnik mit Sensibilisierung: Es vermittelt spielerisch, wie ein respektvolles Miteinander zwischen Bikenden, Wandernden, Landwirtschaft und Natur funktionieren kann.
Das Learning Lab verbindet Fahrtechnik mit Sensibilisierung..
Das Learning Lab ist als Gemeinschaftswerk entstanden. Weshalb war es Ihnen wichtig, Gemeinde, Landwirtschaft, Forst, Wildhut und weitere Akteure von Anfang an einzubeziehen?
Mountainbike-Tourismus findet nicht isoliert statt. Er bewegt sich mitten im Lebens- und Erlebnisraum von Menschen, Tieren und Natur. Deshalb war für uns von Anfang an klar, dass wir ein solches Projekt nur gemeinsam entwickeln können. Uns ging es nie darum, einzelnen Anspruchsgruppen ein fertiges Projekt zu präsentieren. Wir wollten ihre Erfahrungen und Perspektiven von Beginn an einbeziehen.
Wie haben die verschiedenen Anspruchsgruppen das Projekt konkret mitgeprägt?
Die Landwirtschaft, das Forstamt und die Wildhut haben ihre Anliegen zu Weiden und Nutztieren, Waldpflege und Holznutzung sowie zum respektvollen Umgang mit Wildtieren und ihren Lebensräumen eingebracht. Auch die Themen «Sperrungen respektieren» und «Stay on Trail» wurden aufgenommen. Daraus sind praxisnahe Lernsituationen entstanden, die reale Herausforderungen aufgreifen.
Welche Bedeutung hat das Learning Lab für die touristischen Betriebe in der Region?
Unsere Gastgeber profitieren von Gästen, die ein qualitativ hochwertiges und verantwortungsvolles Angebot vorfinden. Das Learning Lab erweitert unser Bike-Angebot sinnvoll und macht Lenzerheide insbesondere für Familien und Einsteiger noch attraktiver. Gleichzeitig stärkt es unsere Position als Ganzjahresdestination und Mountainbike Hub in den Alpen.
Das Learning Lab vermittelt nicht nur Fahrtechnik, sondern auch Rücksichtnahme gegenüber Natur, Landwirtschaft und anderen Erholungssuchenden. Weshalb war Ihnen dieser Ansatz wichtig?
Mountainbike-Tourismus ist langfristig nur dann erfolgreich, wenn das Miteinander funktioniert. Infrastruktur schafft Attraktivität, Akzeptanz entsteht aber erst durch gegenseitigen Respekt. Deshalb wollten wir einen Ort schaffen, an dem nicht Verbote im Mittelpunkt stehen, sondern Verständnis und Rücksichtnahme. Wir möchten, dass Rücksichtnahme genauso selbstverständlich wird wie Fahrtechnik.
Das Projekt gilt als Vorbild für andere Destinationen. Welche Erkenntnisse können andere Destinationen daraus mitnehmen?
Die wichtigste Erkenntnis ist: Infrastruktur allein reicht nicht. Trails schaffen Attraktivität. Akzeptanz und Toleranz entstehen aber erst durch Zusammenarbeit und gegenseitiges Verständnis.
Was braucht es aus Ihrer Sicht, damit touristische Projekte von der lokalen Bevölkerung und den verschiedenen Interessengruppen langfristig mitgetragen werden?
Es braucht Offenheit, Transparenz und den Willen zuzuhören. Wenn unterschiedliche Interessen früh diskutiert werden und alle sehen, dass ihre Anliegen berücksichtigt werden, entstehen Vertrauen, Akzeptanz und Toleranz. Genauso wichtig ist es, den gemeinsamen Nutzen sichtbar zu machen. (nde)
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