Technologie wird klüger, schneller, effizienter. Doch spürt sie, ob sich ein Gast willkommen fühlt oder ein Team an seine Grenzen kommt? Ein Dossier über die Balance zwischen emotionaler und künstlicher Intelligenz.
Digitalisierung – aber bitte im Hintergrund
Der Luxusgast will keinen Pomp
Der Luxusgast will gezielte Highlights. Digitalisierung ja – aber bitte im Hintergrund. Denn keine App und kein Chatbot ersetzen je einen stilvollen Butler und einen persönlichen Empfang.
Christine Zwygart
Von Mensch zu Mensch, persönlich und individuell. Gäste in 5-Sterne-Häusern wünschen sich Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Von Mensch zu Mensch, persönlich und individuell. Gäste in 5-Sterne-Häusern wünschen sich Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Bild: KI generiert/ChatGPT
Bild: KI generiert/ChatGPT
Wer in einem Schweizer Luxushotel eincheckt, erwartet mehr als nur eine Übernachtung und etwas zu essen. Gefragt sind Erlebnisse und Begegnungen, die echt sind, berühren und in Erinnerung bleiben. Extras und Upgrades heissen für Gäste hier nicht mehr Opulenz und materielle Dinge – sondern Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Das zeigt der «Virtuoso Luxe Report 2026». [RELATED]
Wenn Service schneller wird, aber nicht menschlicher, geht etwas verloren. Der Arbeitsforscher Hans Rusinek sagt, warum KI die Hospitality vor eine Grundsatzfrage stellt: Was darf niemals automatisiert werden?
Nora Devenish
Hans Rusinek ist Arbeitsforscher und Dozent an der Universität St. Gallen (HSG). Er beschäftigt sich mit «Meaningful Work», Sinn in Organisationen sowie der Transformation der Arbeitswelt an der Schnittstelle von Nachhaltigkeit, Technologie und Produktivität. Hans Rusinek ist Arbeitsforscher und Dozent an der Universität St. Gallen (HSG). Er beschäftigt sich mit «Meaningful Work», Sinn in Organisationen sowie der Transformation der Arbeitswelt an der Schnittstelle von Nachhaltigkeit, Technologie und Produktivität. Bild: Heinrich Holtgreve
Bild: Heinrich Holtgreve
Hans Rusinek, wir stellen folgende These auf: Künstliche Intelligenz ist ein Stresstest für die Arbeitswelt der Hospitality. Wie ordnen Sie diese These ein?
Ich halte diese These für sehr treffend. KI wirkt wie ein Kontrastmittel: Sie macht sichtbar, welche Tätigkeiten tatsächlich menschliche Präsenz brauchen. Sie zeigt auch die leicht zu automatisierenden Tätigkeiten auf, bei denen wir Menschen ohnehin längst wie…
Ich gestehe: Das mit dieser KI ist so eine Sache für einen Linguisten. Nur schon die Kombination von «künstlich» und «Intelligenz» irritiert, ist ein sprachliches Paradox. Dass KI hingegen das Schlagwort der Stunde ist, da sind wir uns einig. Schliesslich gehts um viel PR und noch mehr Geld.
Reto Wilhelm
Aber kann KI wirklich «lernen», «halluzinieren», sogar «denken» ? Hier müssen wir sehr genau hinhören – als Marketingfachleute ebenso wie als Gesellschaft. «Watch your language.» KI kann jetzt schon vieles und wird noch viel mehr können. Aber ist sie deswegen automatisch ein «intelligentes» Konstrukt? Dafür müssten wir zuerst definieren, was «Intelligenz» bedeutet. Als Pädagoge habe ich gelernt: Einerseits gibt es…
Der Umgang mit Reklamationen bleibt auch im KI-Zeitalter Handarbeit. Am Vierwaldstättersee setzt der «Vitznauerhof» dabei auf klare Kompetenzen und geschulte Mitarbeitende.
Blanca Burri
Das Hotel Vitznauerhof setzt auf persönlichen Kontakt bei Reklamationen. Das Hotel Vitznauerhof setzt auf persönlichen Kontakt bei Reklamationen. Bild: Tibor Göröcs
Bild: Tibor Göröcs
Gastgeber Raphael Herzog setzt dafür auf die konsequente Weiterbildung seines Teams. Gastgeber Raphael Herzog setzt dafür auf die konsequente Weiterbildung seines Teams. Bild: zvg
Bild: zvg
Wer in den «Vitznauerhof» reist, feiert in aller Regel einen persönlichen Moment. Das Grandhotel direkt am Vierwaldstättersee mit Garten und klassizistischen Hallen liefert für Hochzeiten und Paarwochenenden die richtige Bühne. Die Erwartung ist klar: ankommen, durchatmen, bleiben. In den meisten Fällen geht diese Rechnung auf. Und doch kommt es auch hier zu Reklamationen. Heute seltener als früher. [RELATED]
Claudia Schmid: «Les émotions nous aident à reconnaître ce qui est pertinent»
L’intelligence émotionnelle est souvent mal comprise. Claudia Schmid, professeure d’hospitalité affective à l’Ecole hôtelière EHL de Passugg, explique pourquoi il ne s’agit pas d’optimisation personnelle, mais de responsabilité, de relations et de leadership moderne.
Blanca Burri
Claudia Schmid enseigne l’«Affective Hospitality» à l’Ecole hôtelière EHL de Passugg. Claudia Schmid enseigne l’«Affective Hospitality» à l’Ecole hôtelière EHL de Passugg. Bild: Katrin Pajewski
Bild: Katrin Pajewski
Claudia Schmid, l’intelligence artificielle domine actuellement le débat sur l’éducation. Pourquoi, à l’inverse, misez-vous autant sur l’intelligence émotionnelle?
Parce que depuis des décennies, notre système éducatif encourage presque exclusivement la raison. L’intelligence artificielle élargit précisément cette partie rationnelle, en quelque sorte comme un complément. Cela crée pour la première fois un espace…
A l’heure des textes générés en un clic, les modes d’évaluation des étudiants doivent être repensés. Les écoles hôtelières redéfinissent la notion de performance et les critères pour la mesurer.
Blanca Burri
Dans l’hôtellerie, l’intelligence artificielle devient un outil du quotidien, tandis que les compétences humaines restent au cœur de la formation. Dans l’hôtellerie, l’intelligence artificielle devient un outil du quotidien, tandis que les compétences humaines restent au cœur de la formation. Bild: istockphoto
Bild: istockphoto
Aujourd’hui, les cours ne commencent plus par une pile de scripts, mais par une question fondamentale: que peut faire l’IA et que ne peut-elle pas faire? L’intelligence artificielle a fait son entrée dans le quotidien de la formation et oblige les écoles hôtelières à repenser leurs contenus, leurs examens et leurs rôles. L’Ecole hôtelière EHL de Passugg et l’Ecole hôtelière de Thoune livrent un aperçu des questions…
Die KI-Webinar-Reihe des Hospitality Booster zeigt, wie konkret sich Schweizer Hotels mit der Technologie befassen. Viele Betriebe suchen gezielt nach praxistauglichen Lösungen, um Effizienz, Sichtbarkeit und Servicequalität zu verbessern.
Nora Devenish
Viele Betriebe suchen nach Lösungen, die den Alltag entlasten und dabei die Servicequalität sichern. Viele Betriebe suchen nach Lösungen, die den Alltag entlasten und dabei die Servicequalität sichern. Bild: istockphoto
Bild: istockphoto
Bild: zvg
Bild: zvg
Die 2025 lancierte KI-Webinar-Reihe des Hospitality Booster stösst in der Branche auf reges Interesse. 193 Anmeldungen und über 100 zusätzliche Aufrufe auf Youtube zeigen: Künstliche Intelligenz ist in Schweizer Hotels kein Nischenthema mehr. «Das Interesse ist gross, viele Betriebe setzen sich aktiv mit dem Thema KI im Arbeitsalltag auseinander», sagt Karthik Muralidharan, Projektmanager KI und Digitalisierung bei…
Obwohl KI eine schnellere Bearbeitung von Bewerbungen verspricht, setzen Schweizer Hoteliers im Bewerbungsprozess dennoch weiterhin auf das persönliche Urteil. Laut Experten hat KI bei der Personalrekrutierung durchaus ihren Platz – aber nicht ohne Vorbehalte.
Laetitia Grandjean
Im Bewerbungsprozess stösst KI an die Grenzen, besonders, wenn es um die Soft Skill der Mitarbeitenden geht. Im Bewerbungsprozess stösst KI an die Grenzen, besonders, wenn es um die Soft Skill der Mitarbeitenden geht. Bild: istockphoto
Bild: istockphoto
Ende Januar versammelten sich in Lausanne rund hundert Bewerberinnen und Bewerber mit Lebensläufen vor dem Hotel Beau-Rivage, alle in der Hoffnung auf eine Anstellung. Zweimal im Jahr organisieren die Sandoz Foundation Hotels Rekrutierungstage. «Wir stellen jährlich rund 400 Mitarbeitende ein und erhalten Zehntausende Bewerbungen», sagt Victor Da Cunha, Personalverantwortlicher der fünf Häuser der Sandoz Foundation.…
Claudia Schmid: «Emotionen helfen, Relevantes zu erkennen»
Emotionale Intelligenz wird oft missverstanden. Claudia Schmid, Dozentin für Affective Hospitality an der EHL Hotelfachschule Passugg, erklärt, warum es nicht um Selbstoptimierung geht, sondern um Verantwortung, Beziehung und zeitgemässe Führung.
Blanca Burri
Claudia Schmid ist Dozentin für Affective Hospitality an der EHL Hotelfachschule Passugg. Claudia Schmid ist Dozentin für Affective Hospitality an der EHL Hotelfachschule Passugg. Bild: Katrin Pajewski
Bild: Katrin Pajewski
Claudia Schmid, aktuell dominiert KI die Bildungsdebatte. Warum setzen Sie im Gegensatz dazu so stark auf emotionale Intelligenz?
Weil unser Bildungssystem seit Jahrzehnten fast ausschliesslich den rationalen Verstand fördert. Künstliche Intelligenz erweitert genau diesen rationalen Teil, gewissermassen als Top-up. Dadurch entsteht erstmals Raum, emotionale und andere – zutiefst menschliche – Kompetenzen gezielt…
Wenn Texte auf Knopfdruck entstehen, geraten Prüfungsformen ins Wanken. Hotelfachschulen müssen neu definieren, was Leistung bedeutet und wie sie gemessen wird.
Blanca Burri
Das Erlernen emotionaler Intelligenz ist für Hotelschülerinnen und -schüler genauso wichtig, wie der Umgang mit künstlicher. Das Erlernen emotionaler Intelligenz ist für Hotelschülerinnen und -schüler genauso wichtig, wie der Umgang mit künstlicher. Bild: istockphoto
Bild: istockphoto
Der Unterricht beginnt heute nicht mehr mit einem Stapel Skripte, sondern mit einer Grundsatzfrage: Was darf KI und was nicht? Künstliche Intelligenz ist im Ausbildungsalltag angekommen und zwingt Hotelfachschulen dazu, Inhalte, Prüfungen und Rollen neu zu denken. Sowohl die EHL Hotelfachschule Passugg als auch die Hotelfachschule Thun geben Einblick in die Fragestellungen, aber ohne Patentrezepte. [RELATED]
Grindelwald Tourismus: Digital entlasten, persönlich bleiben
Bruno Hauswirth, Direktor von Grindelwald Tourismus, zeigt, wie sich die Gastgeberrolle in einer digital geprägten Destination verändert: weniger Abwicklung, mehr Orientierung und Beziehung.
Bruno Hauswirth
Zwischen emotionaler und künstlicher Intelligenz gibt es im Tourismus für mich kein Entweder-oder. Digital kann Prozesse vereinfachen, Informationen bündeln und Entscheidungen verbessern – doch das Erlebnis entsteht im Moment der Begegnung. Gerade in einer alpinen Destination ist die Gastgeberrolle deshalb nicht weniger wichtig, sondern anders: weniger Abwicklung, mehr Orientierung, Beziehung und Haltung. [RELATED]
Top 3 Star Hotels: Persönliche Gesten im digitalen Alltag
Wie digitale Werkzeuge Abläufe strukturieren, Informationen verfügbar machen und zugleich Raum für Individualität und persönliche Aufmerksamkeit schaffen, zeigen die Top 3 Star Hotels of Switzerland.
Nora Devenish
Persönliche Handschrift, kleine Gesten und digitale Unterstützung sichern individuelle Betreuung und verlässliche Abläufe. Persönliche Handschrift, kleine Gesten und digitale Unterstützung sichern individuelle Betreuung und verlässliche Abläufe. Bild: istockphoto
Bild: istockphoto
Inhabergeführte, mittelgrosse Hotels, verteilt über die ganze Schweiz. So vielfältig wie unser Land ist, so vielfältig sind die Top 3 Star Hotels of Switzerland. Es sind die Persönlichkeiten der Hotelièren und Hoteliers, die das Ambiente in den Häusern prägen. Teilweise sind die Hotels seit Generationen in gleicher Hand, was Gäste aus der ganzen Welt und aller Altersstufen überrascht und begeistert. [RELATED]
Wie Lernende zwischen Technologie und Gastlichkeit ausgebildet werden, erklärt Belinda Studer, Young Talents & Employer Branding Specialist bei The Living Circle Group.
Nora Devenish
Lernende entwickeln digitale und soziale Kompetenzen für den Hotelalltag. Lernende entwickeln digitale und soziale Kompetenzen für den Hotelalltag. Bild: istockphoto
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Belinda Studer, wie fördern Sie im zunehmend digitalen Umfeld gezielt Empathie, Kommunikationsfähigkeit und soziale Kompetenz in der Ausbildung?
Auch im KI-Zeitalter steht der Mensch im Zentrum unserer Unternehmenskultur. Um Empathie, Kommunikationsfähigkeit und soziale Kompetenz gezielt zu fördern, übernehmen unsere Lernenden von Beginn an viel Verantwortung und eigenständige Projekte, bei denen sie aktiv auf…
KI verschiebt in der Hotellerie Arbeit und Kosten. Zwischen hoher Personalquote und wachsender Techquote entsteht ein Gleichgewicht.
Blanca Burri
Während KI repetitive Abläufe übernimmt, wächst die Bedeutung emotionaler Intelligenz (EI). Während KI repetitive Abläufe übernimmt, wächst die Bedeutung emotionaler Intelligenz (EI). Bild: iStock
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Die Schweizer Hotellerie steht vor einer Neuverteilung von Arbeit, Verantwortung und Kosten. Künstliche Intelligenz löst dabei keine Revolution aus, sondern beschleunigt einen Strukturwandel, der längst eingesetzt hat. [RELATED]
Während KI repetitive Abläufe übernimmt, wächst die Bedeutung emotionaler Intelligenz (EI). Der Mensch bleibt dort entscheidend, wo Urteilsvermögen, Empathie und situatives Handeln gefragt…