Schweizer Hotellerie und Gastronomie befindet sich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess. Steigende Betriebskosten, der Fachkräftemangel, die wachsende Bedeutung von Digitalisierung sowie die zunehmenden Erwartungen der Gäste an Individualisierung, Nachhaltigkeit und Service Excellence stellen Unternehmen vor strategische und operative Herausforderungen. Klassische Erfolgsfaktoren wie Lage, Küche und Servicequalität allein reichen längst nicht mehr aus, um eine nachhaltige Marktposition zu sichern. Erfolgreich sind jene Betriebe, die betriebswirtschaftliche Steuerungsinstrumente mit einer modernen, auf Mitarbeiterbindung ausgerichteten Führungskultur kombinieren.
3 Take-aways für die Praxis
Daten entfalten erst Wert, wenn sie über KPIs und Benchmarks in verständliche Handlungen übersetzt werden.
Digitalisierung ist nur erfolgreich, wenn sie Mitarbeiterkompetenz stärkt und Employee Engagement fördert.
Resiliente Teams und eine Leadership-Kultur sind die Basis für langfristige Wettbewerbsfähigkeit in der Hospitality.
Der Wandel bleibt – doch diestrukturellen Rahmenbedingungen verschärfen sich
Diese Herausforderungen sind nicht neu – aber ihre Ausdauer und Eskalation sind Merkmale einer sich dauerhaft verändernden Branche. Sinkende Fluktuation wäre wünschenswert, ist aber nicht in Sicht: Die Hotellerie ist nach wie vor eine der Branchen mit der höchsten Fluktuationsrate von rund 30 Prozent. Jeder Abgang verursacht zusätzlich Kosten, die laut Schätzungen bis zu ein Drittel des Jahresgehalts des Mitarbeiters ausmachen können. Zugleich bleibt der Druck auf der Kostenseite hoch: Der Energiekostenanteil am Umsatz eines typischen Schweizer Hotels liegt bei durchschnittlich rund 2,5 Prozent, in Betrieben mit hohem Energieverbrauch auch deutlich höher. Diese Faktoren – Personal, Energie, Qualität – werden auch künftig zentrale Stellschrauben bleiben. Die zentrale Frage lautet daher: Wie gelingt es, Hospitality-Betriebe gleichzeitig wirtschaftlich resilient und als attraktive Arbeitgeber zu positionieren?
Daten schaffen Orientierung – wenn sie richtig genutzt werden
Business Intelligence (BI) und smarte KPI-Modelle sind heute keine Kür, sondern Pflicht. Wer seine Key Performance Indicators (z. B. RevPAR, ADR, GOPPAR, Cost per Occupied Room oder Mitarbeiterproduktivität) kennt, kann nicht nur die aktuelle Performance messen, sondern auch frühzeitig auf Marktschwankungen reagieren und Potenziale gezielt ausschöpfen.
Daten schaffen Orientierung auf drei Ebenen
Strategisch: Sie zeigen, wie sich ein Betrieb im Marktumfeld positioniert und ob Geschäftsmodelle langfristig tragfähig sind. Benchmarking mit Mitbewerbern liefert wertvolle Hinweise, ob Preisstrategien, Auslastung oder Kostenstrukturen wettbewerbsfähig sind.
Operativ: Sie machen sichtbar, wo Prozesse effizient laufen und wo Ressourcen verschwendet werden – sei es im Bereich F&B, Housekeeping oder im Personaleinsatz. Auf dieser Ebene helfen Daten, operative Entscheidungen faktenbasiert zu treffen und Budgets optimal zu steuern.
Taktisch: Sie dienen als Frühwarnsystem. Abweichungen von Sollwerten oder Trends in Gästebewertungen signalisieren rechtzeitig Handlungsbedarf und ermöglichen proaktive Anpassungen, bevor Probleme spürbar werden.
Doch Daten sind kein Selbstzweck. Erst die strukturierte Analyse und die Übersetzung in handlungsorientierte Massnahmen machen sie zu einem wirksamen Führungsinstrument. In diesem Sinne liefern Zahlen die Fakten – ihre Wirkung entfalten sie erst durch Interpretation und konsequente Umsetzung im Führungsalltag.
Führung als entscheidender Erfolgsfaktor
Neben der ökonomischen Steuerung wird Leadership zum Schlüsselfaktor. In Zeiten des Fachkräftemangels und der Generationenverschiebung zählt nicht nur der Lohn, sondern vor allem Sinnhaftigkeit, Wertschätzung und Entwicklungsperspektiven. Mitarbeiterbindung hängt direkt mit Unternehmenskultur und Leadership-Qualitäten der Führungsmitarbeitenden zusammen.
Moderne Führung bedeutet: klare Prozesse und Standards, gepaart mit Empathie und Coaching-Ansätzen. Sie schafft Befähigung statt Mikromanagement, fördert Teamspirit und steigert die Serviceleistung im direkten Gästekontakt. Führungskräfte in der Hospitality müssen Orientierung geben, Vertrauen aufbauen und Räume für Eigenverantwortung schaffen. Das Zusammenspiel von datenbasierter Steuerung und emotional-intelligenter Führung ist dabei entscheidend: Zahlen geben Richtung, Führung sorgt für Akzeptanz und Umsetzungskraft.
Die Brücke zwischen Daten und Menschen
Die Zukunft der Hospitality liegt in der Integration von Effizienz und Emotion. Daten unterstützen Managemententscheidungen, während Führung die Voraussetzung für erfolgreiche Implementierung bildet. Wer es schafft, Business Intelligence mit Leadership Excellence zu verbinden, wird ökonomisch erfolgreich sein und gleichzeitig als attraktiver Arbeitgeber und Gastgeber überzeugen.
Zukunft gestalten statt verwalten
Die Betriebe, die in den kommenden Jahren erfolgreich sein werden, sind jene, die aktiv Brücken bauen: zwischen Technologie und Mensch, zwischen Kennzahlen und Kultur, zwischen Effizienz und Gastfreundschaft. Es gilt, nicht nur operative Probleme zu verwalten, sondern strategisch die Zukunft zu gestalten – mit einem klaren Blick auf Resilienz, Innovation und Leadership.
Dieser Fachartikel ist in Zusammenarbeit mit Samuel Menti Hospitality entstanden.
Über den Autor
Samuel Menti ist Hospitality-Spezialist, Inhaber von Menti Hospitality Consulting und Partner von Hospitality Cockpit. Er begleitet Hotels und Restaurants bei strategischer Neuausrichtung, Prozessoptimierung und Teamentwicklung. Mit seiner Expertise in Business Intelligence, Hotel- und F&B-Management und moderner Führung verbindet er Datenintelligenz mit Menschlichkeit – immer mit dem Ziel, Betriebe nachhaltig erfolgreich zu machen.