Es sind nicht nur ihre Taten, für die die Lötschentaler Hoteliers Lukas Kalbermatten und Esther Bellwald ausgezeichnet werden. Mit dem Prix Jacques Tschumi 2026 im Rahmen der Swiss Hospitality Awards ehrt die Jury zwei Branchenpersönlichkeiten, die in einer Ausnahmesituation reagiert und gestaltet haben. «Manchmal geht es bei einem Award nicht nur um unternehmerischen Erfolg», sagt Laudator und HotellerieSuisse-Präsident Martin von Moos. «Manchmal geht es um Haltung. Um Mut. Und um die Frage, was Menschen tun, wenn ihnen von einem Tag auf den anderen der Boden unter den Füssen weggezogen wird.» Eine Würdigung einer langen gemeinsamen Geschichte – getragen von Vertrauen, unternehmerischer Weitsicht und einer tiefen Freundschaft, die durch die Ereignisse vom 28. Mai 2025 jäh auf die Probe gestellt wurde. [RELATED]

Geprägt von Herkunft und Verantwortung
Das Lötschental ist kein Tal der grossen Inszenierung. Es lebt von gewachsenen Traditionen, von einer lebendigen Kultur, von Nähe und Verlässlichkeit. Und von Menschen mit einem ausgeprägten Sinn für Eigenständigkeit. Es ist eines jener Schweizer Bergtäler, die sich nicht durch Grösse auszeichnen, sondern durch Zusammenhalt. Lukas Kalbermatten und Esther Bellwald sind in genau diesem Gefüge gross geworden. Verwurzelt. Er führte über Jahrzehnte das Hotel Edelweiss in Blatten, einen Familienbetrieb in dritter Generation; sie das Hotel Nest- und Bietschhorn, eines der ältesten Häuser im Dorf. Heute stehen beide gemeinsam hinter dem Hotel Momentum auf der Lauchernalp – einem Ort, der Aufbruch und Zukunft im Tal symbolisiert. Beide haben die Mechanismen der alpinen Hotellerie von Grund auf gelernt. Sie haben früh verstanden, dass ein Betrieb in den Bergen nie für sich allein funktionieren kann. Wer Gäste ins Tal bringt, trägt Verantwortung für das Ganze. Eine Einsicht, die sie früh verinnerlicht haben und die ihr Handeln bis heute bestimmt.

Diese Haltung hat sie spätestens 2011 zusammengeführt. In der Lötschentaler Kooperation arbeiten die Blattner Hoteliersfamilien eng zusammen. Sie teilen Wissen, öffnen ihre Zahlen, und tragen Entscheidungen gemeinsam. Kalbermatten und Bellwald gehören zu den prägenden Kräften dieser Entwicklung. Das System basiert auf Vertrauen. Die Jury des Prix Jacques Tschumi hebt genau diesen Punkt hervor: «Ihr Wirken zeigt eindrücklich: Durch Kooperation, gegenseitige Unterstützung und unternehmerischen Mut kann mehr erreicht werden als allein.» Das mag wie ein Grundsatz klingen. Unter den Blattner Hoteliers ist es gelebte Praxis – über Jahre hinweg aufgebaut, im Alltag erprobt und in der Zusammenarbeit gefestigt. Eine Konstellation, die in der Schweizer 3-Sterne-Familienhotellerie in dieser Konsequenz nahezu einmalig ist.
 

Manchmal geht es um Haltung. Um Mut. Und um die Frage, was Menschen tun, wenn ihnen von einem Tag auf den anderen der Boden unter den Füssen weggezogen wird.
Martin von Moos, Präsident HotellerieSuisse 

Weitsicht und Handlungsfähigkeit
Die gewaltige Naturkatastrophe, als mehrere Millionen Kubikmeter Eis, Schutt und Geröll das Dorf Blatten stellenweise bis zu 100 Meter unter sich begraben, stellt dieses Gefüge auf die bisher härteste Probe. Häuser verschwinden, Betriebe, Erinnerungen sind ausgelöscht. Auch für Kalbermatten und Bellwald bedeutet das Ereignis den Verlust ihres Zuhauses und ihres unternehmerischen Fundaments. Die Dimension ist existenziell – persönlich wie wirtschaftlich. Martin von Moos: «Und dennoch haben sie nicht aufgegeben. Sie haben nach vorn geschaut. Ruhig. Entschlossen. Und mit einem tiefen Glauben daran, dass man gemeinsam stärker ist als allein.»

Prix Jacques Tschumi für herausragende Persönlichkeiten

Der Prix Jacques Tschumi würdigt Persönlichkeiten, die die Schweizer Hospitality in den vergangenen Jahren nachhaltig geprägt haben – mit regionaler Verwurzelung, unternehmerischer Weitsicht und Strahlkraft weit über die Branche hinaus. Ausgezeichnet werden Unternehmer, die Verantwortung übernehmen, Mitarbeitende fördern und Visionen mit Mut, Konsequenz und Innovationskraft in die Tat umsetzen. 

Im Zentrum stehen nicht kurzfristige Erfolge, sondern nachhaltiges Wirken, glaubwürdige Führung und ein positiver Impact auf die Branche. Der Preis ehrt Menschen, die Impulse setzen, Entwicklungen anstossen und die Schweizer Hospitality mit Haltung, Leidenschaft und Zukunftsorientierung mitprägen.

Die beiden Hoteliers handeln – einmal mehr – als Vollblutunternehmer: mit Standhaftigkeit, mit Entscheidungswillen und mit einem klaren Bewusstsein für Verantwortung; gegenüber ihrem Betrieb, ihren Mitarbeitenden und dem Tal. Dass Kalbermatten und Bellwald in dieser Situation handlungsfähig bleiben, hat viel mit dem zu tun, was sie zuvor aufgebaut haben. Die Lötschentaler Kooperation wird in der Krise zur tragenden Struktur. Beziehungen, die über Jahre gewachsen sind, halten stand. Vertrauen wird zur Ressource. Entscheidungen entstehen nicht im Alleingang, sondern im Austausch mit Partnern aus der Branche, mit der öffentlichen Hand und mit weiteren Unterstützern.

Aus diesem Zusammenspiel heraus entsteht das Projekt «Hotel Momentum – die Lauchernalp Lodge». Für die Jury ist es «eine neue touristische Perspektive für das Lötschental – als starkes Symbol für Aufbruch, Zukunftsglauben und die Widerstandskraft einer ganzen Region». Es ist kein Ersatz für das Verlorene, sondern ein bewusst gesetztes Zeichen: Das Tal bleibt handlungsfähig. Die Geschwindigkeit, mit der dieses Projekt realisiert wird, ist Ausdruck einer gemeinsamen Haltung. Nicht abwarten, sondern gestalten. Nicht isoliert handeln, sondern eingebettet in ein Netzwerk.

Wenn aus Haltung Zukunft entsteht
Die Auszeichnung von Esther Bellwald und Lukas Kalbermatten mit dem Prix Jacques Tschumi ist deshalb mehr als die Würdigung eines erfolgreichen Projekts. Sie richtet den Blick auf ein Verständnis von Unternehmertum, das im alpinen Raum tief verankert ist und gleichzeitig unter Druck steht. «Die beiden stehen für Kooperation statt Konkurrenz, für Zusammenhalt statt Stillstand. Und für die Kraft, aus einer Katastrophe einen Neuanfang zu formen», so Martin von Moos.

Unterschiedliche Erfahrungen, unterschiedliche Lebensphasen – aber ein gemeinsamer Zugang zur Aufgabe. Esther Bellwald und Lukas Kalbermatten teilen sich die Verantwortung. Entscheidungen werden gemeinsam getragen. Oder, wie es die Jury formuliert: «Mit Mut, Entschlossenheit und beeindruckender Tatkraft haben sie gezeigt, dass aus einer Krise ein neuer Anfang entstehen kann.»


Das sagen die Gewinner

Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung persönlich?
Lukas Kalbermatten: «Die Schweizer Hospitality-Branche ist riesig. Dass drei kleine Familienbetriebe in einem Bergdorf so viel Aufmerksamkeit erhalten, würdigt unsere tägliche Arbeit nachhaltig.»
Esther Bellwald: «Ich fühle mich sehr geehrt und bestätigt, dass die vielen in die Hotelkooperation investierten Stunden nachhaltige Früchte tragen. Besonders freue ich mich auch für den Tschumi Fonds, von dem ich bereits während meiner Ausbildung profitieren durfte.»

Welches Zeichen sendet diese Auszeichnung ins Tal?
Lukas Kalbermatten: «Diese Auszeichnung soll vor allem kleine Familienbetriebe und KMU zur Zusammenarbeit motivieren. Gerade diese Betriebe prägen den Tourismus in den Alpen und werden künftig vermehrt vor Herausforderungen stehen.»
Esther Bellwald: «Lange Zeit war der Tourismus im Tal eine Nebenerscheinung. Heute ist er anerkannt als wichtiger Teil zur Schaffung von Lebensqualität und zum Erhalt der Infrastruktur. Es ist ein Dank an alle, die sich dafür eingesetzt haben.»


Impressionen von der Preisverleihung

[GALLERY1]