Bei Switzerland Travel Centre sind wir mit unseren Buchungszahlen per Ende April mehr als zufrieden. Im Vergleich zum Vorjahr haben wir rund 14 Prozent mehr Umsatz in unseren Systemen verbucht. Ein solches Wachstum in den ersten vier Monaten des Jahres ist bei uns nicht üblich. Wenn wir dranbleiben und uns wie immer laufend verbessern, wird alles gut – wenn da nicht die geopolitische Lage wäre.
Wir verfolgen die Situation im Iran und den Golfstaaten. Auch nehmen wir die meist eher düsteren Prognosen der Expertinnen und Experten innerhalb und ausserhalb der Branche zur Kenntnis. Wir studieren und analysieren unsere Buchungsdaten zurzeit noch intensiver als sonst. Trotz unseres Wachstums suchen wir nach Anzeichen, dass sich das Buchungsverhalten seit dem Ausbruch des Irankriegs irgendwie verändert hat. Wir möchten handfeste Daten und Planungssicherheit.
Es liegt vieles ausserhalb unseres Einflusses – geopolitisch eben.
In Japan verkaufen wir im B2B-Vertrieb mehr Individualreisen als je zuvor. Aus Nordamerika geht die Nachfrage leicht zurück, was aber schon Ende 2025, also vor dem Irankrieg, erkennbar war. Aus Brasilien werden aktuell sehr viele Swiss-Travel-Pässe bei uns gebucht. In Deutschland liegen wir mit den Gruppen leicht unter dem Vorjahresniveau. In Taiwan wiederum wächst unser Gruppengeschäft. Im wöchentlichen Buchungseingang erkennen wir kein Muster, das auf den Irankrieg zurückzuführen wäre. Einzig aus Australien gibt es klare negative Signale: Hier sind die Buchungen seit dem Ausbruch des Krieges deutlich zurückgegangen.
Gegen 80 Prozent unseres Umsatzes stammen aus Nordamerika und Europa, die übrigen 20 Prozent mehrheitlich aus Asien und Australien. Die Golfstaaten sind für uns als Kundenmarkt nicht sehr relevant. Was die Anreise betrifft, haben wir es also gut, da die Mehrheit unserer Gäste keinen Hub in den Golfstaaten benötigt. Kerosin aber schon.
Zwei Drittel unseres Umsatzes generieren wir mit Ankünften in den Sommermonaten von Mai bis September. Oft erfolgen die Buchungen erst innerhalb eines Monats vor Anreise. Mit dieser Sommerabhängigkeit stehen wir weniger gut da und machen uns schon Sorgen.
Unser Fazit: Planungssicherheit ist derzeit nicht möglich. Wir gehen aber davon aus, dass das Kerosin nicht ausgeht. Zwar wird es teurer werden, doch die Fluggesellschaften werden aus Eigeninteresse dafür sorgen, dass die Sitzplätze bezahlbar bleiben. Es wird Annullierungen geben. Wenn Buchungsrückgang, dann eher aus dem Osten. Wenn Buchungszunahme, dann eher aus Europa. Trotz allem kann es ein gutes Jahr für die Schweizer Tourismusbranche werden. Oder auch nicht. Es liegt einfach nicht in unserer Hand – geopolitisch eben.
