Hans Ritz, die Frage liegt auf der Hand: Sind Sie verwandt mit César Ritz, dem Vater der Luxushotellerie?
Ja, wir stammen aus derselben Familie. 1999 feierten wir innerhalb der Familie das 150-Jahr-Jubiläum von César Ritz. Ich bin auch Besitzer des Hotel Alpina in Brig, das früher ein Volkshaus mit Hotel, Saal und Restaurantbetrieb war und heute an eine Privatschule im Bereich Hotellerie und Gastronomie vermietet ist. Dieses Erbe ist präsent, doch mein Weg ist ein eigenständiger.[RELATED]
Warum braucht Bellwald aus Ihrer Sicht ein neues Hotel dieser Grössenordnung?
Bellwald ist für mich eine Herzensangelegenheit. Die enge Verbindung entstand durch meine erste Frau, die aus Bellwald stammte, und hier eröffnete ich 1980 mein Architekturbüro. Parallel dazu begann ich, Immobilien zu entwickeln. Über die Jahre sind viele Ferienwohnungen entstanden. Heute zählen wir rund 5’000 Fremdenbetten, aber sehr wenige Hotelbetten. Für eine gesunde touristische Struktur braucht es neben Zweitwohnungen zwingend ein zeitgemässes Hotelangebot.
Sie engagieren sich seit Jahrzehnten für das Dorf. Wie prägt das Projekt Ihre persönliche Geschichte?
Ich war immer stark lokal eingebunden. Ich bin Gründungsmitglied und noch heute Präsident der Genossenschaft zur Förderung der touristischen Infrastruktur. Dazu gehören eine Minigolfanlage, Sportplätze, ein Bikepark, ein Naturpark, ein Spielplatz und Gastronomie. Dieses Verständnis für Tourismus fliesst direkt in den Ferienpark Relief ein.
Der Wellnessbereich mit Schwimmbad schliesst eine klare Lücke.
Wie ist das Projekt architektonisch konzipiert?
Mir war wichtig, eine geschlossene Struktur zu schaffen, jedoch keinen Monobau. Grundlage ist ein Quartierplan, der das Areal als Einheit versteht. Die Architektur setzt auf Naturstein und Lärchenholz und nimmt Bezug auf das alte Dorf. Geplant sind rund 200 Betten, mehrheitlich Doppelzimmer, ergänzt mit Suiten und familiengerechte Einheiten. Herzstück ist ein grosszügiger Wellnessbereich mit rund 2’000 Quadratmetern.
Welche Rolle spielen Wellness und Seminare für den Betrieb?
Eine zentrale. In Bellwald gibt es bislang kaum entsprechende Angebote. Der Wellnessbereich mit Schwimmbad schliesst eine klare Lücke. Zusätzlich sind Konferenz- und Seminarräume vorgesehen, um internationale Tagungen anzusprechen und die Nebensaisons gezielt zu stärken.
Die geplante Bahnverbindung zwischen Fiesch und Bellwald gilt als Schlüsselprojekt. Welche Bedeutung hat sie für den Ferienpark Relief?
Das Bahnprojekt ist von zentraler Bedeutung. Sie verbindet Bellwald direkt mit dem ÖV-Hub in Fiesch und damit mit dem nationalen Bahnnetz. Die Fahrzeit würde rund zehn Minuten betragen. Für Gäste, Mitarbeitende und die Bevölkerung ist das ein entscheidender Qualitätssprung. Hotel und Bahn verstärken sich gegenseitig.
Solche Projekte brauchen einen langen Atem.
Warum ist der Standort für Sie der richtige?
Das Grundstück liegt direkt neben den bestehenden Sportanlagen, dem Kinderland und den Freizeitangeboten der Genossenschaft. Die Höhenlage auf rund 1’600 Metern mit viel Sonne ist aus touristischer Sicht ideal.
Welche baurechtlichen Hürden mussten Sie überwinden?
Solche Projekte brauchen einen langen Atem. Die ersten Planungen reichen bis ins Jahr 2015 zurück, die Quartierplanbewilligung erfolgte 2018. In den folgenden Jahren gab es Anpassungen und Präzisierungen. Wichtig ist, dass es keine Einsprachen gab. Die Baubewilligung liegt seit Juli 2025 vor.
Ergänzend führen wir Gespräche mit Investoren – auch mit internationalen – sofern sie langfristig orientiert sind.
Wie ist die Finanzierung aufgebaut?
Das Gesamtvolumen beträgt rund 80 Millionen Franken. Gemäss Quartierplan können bis zu 20 Prozent über den Verkauf von Eigentumswohnungen finanziert werden. Diese dienen der Anschubfinanzierung. Ergänzend führen wir Gespräche mit Investoren – auch mit internationalen – sofern sie langfristig orientiert sind. Das Grundstück befindet sich in meinem Eigentum, was die Struktur vereinfacht.
Wann rechnen Sie mit Baubeginn und Eröffnung?
Ab Sommer sollen die ersten Bauetappen starten, zunächst bei den Ferienwohnungen. Für das Gesamtprojekt rechnen wir mit einer Bauzeit von drei bis vier Jahren. Unser Ziel ist eine schrittweise Realisierung bis 2029.
Was bedeutet der Ferienpark Relief für Bellwald ganz konkret?
Er ist ein Entwicklungsimpuls. Mit dem Wellnessangebot schliesst er eine Marktlücke und stärkt Bellwald sowie die gesamte Region nachhaltig als attraktive Ganzjahresdestination. Das Hotel wird voraussichtlich 70 bis 80 Arbeitsplätze schaffen. Man muss auch berücksichtigen, dass Bellwald in den vergangenen 20 Jahren von Abwanderung geprägt war. Durch das neue Hotel und das Bahnprojekt kann ein Gegentrend entstehen. Ziel ist, dass Menschen wieder hier leben und arbeiten können.
Mehr zum geplanten Bahnprojket Fiesch-Bellwald.
