Barbara Muckermann hat die Luxushotelgruppe Kempinski nach knapp zweieinhalb Jahren an der Spitze verlassen. Auch Finanzchef Gordon Drake, Personalchefin Karin Raguin, Entwicklungschef Frank Veenstra und Markenchefin Barbara Biffi scheiden gemäss diversen Medienberichten aus. Commercial-Chef Massimo Brancaleoni soll seinen Rücktritt eingereicht haben. Kempinski gehört mehrheitlich dem Königshaus von Bahrain. Die Gründe für die Abgänge sind unklar. [RELATED]

Auf Anfragen mehrerer Branchenmedien reagierte das Unternehmen zurückhaltend. Gegenüber «Hotel vor9» erklärte Kempinski am Dienstag, zur aktuellen Situation keine Stellung nehmen zu können. Auch telefonische Anfragen der htr hotelrevue bei den Schweizer Betrieben blieben bislang unbeantwortet.

Damit fehlen Antworten auf zentrale Fragen: Weshalb kommt es nahezu gleichzeitig zu mehreren Abgängen in der Konzernleitung? Wer übernimmt künftig die Gesamtführung? Und was bedeutet der Umbruch für die Neuausrichtung der traditionsreichen Luxushotelgruppe?

Eine Strategie, deren Erfolg noch offen ist

Muckermann hatte seit ihrem Amtsantritt im Mai 2024 eine umfassende Neupositionierung vorangetrieben. Die ehemalige Chefin der Luxusreederei Silversea wollte das Markenprofil schärfen, das Portfolio bereinigen und Kempinski wieder stärker im obersten Luxussegment verankern. Die Anzahl der Hotels wurde von 82 auf 75 reduziert (Stand April 2026). Gleichzeitig kündigte sie 34 neue Projekte innerhalb von drei Jahren an.

Der Handlungsbedarf war erkennbar. Während Wettbewerber wie Four Seasons, Mandarin Oriental und Rosewood ihre Position im internationalen Luxusmarkt ausbauten, verlor Kempinski an Profil. 

Ein wesentlicher Teil der Strategie betraf das Geschäftsmodell. Kempinski wollte wieder verstärkt selbst in Hotelimmobilien investieren, statt sich hauptsächlich auf Managementverträge zu konzentrieren. Im April 2026 gab die Gruppe den Kauf des Augustine Hotels in Prag bekannt. Es war die erste vollständige Hotelübernahme seit mehr als fünf Jahrzehnten.

Doch eine solche Neuausrichtung benötigt Zeit und Kapital. Ob der eingeschlagene Weg wirtschaftlich erfolgreich gewesen wäre, lässt sich nach gut zwei Jahren noch nicht beurteilen. Mit Muckermanns Abgang stellt sich nun die Frage, ob die Eigentümer an dieser Strategie festhalten wollen.

Hatte sich der Führungswechsel angekündigt?

Am 25. September berichtete das Fachportal «hospitalityInside» über Unruhe und mögliche Veränderungen innerhalb der Hotelgruppe. Wenige Tage später folgte eine auffällige Personalentscheidung: Kempinski ernannte Andrea Vanni zum neuen Finanzchef. Der Immobilien- und Finanzexperte gehörte zuvor dem Verwaltungsrat an.

Vanni soll neben der Verbesserung der Rentabilität auch Akquisitionen, Managementverträge und die Expansion in neue Märkte vorantreiben. Die Ernennung kommentierte Verwaltungsratspräsident René Nijhof. Eine Stellungnahme der damaligen CEO fehlte.

Welche Rolle spielen die Eigentümer?

Eine zentrale Frage betrifft die Finanzierung der weiteren Entwicklung. Der stärkere Eigenbesitz von Hotels bindet erheblich mehr Kapital als Managementverträge.

«Skift» berichtete unter Berufung auf mehrere Quellen, dass die Eigentümer nach einem möglichen Käufer für Kempinski gesucht hätten. Gleichzeitig soll Muckermann Gespräche über die Finanzierung weiterer Hotelübernahmen geführt haben. Offiziell bestätigt sind diese Informationen nicht.

Auch die wirtschaftliche Entwicklung ist relevant. Gemäss den von «Skift» ausgewerteten Geschäftsunterlagen sank der konsolidierte Umsatz 2024 auf 164,6 Millionen Euro. Der Nettogewinn stieg dagegen auf 17,6 Millionen Euro. Für 2025 wurde ein deutlicher Rückgang des Vorsteuergewinns erwartet.

Die Zahlen erklären den Führungswechsel nicht. Sie verdeutlichen aber, weshalb die künftige Investitionsstrategie eine zentrale Rolle spielen dürfte. Setzt Kempinski weiterhin auf Hotelkäufe oder rückt das weniger kapitalintensive Geschäft mit Managementverträgen wieder stärker in den Vordergrund?

Was bedeutet der Umbruch für die Schweiz?

In der Schweiz ist Kempinski mit dem Grand Hotel des Bains Kempinski in St. Moritz und dem Kempinski Palace Engelberg vertreten. Hinzu kommt das Frutt Mountain Resort auf Melchsee-Frutt, das unter eigenem Namen von Kempinski geführt wird.

Für die Betriebe bedeutet der Führungswechsel nicht automatisch Veränderungen im operativen Geschäft. Allerdings können strategische Entscheidungen auf Konzernebene Einfluss auf die Positionierung, Investitionen und die Zusammenarbeit mit Hoteleigentümern haben.

Offen ist auch die Zukunft des operativen Konzernsitzes in Genf. Bereits 2025 hatte Muckermann gegenüber der «Bilanz» eine mögliche Verlegung nach Dubai angesprochen. Im April 2026 erklärte sie gegenüber «Hotel Inside», dass Kempinski weiterhin einen Sitz in Genf unterhalten werde, Dubai künftig jedoch eine grössere Rolle spielen solle. Gleichzeitig hatte sie zusätzliche Hotels in der Schweiz ins Auge gefasst, unter anderem in Zürich und Genf. Ob diese Pläne unter einer neuen Konzernführung Bestand haben, ist unklar.

Gleichzeitig hatte Muckermann zusätzliche Hotels in der Schweiz ins Auge gefasst, unter anderem in Zürich und Genf. Ob diese Pläne unter einer neuen Konzernführung weiterverfolgt werden, ist ebenso unklar wie die Zukunft des Standorts Genf.

Erneuter Neuanfang oder Fortsetzung des Umbaus?

Für Kempinski ist der Wechsel an der Spitze kein Einzelfall. Seit dem Abschied des langjährigen CEO Reto Wittwer im Jahr 2014 folgten mehrere Konzernchefs mit vergleichsweise kurzen Amtszeiten. Muckermann war bereits die fünfte CEO nach Wittwer.

Die aktuellen Abgänge betreffen ausgerechnet jene Bereiche, die für die Neupositionierung besonders wichtig sind: Finanzen, Markenführung, Personal und Entwicklung. Damit verliert die Gruppe mehrere Führungskräfte, die den eingeschlagenen Kurs mitgestaltet haben.

Ob die Eigentümer einen grundlegenden Strategiewechsel anstreben oder die bisherige Richtung mit einer neuen Führungsmannschaft fortsetzen wollen, bleibt offen. Über die Gründe für die personellen Veränderungen lässt sich derzeit nur spekulieren.

Bislang hat Kempinski weder die Hintergründe öffentlich erläutert noch eine umfassende Nachfolgeregelung bekanntgegeben.