Martin Brühlmann, die Kurve Appartements & Lounge ist seit gut einem Jahr in Betrieb. Was hat sich besser entwickelt als erwartet?
Zum einen sind wir überrascht, wie wenige Baumängel auftraten und wie schnell die Mängel von den zuständigen Firmen behoben wurden. Viel besser als erwartet hat sich der Sommer entwickelt. Hier lagen wir deutlich über den Erwartungen. Das Konzept hat sich grundsätzlich bewährt: Apartments, in denen man sich selbst verpflegen kann, mehr Platz und Freiheit geniesst und zusätzliche Hoteldienstleistungen nur dann abruft, wenn man sie benötigt. [RELATED]
Was ist hinter Ihren Erwartungen geblieben?
Die Frequenzen in der Lounge. Da hatten wir uns mehr erhofft. Auch die Logiernächte im Winter, insbesondere im März, blieben hinter unseren Erwartungen zurück.
Weshalb?
Leider fehlt uns ein Aussenbereich. Wir verfügen zwar über eine Terrasse, uns fehlt jedoch die Bewilligung, um dort Gäste zu bewirten. Wir sind daran, das zu ändern, was jedoch Geduld braucht. Mit Tagesbewilligungen konnten wir dieses Jahr bereits Feste ausrichten.
Wie unterscheidet sich die Auslastung zwischen Winter, Sommer und Zwischensaison?
Der Winter konzentriert sich stark auf die Feier-, Ferientage und Wochenenden. Auch wenn im März die besten Schneeverhältnisse sind, wird es schwierig, die Wintersportler noch zu motivieren, ein paar Tage in die Berge zu fahren. Der Sommer wird immer stärker und vor allem länger. Die Zwischensaison ist kürzer und nicht mehr ganz so still wie noch vor ein paar Jahren. Mittlerweile fährt in Adelboden ganzjährig mindestens eine Bergbahn. Das hilft sehr.
Die Gäste suchen bei fast allem den persönlichen Kontakt.
Mit welchen Erwartungen an die Auslastung sind Sie gestartet, und welche Auslastung haben Sie im ersten vollständigen Betriebsjahr erreicht?
Wir haben mit einer Auslastung von 49 Prozent gerechnet und das Ziel knapp nicht erreicht. Der Sommer war vielversprechend und lag deutlich über dem Budgetziel.
Welche Annahme aus dem ursprünglichen Konzept hat sich im Betriebsalltag nicht bestätigt?
Unsere Idee war es, ein Self-Check-in-System anzubieten, während die Réception – wir sagen Infopoint – als Anlaufstelle für Beratung und Betreuung der Gäste dienen sollte. Allerdings checken die meisten Gäste an der Réception ein.
Wo stösst das System im Alltag an seine Grenzen?
Beim Ausfüllen aller Personendaten durch die Gäste. Gerade ausländische Gäste, etwa aus Asien oder den Golfstaaten, haben noch Informationsbedarf. Dabei wäre es einfacher, alles zu Hause auszufüllen als beim Check-in, wenn man müde von der Reise ist. Teilweise erschweren die OTAs zudem die Übermittlung der Links zum Gästeportal.
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In welchen Situationen suchen die Gäste weiterhin den persönlichen Kontakt zu Ihren Mitarbeitenden?
Eigentlich bei fast allen: Hilfe beim Check-in und Check-out, Beratung zum Angebot der Region, Hilfe bei Problemen aller Art. Aber auch, weil ihnen der persönliche Kontakt wichtig ist.
Die «Kurve» richtet sich an sehr unterschiedliche Gäste. Welche Zielgruppen kommen tatsächlich am häufigsten?
Familien sind während der Ferienzeiten stark vertreten. Zugenommen hat zudem der Anteil internationaler Gäste. Wir durften Gäste aus 57 verschiedenen Nationen beherbergen.
Welche Zielgruppen erreichen Sie weniger gut als erwartet?
Eine unserer Zielgruppen waren die Mountainbiker. Wir haben die nötige Infrastruktur bereitgestellt – einen grossen Bike-Raum, Werkzeug und eine Waschanlage. Der grosse Ansturm blieb aber aus. Dabei eignet sich Adelboden insbesondere für Genussbiker und E-Biker gut.
Langfristig möchten wir in eine kleine Wellnessanlage investieren.
Kurve Apartments & Lounge verbindet Apartments mit Hoteldienstleistungen und verzichtet gleichzeitig auf Teile des klassischen Hotelangebots. Hat sich dieses Betriebsmodell wirtschaftlich bewährt?
Ja, das hat sich definitiv bewährt. Es gibt viele Gäste, die die Freiheit einer Ferienwohnung mit Hoteldienstleistungen auf Abruf suchen. Zudem geniesst man mehr Platz als in einem durchschnittlichen Hotelzimmer.
Welche Kennzahlen sind für Sie heute besonders wichtig, um den Erfolg von «Kurve» zu beurteilen?
Neben den üblichen Hotelkennzahlen schaue ich mir jede Gästebewertung an. Sie zeigt mir, was gut läuft und wo wir besser werden müssen. Wir haben sieben Zimmerkategorien mit grossen Preisunterschieden. Deshalb interessiert mich nicht nur die Average Daily Rate, sondern vor allem, was dahintersteckt: Warum läuft eine Kategorie schlecht? Warum ist eine andere immer ausgebucht?
Was muss noch besser funktionieren, damit Sie langfristig von einem erfolgreichen Konzept sprechen können?
Es fehlt nicht viel. Wir müssen uns weiterentwickeln und dabei von den Gästen und Mitarbeitenden lernen, was das Gästeerlebnis und den Betriebsablauf verbessern kann – immer mit dem Ziel, die Auslastung und den Ertrag zu erhöhen. Mit der Investition ins Marketing wollen wir potenzielle Gäste auf uns aufmerksam machen. Mittelfristig ist es wichtig, die Zwischensaison attraktiver zu gestalten. Das Ziel teilen wir mit der Tourismusorganisation und den weiteren touristischen Anbietern. Langfristig möchten wir in eine kleine Wellnessanlage investieren. Der Platz dazu ist vorhanden.
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