Hotelgäste erwarten heute mehr als reine Funktionalität. Sie erwarten Atmosphäre, ein Erlebnis, das im Gedächtnis bleibt und auch auf sozialen Medien attraktiv wirkt. Ebenso entscheidend ist ein hochwertiger Gesamteindruck: Die Einrichtung sollte sichtbar gepflegt sein, frei von Abnutzungsspuren und technischen Mängeln. Erst durch das stimmige Zusammenspiel von Ästhetik und Qualität entsteht ein Erlebnis, das Vertrauen schafft.
Ein Umbau am Puls der Zeit bringt jedoch einige ökonomische und organisatorische Herausforderungen mit sich: kurze Vorlaufzeiten, knappe Budgets und enge Zeitfenster im laufenden Betrieb. In diesem anspruchsvollen Umfeld schafft generative Künstliche Intelligenz (KI) einen echten Mehrwert.
KI schafft Perspektiven, die Richtung bestimmen Fachpersonen
Die grosse Stärke generativer KI liegt in ihrer Geschwindigkeit. Was früher Tage oder Wochen benötigte, lässt sich heute innert Stunden visualisieren. Zudem eröffnet eine breitere Palette an Vorschlägen zusätzlichen kreativen Spielraum. Material- und Farbstudien oder Möblierungsvarianten lassen sich früh im Prozess simulieren. So entsteht rasch eine visuelle Basis, um über unterschiedliche Szenarien zu diskutieren: von punktuellen Eingriffen bis hin zu umfassenden Umbauten.
KI unterstützt dabei die Entscheidungsfindung, ersetzt aber nicht die fachliche Abwägung. Technische Aspekte wie Asbestsanierungen oder Brandschutzmassnahmen müssen ebenso berücksichtigt werden. Sie erfordern Expertise und kontextbezogene Beurteilung.
Vorteile generativer KI in der Entwurfsphase
Die positiven Auswirkungen von KI in Hotelprojekten sind vielfältig:
- Kommunikation: KI-Bilder erleichtern den Dialog zwischen Hoteliers, Planungsteams und weiteren Stakeholdern. Entscheidungen basieren nicht auf Beschreibungen und Vorstellungskraft, sondern auf objektspezifischen Stimmungsbildern.
- Visualisierung: Unterschiedliche Konzepte lassen sich schneller darstellen und ihre Wirkung direkt verglichen.
- Atmosphärische Studien: Farb- und Materialkonzepte können realitätsnah aufgezeigt werden, ohne dass in frühen Projektphasen Muster produziert werden müssen.
- Grundrissoptimierung: Erste Ansätze zeigen, dass KI Grundrisse analysieren kann, um Abläufe und Gästewege effizienter zu gestalten.
Fundierte Entscheidungen statt gestalterischer Beliebigkeit
Bei aller Faszination für die Technologie gilt: KI generiert Texte und Bilder – keine fixfertigen Lösungen. Sie eröffnet neue Blickwinkel und veranschaulicht Ideen schnell, bewertet sie aber nicht kritisch. Damit wachsen Risiken wie Austauschbarkeit und Mittelmässigkeit. Denn generative KI greift auf bestehende Muster zurück, ihr Output folgt statistischen Wahrscheinlichkeiten.
Fachpersonen hinterfragen die Ergebnisse, bringen sie in Einklang mit gesetzlichen Vorgaben, wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, technischen Gegebenheiten, markenspezifischen Zielsetzungen und nicht zuletzt mit den Bedürfnissen der Inhaberschaft. Nur durch diesen kuratierten Umgang entstehen Eigenständigkeit, Authentizität und ein echter Mehrwert. Zudem ist der KI-Output nur so gut wie die Eingaben des Users («Prompts») und die Datenbasis, auf die das Modell zurückgreift. Auch hier sind menschliches Fachwissen und Erfahrung gefragt.
Grenzen kennen, Chancen nutzen: Expertise macht den Unterschied
Die Aufgabe der Innenarchitektur bleibt es, Visionen in realisierbare Konzepte zu übersetzen, die sowohl funktional als auch emotional tragen. Der Mensch bleibt für ein qualitativ überzeugendes Ergebnis zentral. Fragen wie «Welche Lösung passt zur Markenidentität des Hotels?», «Wie wirkt sich eine Umgestaltung auf das Betriebskonzept aus?» oder «Welche Optionen sind wirtschaftlich realistisch?» lassen sich heute noch nicht vollständig an Modelle delegieren. Ihre überzeugende Beantwortung verlangt Erfahrung, gestalterisches Gespür und Intuition – Faktoren, die den Kern der architektonischen und innenarchitektonischen Arbeit ausmachen.
Blick in die Zukunft: KI trifft auf VR und AR
Was heute mit statischen Bildern beginnt, entwickelt sich rasant. In Kombination mit Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) entstehen immersive Planungs- und Präsentationserlebnisse. Räume werden begehbar, bevor der Umbau beginnt – für Entscheidungsträger ein enormer Vorteil. Künftig könnten sich Räume sogar dynamisch an individuelle Gästepräferenzen anpassen, zum Beispiel durch die Regulierung der Zimmertemperatur, Lichtverhältnissen oder von Verdunklungselementen.
Fazit: Technologische Unterstützung, menschliche Handschrift
Generative KI eröffnet neue Perspektiven für Umbauprojekte in der Hotellerie. Sie beschleunigt Prozesse, fördert gestalterische Vielfalt und verbessert die Entscheidungsqualität – vorausgesetzt, sie wird als das genutzt, was sie ist: ein Werkzeug. Die Rolle von Innenarchitektinnen und Innenarchitekten bleibt dabei unverzichtbar. Denn erst durch die menschliche Interpretation und Weiterentwicklung entsteht ein Erlebnis, das Gäste überzeugt und in Erinnerung bleibt.
Dieser Fachbeitrag ist in Zusammenarbeit mit Dobas entstanden.
Innenarchitektur: Von der Idee bis zur Umsetzung
Die Dobas AG mit Sitz in Luzern beschäftigt vierzig Mitarbeitende und deckt alle Leistungen von der Konzeption bis zur Ausführung ab. Die Creation-Abteilung mit erfahrenen Innenarchitekten, Szenografinnen und Produktdesignern ist auf Hospitality, Mixed-Use und Retail spezialisiert. Der Full-Service-Dienstleister ist international für die Planung und Realisierung von Retail-Stores bekannt. Dobas entwickelt, plant und baut funktionale und gestalterisch überzeugende Raumerlebnisse.