Roland Berger, das Hotel Lenkerhof wird seit einem Jahr von einer Vierer-Geschäftsleitung geführt. Hat sich das Modell bewährt?

Ja, klar. Intern sogar besser als erwartet. Von den Abläufen und Prozessen her funktioniert es sehr gut. Die Zuständigkeiten sind klar, jede Person bringt ihre Expertise ein. Gestartet sind wir mit Christian Burkhard, Adriano Michel Votta, Güler Bozkiraç und Laurent Schenk. Ein grosser Vorteil dieses Modells ist die Nutzung von verschiedenen Erfahrungen, unterschiedlichen Netzwerken und die Präsenz der Führung. Es ist immer jemand aus der Geschäftsleitung im Haus. 

Gab es auch Skepsis oder Irritationen bei den Gästen?

Ein bisschen Neugier, ja. Die Frage kommt schon, wer denn jetzt das Gesicht des Hauses sei. Dann sagen wir offen, es sind mehrere. Für die meisten Stammgäste war das eher ein Staunen als ein Infragestellen.

Wie haben Sie diese neue Struktur nach aussen vermittelt?

Für die Gäste war der Newsletter zentral. Und vor allem der persönliche Kontakt. Begrüssung und Verabschiedung. Man hat bewusst darauf geachtet, dass sich die Geschäftsleitung jeweils vorstellen und die Gäste somit eine Zuordnung machen können. So wurde sichtbar, dass immer jemand da ist.

Intern hat sich das Vierer-Modell besser bewährt, als wir erwartet haben.

Welche Rolle spielte dabei die Besitzerschaft?

Die Eigentümerin Doris Benzli Opprecht war von Anfang an eingebunden. Sie hat klar gesagt, dass sie diesem Führungsmodell eine echte Chance geben will und auch bereit ist, das Risiko zu tragen. Das war wichtig, weil ein solches System Zeit braucht. 

Wer gehört heute zur Geschäftsleitung?

Heute besteht die Geschäftsleitung aus Christian Burkhard, Adriano Michel Votta, Laurent Schenk und Iris Freuler. Auch sie mussten sich als Team zuerst finden. Das braucht Zeit, das war uns bewusst.

Im Laufe des Jahres kam es zu personellen Wechseln. Wo lagen die Schwierigkeiten?

Das war unterschiedlich. Güler Bozkiraç ist bereits im Frühling 2025 gegangen, weil es innerhalb der Geschäftsleitung menschlich nicht gepasst hat. Später ging es um die Chemie zwischen mir und Christian Burkhard. Er ist fachlich ein sehr guter Mann, das möchte ich ausdrücklich sagen. Er hat einen super Job gemacht und wird das Geschäft bis zu seinem Austritt Ende Juni 2026 sauber abschliessen. Im Zuge dessen hat sich auch sein Partner Adriano Michel Votta entschieden, den Lenkerhof zu verlassen.

Mit der Kündigung von Christian Burkhard und Adriano Michel Votta: Haben Sie das Modell hinterfragt?

Wir haben das Thema offen mit den heutigen Geschäftsleitungsmitgliedern diskutiert. Sie wollen unbedingt an diesem Modell festhalten, weil damit die Verantwortung und die Präsenzzeit auf mehrere Schultern fallen. Auch aus Sicht des Verwaltungsrats ist das Vierer-Modell absolut tragfähig und zukunftsfähig.

Haben Sie die Bedeutung der Chemie und des Zwischenmenschlichen zu Beginn unterschätzt?

Rückblickend vielleicht ein Stück weit, ja. Wir wussten, dass das Zwischenmenschliche wichtig ist, aber man merkt erst im Alltag, wie stark es wirklich wirkt. Auch mit höchster fachlicher Kompetenz wird Zusammenarbeit schwierig, wenn die menschliche Ebene nicht stimmt. Das ist eines der zentralen Learnings für uns, und darauf werden wir bei künftigen Rekrutierungen noch stärker achten.

Auch mit höchster fachlicher Kompetenz wird Zusammenarbeit schwierig, wenn die menschliche Ebene nicht stimmt.

Wie wirkt sich das Modell auf die Effizienz aus?

Sehr positiv. In den einzelnen Bereichen haben wir eine deutliche Effizienzsteigerung erreicht. Die Verantwortung liegt direkt bei der Person, die dem Verwaltungsrat rapportiert. Das erhöht die Qualität der Diskussionen und die Verbindlichkeit der Entscheide.

Und wie schlägt sich das in den Zahlen nieder?

2025 liegen die Logiernächte rund sechs Prozent unter dem Vorjahr. Ein Direktionswechsel hat fast immer den Effekt, dass einige Gäste diesen Moment bewusst für einen persönlichen Wechsel nutzen. Bereinigt betrachtet liegt der EBITEA aber nicht schlechter als 2024. Spannend ist der Blick auf den Januar 2026. Dort liegen wir besser als im Januar 2025 und auch besser als im Januar 2024, mit weniger Gästen, aber höherem Durchschnittsertrag. Das zeigt, dass sich die Gäste wohlfühlen und pro Aufenthalt mehr ausgeben.

Bleibt das Vierer-Modell auch langfristig bestehen?

Ja. Solange es funktioniert, gibt es keinen Grund, daran etwas zu ändern. Zwischenmenschliche Themen sind kein spezielles Problem dieses Modells, sondern menschlich ganz normal.

[RELATED]