Eine fundierte Schweizer Hotelausbildung, vor allem wenn sie nicht nur akademisch ausgerichtet ist, sondern eben auch «hands-on», wie Brühlmann gerne erklärt, erlaubt unterschiedlichste Berufswege.

A family affair
Im Falle des in St. Gallen als Jüngster von vier Geschwistern aufgewachsenen Patrik Brühlmann war es die Hotelfachschule Lausanne, die alles in die passende Richtung lenkte. Dort studierte er von 1989 bis 1992, und das ist nicht wirklich ein Zufall. Denn schon sein Onkel Edwin Schmidli, Gastrounternehmer in Luzern, hatte in Lausanne studiert. Und jetzt, seit zwei Jahren, auch sein Sohn Nino.

Swiss Quality
Ausbildungen in der Schweiz setzen Standards. Die htr hotelrevue stellt Absolventinnen und Absolventen von Schweizer Institutionen vor, die im Ausland Karriere machen.

«Dass ich heute im Medizinbereich arbeite, passt eigentlich perfekt zur Ausbildung als Hotelfachmann. Denn in beiden Branchen geht es um Kunden, die uns – ganz allgemein gesprochen – aus gesundheitlichen Gründen aufsuchen. Wir betreuen diese Menschen mit Ferienerlebnissen, Kulinarik, Aktivitäten oder eben auch mit Medikamenten und Operationen. Es ist der Dienstleistungssektor, es ist das Gast-Gewerbe.»

Sein Onkel führte ihn also ins Gastgewerbe ein, denn Brühlmann wollte eigentlich schon immer Hotelier werden. Man meldete ihn an der EHL schon in jungen Jahren an; es sollten jedoch viele Wartesystemjahre vergehen, bis er als 24-Jähriger aufgenommen wurde. Und das Warten hat sich gelohnt, weiss Brühlmann.

«Das gesammelte Wissen bestand aus der soliden und breiten Grundausbildung, der globalen Ausrichtung mit einer heute noch aktiven Alumni-Gemeinschaft und dem starken Gedankengut betreffend Arbeitseinstellung und Kundendienst.» Er habe in Lausanne gelernt, so erinnert sich Brühlmann, dass man auch an einem für sich persönlich schlechten Tag gute Arbeit abliefern könne – es brauche halt ein bisschen «Showbusiness», eine positive Einstellung und ein Lächeln, um den Gast glücklich zu machen.

Dass ich heute im Medizinbereich arbeite, passt eigentlich perfekt zur Ausbildung als Hotelfachmann. Denn in beiden Branchen geht es um Kunden

Wanderjahre
Eine der drei EHL-Praktikumsstellen führte Brühlmann für sechs Monate ins «Le Méridien San Francisco». Und nach der Ausbildung erhielt er ein Angebot des «Mandarin Oriental» in Hongkong. Dort kam er auch an, sog die asiatische Atmosphäre ein – und wechselte sogleich die Branche. Ein Berufswechsel, der ihn das ganze Leben begleiten würde. «In Hongkong lernte ich die Schweizer Firma Wetter kennen. Da ging es um Textilverkauf aus China Richtung europäische Märkte.»

So lernte er auch China kennen und zog später für Freudenberg & Vilene nach Shanghai. Dort übernahm er Aufgaben im Bereich Industrietextilien, also Materialien wie beispielsweise Masken, Filter oder Medizinaltechnik.

Über diese Arbeit und sein stetig wachsendes Netzwerk lernte er Zuellig Pharma kennen, für die er später fast elf Jahre lang in Thailand und Taiwan tätig sein sollte. Ein nächster Wechsel also, von Industrie- zu Medizinaltextilien – Brühlmann scheute sich nie vor neuen Herausforderungen. Zuellig Pharma hat ihren Sitz in Singapur und ist mit 12 000 Mitarbeitenden in ganz Asien tätig. «Das war ein spannendes und schönes Jahrzehnt, und ich schätze die Besitzerfamilie und den damaligen CEO noch heute sehr.»

Wohlfühl-Bangkok
Patrik Bühlmann versuchte sich danach in Saudiarabien («das war jetzt nicht meine beste Erfahrung») und Australien – aber eigentlich wartete Thailand schon lange auf ihn. In Bangkok lebt und arbeitet er seit 2015, fühlt sich wohl, hat eine tolle Arbeit, einen guten Freundeskreis und allerlei Hobbys wie Fitness, Jassen (im lokalen Schweizer Klub) oder Kochen und verbringt gerne Zeit mit seiner Deutschen Dogge. Zudem wohnt seine Mutter, stolze 97 Jahre alt, gleich nebenan; sie zog nach dem Tod des Vaters zu ihrem jüngsten Sohn in die thailändische Metropole.

Aber trotz Wohlfühlzone: Bei der Unternehmensgruppe Pacific Healthcare Thailand zelebriert Brühlmann als CEO das volle «Corporate Management»-Programm. «Schon an der EHL habe ich die Relevanz der Mitarbeitenden gelernt. Wir sind wie die Hotellerie ein Dienstleistungsbetrieb und müssen unsere Kunden täglich erobern. Der Primärkontakt läuft über die Angestellten, am Telefon oder am Schalter, und dort entscheidet sich, ob ein Kunde zufrieden ist, Stammkunde wird und die Dienstleistungen weiterempfiehlt.

Wir müssen wie in der Hotellerie unsere Kunden täglich erobern.

Als Vorgesetzter muss ich meine Teams begleiten und unterstützen; dazu stehen meine Türen jederzeit offen – alle Mitarbeitenden können mich direkt erreichen. Natürlich muss ich auch den Aktionären dienen, aber wenn unsere Angestellten an der Front nicht gut arbeiten, dann bin auch ich nicht erfolgreich.» Für Brühlmann spielt es bei dieser Einschätzung keine Rolle, ob die Kunden Ferien- oder Geschäftsreisende sind oder, wie bei Pacific Healthcare, Ärzte. «Viele Firmen bieten gleiche oder ähnliche Generika an, punkten können wir nur mittels Service und Betreuung – fast wie im Hotelgeschäft.»

Und dieses Geschäft umspannt das gesamte Leben von Patrik Brühlmann. Denn auch sein Lebenspartner Paulus – er stammt aus Indonesien – absolvierte einst eine Hotelausbildung, nämlich an der malaysischen Sunway School of Hospitality and Service Management. Kennengelernt haben sich die beiden schon vor 25 Jahren; Paulus flog damals für Qatar Airways. Beide schätzen den Bezug zur Schweiz, sind häufig in der Wohnung in Luzern und sehen Brühlmanns Geschwister regelmässig. Und Lausanne ist ja auch nur eine kurze Bahnfahrt entfernt.

Patrik Roman Brühlmann
St. Gallen ist Brühlmanns Ausgangspunkt, dort wurde er am 10. April 1965 geboren und besuchte die Schule. Als 12-Jähriger kam er ins Gymnasium Gossau und lernte dort bis 1985. Seitdem ist jedoch Luzern, die Heimatstadt seiner Mutter, sein Schweizer Zentrum. Onkel Edwin Schmidli führte mit seiner Frau unter anderem das Bahnhofbuffet Luzern und wurde eines der beruflichen Vorbilder für Brühlmann. [IMG 2]

In Luzern absolvierte er ein Praktikum und besitzt heute noch eine Wohnung in der Stadt. Nach der EHL-Ausbildung 1992 zog es ihn ostwärts mit Stationen in Hongkong, Shanghai, Taipeh, Riad, Sydney sowie jetzt seit zehn Jahren Bangkok, wo er das Unternehmen Pacific Healthcare führt.

Brühlmann engagiert sich in Schweizer Organisationen in Thailand und diente fünf Jahre als Mitglied des Advisory Board der EHL Singapur. Er lebt mit seinem Partner Paulus in Bangkok; Adoptivsohn Nino studiert derzeit an der EHL Lausanne.


Gesundheit für Asien und Südamerika

Pacific Healthcare

Die Unternehmensgruppe Pacific Healthcare Thailand wurde 1961 vom holländischstämmigen Frits Buhrman gegründet und wird heute von seinem Sohn Cyrille «Nueng» geführt. Patrik Brühlmann, dessen Name in Thailand ähnlich klingt wie Buhrman, was immer wieder für lustige Konfusion sorgt, ist CEO und Mitglied des Verwaltungsrats.

Pacific Healthcare ist im Gesundheitswesen tätig und offeriert in Thailand sowie in 30 Ländern in Asien und Südamerika ein breites Spektrum an Produkten und Dienstleistungen. Das Unternehmen hat rund 650 Mitarbeitende. Auf Youtube stellt Patrik Brühlmann die Aktivitäten der Firma vor; in dieser Episode geht es um die Bedeutung von Ziegenmilch:

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