Arbeiten im Tourismus ist bereichernd und sinnstiftend. Aber oft ist es härter, als es sein müsste. Wir geben Energie, Präsenz und Fingerspitzengefühl. Wir stehen da, wenn andere loslassen. Und trotzdem fehlt es oft an Anerkennung. Viele sehen nur das Lächeln an der Rezeption, nicht die Müdigkeit nach zehn Stunden auf den Beinen. Was mich stört, ist nicht der Aufwand, sondern, dass er selbstverständlich scheint. 

Steckbrief
Tamara Hänni, 30, Wichtrach
Ausbildung: Hotelfachschule Thun
Erwartetes Abschlussjahr: 2026
Inspiration: Spotify-Playlist «Afterwork Rooftop» & Serie «Chef’s Table» 

Wer in dieser Branche bleibt, tut das meist aus Überzeugung, nicht wegen der Bedingungen. Dabei wäre genau das möglich: gute Arbeit zu leisten und gleichzeitig gut zu leben. Dafür bräuchte es mehr Betriebe, die hinschauen, statt vertrösten. Systeme, die Mitarbeitende nicht ausbrennen lassen. Strukturen, die stärken. Die Zimmerstunden sind wenig entspannend, weil man oft an die zweite Schicht denkt. 

Ich wünsche mir Zeit, die mir wirklich gehört. Eine 4-Tage-Woche macht den Beruf sofort attraktiver. Neben Durchdiensten wünsche ich mir Arbeitsmodelle, die die Freizeit planbar machen, denn sie ist kein Luxus, sondern Voraussetzung, um langfristig gesund und motiviert zu bleiben. Auch die Weiterbildung sollte kein Extra sein, das man sich mühsam erstreiten muss. Sie sollte Teil der Struktur sein. 

Ich will mitdenken und mitgestalten dürfen, nicht nur reagieren, sondern entwickeln. Das fördert meine Bindung zum Betrieb. Dabei kann die Digitalisierung helfen, wenn sie entlastet, beispielsweise beim Papierkram. Das bietet Raum für das Menschliche. 

Trotz viel Medienpräsenz wird die Wertschätzung noch immer unterschätzt.

 Eine Führungskraft, die zuhört, Verantwortung teilt und Entwicklung ermöglicht, verändert ein ganzes Team. Schliesslich ist im Tourismus die Beziehung zum Gast zentral. Das sollte auch für die Mitarbeitenden gelten.

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