Im Wallis müssen insgesamt 13 Campingplätze in elf Gemeinden per sofort schliessen. Der Grund sind Naturgefahren. Die kantonalen Behörden informierten die Betreiber und Gemeinden Ende Dezember über das Betriebsverbot. Bereits im vergangenen Sommer musste der höchstgelegene Campingplatz der Schweiz in Arolla wegen Murganggefahr geschlossen und innerhalb der Gemeinde an einen neuen Standort verlegt werden.
Ungewisse Zukunft für Betriebe
Zu den Betroffenen gehört William Jerjen, der zwei Campingplätze in Reckingen betreibt. Wie der «Walliser Bote» berichtet, erhielt er einen eingeschriebenen Brief mit einem sofortigen Nutzungsverbot für beide Anlagen. Eine Beschwerde sei zwar möglich, habe jedoch keine aufschiebende Wirkung. Bei Missachtung droht eine Busse von mindestens 10’000 Franken.
Jerjens Campingplatz besteht seit über 60 Jahren. Einzelne Stellplätze am Rhoneufer seien zwar rechtlich nicht vollständig abgesichert gewesen und durften im Winter nicht genutzt werden. Mit einer sofortigen Schliessung habe er dennoch nicht gerechnet, sagt der Betreiber.
Auch der Camping des Glaciers in La Fouly ist betroffen. Auf der Webseite bedauert die Inhaberschaft sehr, dass bis zum 31.März keine Reservierungen entgegen genommen werden können. Man hoffe, für bis dahin eine Lösung zu finden und den Betrieb für die Gäste «vollkommen sicher» machen zu können.
Weitere Anlagen werden überprüft
Neben Reckingen sind unter anderem Campingplätze in Gampel, Saas-Grund, Saas-Balen, Täsch oder Grengiols betroffen. In der Region befürchten Verantwortliche den Verlust von Hunderttausenden Logiernächten.
Staatsrat Franz Ruppen (SVP) verweist auf eine Analyse einer kantonalen Arbeitsgruppe zu Naturgefahren. Diese habe besonders gefährdete Anlagen identifiziert. «Die Situation erfordert rasches Handeln, weil Menschenleben bedroht sein können», erklärt Ruppen. Weitere Campingplätze würden derzeit kontrolliert.
Langfristig prüft der Kanton Lösungen wie Schutzbauten oder eine Verlegung einzelner Anlagen, um Sicherheit und wirtschaftliche Interessen in Einklang zu bringen.
Kritik aus Politik und Gemeinden
Der Entscheid sorgt jedoch auch innerhalb der Kantonsregierung für Diskussionen. Volkswirtschaftsminister Christophe Darbellay (Mitte) kritisiert das Vorgehen scharf. Zwar müsse die Sicherheit gewährleistet sein, doch eine kurzfristige Schliessung sei ein Affront gegenüber wichtigen Tourismusbetrieben.
Auch Gemeinden zeigen sich verärgert. Der Gemeindepräsident von Goms, Gerhard Kiechler, hält die Gefahreneinschätzung für übertrieben. Die betroffenen Plätze lägen nicht in der roten Gefahrenzone. Gleichzeitig arbeite die Gemeinde bereits an Schutzmassnahmen, deren Umsetzung jedoch noch in Bewilligungsverfahren stecke.
Im Saastal wird ebenfalls über mögliche Lösungen beraten. Dort könnten eine neue Gefahrenkarte sowie ein geplantes Schutzprojekt darüber entscheiden, ob ein Campingplatz künftig weiter betrieben werden kann.
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