Die Welt wird nervöser. Kriege, geopolitische Spannungen und wirtschaftliche Unsicherheit bestimmen längst nicht mehr nur die Schlagzeilen, sondern zunehmend auch das Reiseverhalten. Dass diese Entwicklungen inzwischen auch die Schweizer Hotellerie direkt beeinflussen, zeigte sich zuletzt in einer Diskussion am Hospitality Summit in Bern.

«Die Grundlagen unseres Wohlstands brechen weg», sagte Daniel Möckli vom Center for Security Studies der ETH Zürich. Die Welt der offenen Märkte und verlässlichen internationalen Regeln funktioniere nicht mehr wie früher. Die geopolitische Unsicherheit werde zum Dauerzustand. Handelskonflikte, neue Zölle, gestörte Lieferketten oder geopolitische Machtkämpfe hätten direkte Auswirkungen auf Wirtschaft, Mobilität und Tourismus. Die Schweiz müsse sich deshalb in einer weniger stabilen und weniger globalisierten Welt neu positionieren.

Gerade daraus könnte sich für den Tourismus aber auch ein Vorteil ergeben. International werde die Schweiz weiterhin stark mit Sicherheit, Verlässlichkeit und hoher Lebensqualität verbunden. Möckli sprach von der Schweiz als internationalem «Sehnsuchtsort», dessen Attraktivität weniger mit Neutralität als mit funktionierenden Strukturen, politischer Berechenbarkeit und einem hohen Vertrauen in Institutionen zusammenhänge. Auch Europa gelte wieder stärker als stabiler demokratischer Raum.

Die Schweiz als sicherer Hafen

Anzeichen dafür sieht die Branche bereits. «Der Drang, nach Europa und in die Schweiz zu kommen, ist immer noch sehr hoch», sagte Martin von Moos, Präsident von HotellerieSuisse, mit Blick auf den amerikanischen Markt. Trotz geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Unvorhersehbarkeit bleibe die Nachfrage robust. Vieles deutet darauf hin, dass die Schweiz vergleichsweise stabil durch die Sommersaison kommt. Während etliche Destinationen unter klimatischen Extremen und wachsender Unsicherheit leiden, profitiert die Schweiz laut Switzerland Travel Centre von ihrem Ruf als sicherer, verlässlicher und klimatisch attraktiver Standort. So gewinne die Schweiz gerade als Sommerdestination weiter an Zugkraft.

Gleichzeitig verändern sich Buchungsverhalten und Planungssicherheit. Diversifikation gilt deshalb zunehmend als Voraussetzung für Krisenfestigkeit. Gerade die Schweizer Hotellerie hat in den vergangenen Jahren gelernt, schneller auf Veränderungen zu reagieren und sich breiter aufzustellen. Während manche Gäste Hotels als Bühne für soziale Medien nutzen, suchen andere bewusst Orte der Entschleunigung und Distanz zum digitalen Alltag.

Trotz aller Unsicherheiten überwog zuletzt nicht der Krisenton, sondern Zuversicht. Die Branche habe in den vergangenen Jahren gelernt, mit Krisen umzugehen. «Wir sind resilient und agil», sagte von Moos. Gerade in einer nervöseren Welt könnten Offenheit, Stabilität und echte Gastfreundschaft zu den grössten Stärken der Schweizer Hotellerie werden.