«Die Ostschweizer haben gestern den Mut nicht gehabt, etwas Grosses zu wagen», schreibt David Angst in der «Thurgauer Zeitung». Man werde die St. Galler und Thurgauer auch künftig jammern hören, ihre Region werde vernachlässigt. «Die Expo 2027 hätte einen schönen Bundesbatzen in die Ostschweiz gebracht. Doch Subventionen abholen, das können andere Randregionen besser.»
Die Thurgauer wollten vermutlich einfach ihre Ruhe haben, so der Kommentator. «Sie mögen keine Freundeidgenossen, welche in vollen Zügen von Zürich her kommen und ihre Uferpromenaden versperren. Sie sehen keine Notwendigkeit, den Tourismus anzukurbeln.»
Von einer «unerwartet deutlichen Abfuhr» spricht Jörg Krummenacher in der NZZ. «Ob und wann es in der Schweiz eine nächste Landesausstellung geben wird, ist nach dem überraschenden und deutlichen Verdikt ungewiss.» Die Ostschweizer Bewerbung habe nur wenige Gegner gehabt. «Die stille Mehrheit der Bevölkerung aber steht Grossveranstaltungen wie einer Expo heute offensichtlich äusserst skeptisch gegenüber.»
Auch für Olympia wird es schwierig
Dass die Stimmung für grosse Würfe derzeit nicht günstig sei, könnte laut NZZ «nicht nur der Expo, sondern auch den Olympia-Bewerbungen zum Verhängnis werden, die bei Swiss Olympic für die Winterspiele 2026 eingereicht wurden.»Auch die Olympia-Promotoren müssten auf ablehnende Mehrheiten gefasst sein.
Für Conradin Knabenhans («Zürichsee-Zeitung») hat sich die Ostschweiz mit dem Nein zur Expo selbst ein Bein gestellt. «Die Kantone hätten zeigen können, dass ihre Regionen weit mehr zu bieten haben als Äpfel, Olma-Bratwürste und Biberfladen. Mit der Expo 2027 wäre dem ständigen Jammern über zu wenig Beachtung in der Restschweiz ein Ende gesetzt worden.»
Träume dürfen nichts kosten
Auch Sibylle Speiser in der «Südostschweiz» (Ausgabe Gaster&See) bedauert die verpasste Expo-Chance. «Träume sind nicht mehr zeitgemäss, und wenn sie geträumt werden, dürfen sie heutzutage nichts kosten.» Zu erfahren, wie im Detail der Traum einer Expo hätte aussehen können, sei dem St. Galler Stimmvolk nicht einmal 0,1 Prozent des jährlichen Kantonsbudgets wert.
«In der Landesausstellung hätte die Ostschweiz ihr Gesicht von der schönsten Seite zeigen können. Sogar Bern hätte hergeschaut und es bewundert. Unter Umständen hätte sich die Ostschweiz danach nicht mehr so stiefmütterlich von der Bundeshauptstadt behandelt gefühlt», schreibt Speiser.
Für Silvan Lüchinger («St. Galler Tagblatt») zeugt das Nein zur Expo von fehlendem Mut und mangelndem Selbstvertrauen. «Politiker der Grenzregion Ostschweiz beklagen sich regelmässig über fehlende Wahrnehmung und Wertschätzung. Entsprechend neugierig wird nun die Restschweiz das Expo- Ergebnis zu Kenntnis nehmen. (...) Anlass, dem fernen Osten künftig mehr wohlwollende Aufmerksamkeit zu geben, gibt es für sie jedenfalls nicht.» (sda/it)