Das Nein zur Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» ist ein wichtiger Entscheid. Die Schweizer Stimmbevölkerung will keinen starren Bevölkerungsdeckel. Das Resultat darf aber nicht als einfache Bestätigung des Status quo gelesen werden. Viele Menschen machen sich Sorgen über Wohnraum, Lebenshaltungskosten, Verkehr, Infrastruktur und das Tempo des Wachstums. Die Sorgen müssen ernst genommen werden.
Tourismusregionen leben von Offenheit, Mobilität und internationalen Arbeitskräften. Gleichzeitig spüren sie den Druck auf Wohnraum und Infrastruktur oft unmittelbar. Wer in einer Destination arbeitet, soll dort leben können. Wer Tourismus ermöglicht, braucht Rückhalt in der Bevölkerung.
Die Politik muss bei Wohnraum, Raumplanung, Infrastruktur und Mobilität liefern.
Die Zusammenarbeit mit der EU und die Personenfreizügigkeit werden uns in
den nächsten Jahren beschäftigen. Die Abstimmung über die Bilateralen III dürfte 2028 stattfinden. Im Herbst 2027 stehen die Gesamterneuerungswahlen des nationalen Parlaments an; die Europapolitik wird wohl ein zentrales Thema sein.
Viele touristisch geprägte Gemeinden und Regionen haben die Initiative abgelehnt, so etwa Saas-Fee, Anniviers oder Val de Bagnes, aber auch Chur, Davos sowie Teile des Oberengadins und des Bündner Oberlands. Das zeigt: Wo die touristische Wertschöpfungskette täglich erlebbar ist, wird verstanden, wie eng Betriebe, Mitarbeitende, Landwirtschaft, Gewerbe, ÖV und lokale Dienstleistungen miteinander verbunden sind.
Doch es gibt Ausnahmen. Zermatt oder Leukerbad zeigen, dass selbst stark touristische Orte nicht immun sind gegenüber Wachstumsschmerzen. Das Nein ist deshalb kein Freipass, sondern ein Auftrag: Die Politik muss bei Wohnraum, Raumplanung, Infrastruktur und Mobilität liefern. Auch die Branche muss ihren Teil leisten, etwa mit einer besseren Ausschöpfung des inländischen Arbeitskräftepotenzials und einer Entwicklung, die wirtschaftlich stark, aber sozial tragfähig bleibt.
Für HotellerieSuisse ist klar: Die Branche braucht offene Arbeitsmärkte und verlässliche Beziehungen zur EU. Zugleich braucht es mehr Mut für kluge Lösungen im Umgang mit Wachstum.
Wer die bilateralen Beziehungen weiterentwickeln will, muss die Lehren aus dieser Abstimmung ziehen. Die vorhandenen Sorgen in der Bevölkerung dürfen nicht kleingeredet werden. Sie müssen mit konkreten Antworten adressiert werden.
Magdalena Glausen ist Leiterin Politik bei HotellerieSuisse.
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