Die Schweizer Hotellerie ist zwar international ausgerichtet, denkt aber doch oft erstaunlich kleinräumig. Nicht geografisch, sondern kulturell. Noch immer verlaufen viele Netzwerke, Kooperationen und auch Denkweisen entlang der Sprachgrenzen. Deutschschweiz, Romandie, Tessin: drei Märkte, die näher beieinander liegen könnten – und einander dennoch oft fern bleiben. [RELATED]

Aus eigener Erfahrung zeigt sich: Diese Trennung ist selten strategisch begründet. Sie ist geprägt von gewachsenen Strukturen und Gewohnheiten. Kontakte entstehen dort, wo man sich versteht – sprachlich und kulturell. Partnerschaften bleiben stabil, weil man sich kennt. Doch genau darin liegt das Problem: Was vertraut ist, wird selten hinterfragt.

Dabei bleibt aus meiner Sicht viel Potenzial ungenutzt. Wer sich primär in der eigenen Sprachregion bewegt, verpasst Perspektiven. Die Romandie tickt anders als die Deutschschweiz – im Gästemix, in der Positionierung, im Umgang mit internationalen Märkten. Das Tessin wiederum hat eine ganz eigene Dynamik zwischen Schweiz und Italien. Diese Unterschiede sind keine Hürde, sondern ein Lernfeld.

Die Schweizer Hotellerie ist zwar international ausgerichtet, denkt aber doch oft erstaunlich kleinräumig.

Die spannendsten Erkenntnisse entstehen oft genau dort, wo es Reibung gibt. Wenn ein Westschweizer Betrieb Vertrieb anders denkt; wenn ein Tessiner Hotel neue Wege im Gästemanagement geht; oder wenn man feststellt, dass vermeintliche Best Practices gar nicht universell funktionieren. Wer diese Vielfalt nutzt, wird besser. Nicht trotz, sondern wegen der Unterschiede. Dass selbst etablierte Kooperationen einzelne Regionen lange weniger im Fokus hatten, zeigt, wie viel Entwicklungspotenzial auch innerhalb bestehender Strukturen noch vorhanden ist.

Hinzu kommt ein ganz praktischer Aspekt: Die Nachfrage kennt keine Sprachgrenzen. Internationale Gäste bewegen sich selbstverständlich durch die ganze Schweiz – ihnen sind die Sprachgrenzen oft egal. Kooperationen, die nur regional funktionieren, greifen zu kurz. Nationale Sichtbarkeit entsteht erst dann, wenn Netzwerke auch wirklich national gedacht sind – gerade auch im internationalen Vertrieb, wo starke Standorte als Eintrittstor für weitere Regionen dienen können.

Die Herausforderung ist klar: Es braucht mehr bewusste Durchmischung. Mehr Austausch über Sprachgrenzen hinweg. Und vielleicht auch die Bereitschaft, sich in ungewohnten Kontexten zu bewegen.

Doch genau darin liegt auch die Chance: Wer beginnt, über die eigenen regionalen Grenzen hinauszudenken, erweitert nicht nur sein Netzwerk, sondern auch seine Perspektiven. Unterschiedliche Marktlogiken, neue Vertriebsansätze und andere unternehmerische Kulturen ergänzen sich – und schaffen echten Mehrwert.

Die Vielfalt der Schweizer Hotellerie wird so vom Nebeneinander zum Miteinander. Denn am Ende verbindet uns mehr, als uns trennt: ein gemeinsamer Markt, gemeinsame Gäste – und die Chance, voneinander zu lernen und gemeinsam stärker zu werden.