Es war im März 2009, als die lokalen Medien erstmals über ein geplantes «4-Sterne-Hotel unter dem Bidmi-Sternenhimmel» berichteten. Die Bidmi, eine idyllisch gelegene Alp mit Bergsee, ist als Zweig- und Mittelstation der Bergbahnen Meiringen-Hasliberg für den Wintersport ein Dreh- und Angelpunkt mit Skischulbüro, Skivermietung und Langlaufloipe. Im Sommer endet hier der beliebte Muggestutz-Wanderweg mit einem grossen Spielplatz. [RELATED]
75 Zimmer auf der Bidmi
Als Grundeigentümer hatten Fredel Abplanalp und seine zwei Brüder das Hotelprojekt lanciert. Mehr als 17 Jahre später steht auf der Bidmi noch immer kein Hotel. Das erste Projekt wurde vom kantonalen Amt für Gemeinden und Raumordnung AGR im Jahr 2013 – nach fünf Jahren Planungszeit – als «nicht genehmigungsfähig» eingestuft.
Später standen in einem langwierigen Workshopverfahren 18 Gebäudetypen zur Diskussion, von oval über rund bis rechteckig. Das aktuelle Richtprojekt sieht einen Komplex mit fünf «Baumstamm»-Gebäuden vor, insgesamt 75 Zimmer und 150 Betten.
Die Brüder Abplanalp hoffen, im Jahr 2028 das Hotelprojekt vor die Gemeindeversammlung zu bringen. Speziell am Standort Bidmi ist die Erschliessung durch die Bergbahn. «Ohne Vertrag mit den Bergbahnen hätten wir die Projektphase gar nicht einläuten können», so der inzwischen 73-jährige Fredel Abplanalp. Ausserhalb der Betriebszeiten stellt das lokale Transportunternehmen «Häsli-Taxi» die Erschliessung sicher, für das die einzige Zufahrtsstrasse exklusiv konzessioniert ist.
Schwarzwaldalp mit 18 Hotelzimmern
2028 ihren Neubau öffnen zu können, erhoffen sich Melanie und Johann Zenger vom Chalet-Hotel Schwarzwaldalp. Das heutige Chalet stammt aus dem Jahr 1950 und war ursprünglich ein Provisorium für das 1943 abgebrannte Kurhaus. Erste Projektideen für einen Ersatzbau reichen ins Jahr 1999 zurück. Ein Neubau in Chalet-Form, ähnlich dem heutigen Gebäude, war aber gemäss AGR nicht bewilligungsfähig. Auch für die Schwarzwaldalp wurden Workshops durchgeführt und zahlreiche Fachberichte eingeholt, bis das vorliegende Projekt Hand und Fuss hatte: ein einfacher Bau mit Holzverkleidung, grosszügigen Fenstern und Flachdach. Für die meist naturverbundenen Individualgäste setzt man auf der Schwarzwaldalp eher auf rustikale, zweckmässige Einrichtung denn auf Luxus.
Das Projekt mit 18 Hotelzimmern, 120 Restaurant- und ebensoviele Terrassenplätzen wurde letzten Dezember von der Gemeindeversammlung Meiringen mit grossem Mehr gutgeheissen. Nun ist der Ball für die erwartete Dauer eines Jahres wieder beim AGR.
Aufwertung des 4-Sterne-Superior-Hotels Wasserwendi
Gleich zwei Projekte sind im Dorf Hasliberg am gedeihen: Mit einem Erweiterungsbau soll das Wasserwendi-Hotel zu einem 4-Sterne-Superior-Familienhotel aufgewertet werden. Geplant sind laut VR-Präsident Jakob Zingg zudem vier bis fünf Chalets als exklusive Aktivitätsräume für Kinder vom Kindergarten- bis ins Teenageralter: Ihre Möglichkeiten in der Hotelanlage sollen von Klettern, Werken mit Holz und Metall bis zum Planschen in einer grosszügigen Wasserwelt reichen.
«Wir setzen einen starken Fokus auf erlebnisreiche Familienzeit», so Zingg. Ein Hotel dieser Art gäbe es in der Schweiz bislang bisher nicht. Derzeit wird das Detailprojekt ausgearbeitet. Eine Bauzeit von zwei bis drei Jahren wird nötig sein. Gekauft hatten die Investoren das bestehende Hotel sowie die Landreserven im Jahr 2020.
Neues 4-Sterne-Wellnesshotel in der Reuti
2018 hatten Ueli und Karin Grossmann mit der Planung ihres 4-Sterne-Wellnesshotels mit Spa und Aussenpool begonnen. Das Ehepaar, seit Jahrzehnten in der Region im Bereich Landwirtschaft und Gastronomie tätig, kaufte 2019 das Land in der Reuti gleich gegenüber der Talstation der Mägisalp-Gondelbahn. 37 Gästeeinheiten mit 70 bis 80 Betten sollen das «Balis»-Hotel dereinst bieten. Die Gemeindeversammlung hiess die Umzonung im Jahr 2023 deutlich gut. Doch auch Grossmanns kämpfen sich durch einen Dschungel an Fachberichten, Vorschriften und Bewilligungen. «Bis zur Vorprüfung gab es vom AGR nie Einwände, danach wurde es komplexer», sagt Ueli Grossmann. Derzeit warten sie darauf, dass der Kanton Bern die von der Gemeinde bereits bewilligte Umzonung ebenfalls genehmigt.
Hotelierverein Haslital unterstützt Projekte
Vier Projekte, 180 Zimmer, über 400 Betten: Im Oberhasli wird also kräftig in die Hotellerie investiert. «Es sind tolle Ideen, und ich hoffe, dass jedes einzelne Projekt zum Fliegen kommt», sagt Franziska Anderegg, Präsidentin des Hoteliervereins Haslital. «Die neuen Hotels werden unserer Region einen Schub geben.»
Nicht der Hotelier von nebenan sei die grösste Konkurrenz eines Hotelbetriebs, sondern Ferienwohnungen und insbesondere Airbnb-Wohnungen. Hotelbetten gäbe es in der Destination grundsätzlich zu wenig. «Deshalb ist eine solche Erneuerung wichtig.»
Anderegg freut sich über die Diversifikation der Projekte; «sie ergänzen sich perfekt.» Ein Antrieb für den Massentourismus sei deswegen nicht zu befürchten. «Auf der Bidmi ist dies schon nur aufgrund der Zufahrtsbedingungen kein Thema. Die Schwarzwaldalp wird mit 18 Zimmern ein Kleinbetrieb.» Die Wasserwendi werde eher eine Familienhochburg statt ein Massenanziehungspunkt. «Der Standort gleich gegenüber dem Reka-Feriendorf ist natürlich ideal.» Und das Balis-Hotel in Hasliberg-Reuti setze mit seinem Wellness-Angebot mehr auf Individualgäste.