Bardhyl Coli, Sie sind seit einem halben Jahr General Manager im Cresta Palace Celerina. Wie haben Sie diese erste Phase erlebt?
Intensiv und sehr lehrreich. Ein Haus wie das Cresta Palace bringt viel Geschichte mit, dazu klare Gästeerwartungen und gleichzeitig grosses Potenzial. Mir war wichtig, zuerst zuzuhören, das Team kennenzulernen und die Abläufe zu verstehen. Jetzt geht es darum, Schwerpunkte zu setzen, etwa bei der Positionierung, bei den Märkten und in der Führung.
Welche Themen haben Sie in diesen ersten sechs Monaten besonders beschäftigt?
Zwei grosse Bereiche. Einerseits der Gästemix mit der Frage, wie wir uns saisonal und international weiterentwickeln. Andererseits die interne Organisation. Ein Betrieb funktioniert nur, wenn Prozesse klar sind und die Mitarbeitenden wissen, wofür sie arbeiten.
Lassen Sie uns bei den Mitarbeitenden bleiben. Sie führen ein vergleichsweise junges Team. Wie jung ist es?
Ich kenne den exakten Altersdurchschnitt nicht, schätze ihn aber auf 30 Jahre. Es ist wie bei einer Fussballnationalmannschaft, die Mischung macht es aus: Wir haben erfahrene Teammitglieder, etwa den Küchenchef, der 35 Jahre Berufserfahrung mitbringt, und wir haben viele junge Personen, darunter auch einen Lernenden.
Wie ist dieses Team entstanden?
Viel läuft über Empfehlungen. Das zeigt, dass Atmosphäre und Vertrauen stimmen. Wenn Mitarbeitende andere zu uns holen, ist das für mich ein grosses Kompliment.
Wir können die Mitarbeitenden in einer wichtigen Phase als Mentoren begleiten.
Was ist die Chance eines jungen Teams?
Wir können die Mitarbeitenden in einer wichtigen Phase als Mentoren begleiten. Wir geben ihnen eine Balance zwischen Arbeit, Freizeit und Familie. Vor allem aber bieten wir den jungen Menschen eine Vision, die Orientierung schaffen kann.
Und wo liegen die Risiken?
Bei jungen Menschen kann sich die Lebenssituation ändern. Heute bleibt kaum jemand mehr zehn Jahre im Betrieb. Das muss man akzeptieren, ohne es persönlich zu nehmen.
Was ist Ihr persönliches Ziel in der Mitarbeiterführung?
Ich möchte verstehen, weshalb jemand geht. Vielleicht ist der Grund privat. Manche möchten einen neuen Betrieb kennenlernen. Manchmal liegt es auch an uns: Deswegen fragen wir in den Austrittsgesprächen konkret, was wir besser machen können. Wir wollen aus Fehlern lernen. Wir geben ihnen auf jeden Fall mit, sich zu melden, sobald sie wieder ins Engadin zurückwollen.
Diese Fragen würde Bardhyl Coli drei Fussballegenden stellen:
Coli kommt selbst aus dem Fussball. Er spielte im Nachwuchs der Grasshoppers und nutzt sportliche Bilder bewusst in der Mitarbeiterführung. Einen Service vergleicht er mit einem Match: Vorbereitung, Taktik, Einsatz, Verlängerung und gemeinsame Analyse nach dem Spiel.
Diego Maradona
Sie waren beim Spiel 1986 in Mexiko auf dem Höhepunkt. Was ging Ihnen nach dem Spiel gegen England in der Kabine durch den Kopf?
Lionel Messi
Sie könnten längst aufhören. Was treibt Sie an, jeden Tag weiter zu trainieren und sich dieser Belastung auszusetzen?
Kylian Mbappé
Ihre Schnelligkeit wirkt fast unreal. Wie schaffen Sie es, so schnell zu sein?
Gibt es Mitarbeitende, die zurückkehren?
Ja. Deshalb versuchen wir, mit den Ehemaligen in Kontakt zu bleiben. Manche klopfen nach einer Auszeit wieder an, dann sollen unsere Türen offenstehen.
Themenwechsel: Erinnern Sie sich an das klassische Qualifikationsgespräch der Nullerjahre?
Ja, klar. Weder Name noch Kadenz sind heute zeitgemäss.
Wie führen Sie Mitarbeitergespräche heute?
Wir setzen auf regelmässige Feedback-Gespräche, idealerweise monatlich. Sie dauern 30 bis 45 Minuten. Dabei klären wir gegenseitige Erwartungen. Das erhöht die Zufriedenheit der Mitarbeitenden und wirkt sich direkt auf die Qualität im Haus aus.
In diesem Zusammenhang wird oft über neue Technologien gesprochen. Graubünden lancierte vor zwei Monaten die App Jobmatch, bei der sich Stellensuchende und Arbeitgeber wie auf einer Dating-Plattform liken oder wegwischen können. Sind Sie ebenfalls Teil der Pilotgruppe?
Wir sind grundsätzlich immer für Pilotprojekte zu haben. Aber diesmal konnten wir die Ressourcen dafür leider nicht aufbringen.
Die App basiert auf Künstlicher Intelligenz. Welche Rolle spielt KI bei Ihnen im Führungsalltag?
KI kann hilfreich sein. Nicht als Ersatz für Menschen, sondern als Tool, um professioneller zu werden, etwa im Bewerbungsprozess.
Was heisst das konkret?
KI kann Rückmeldungen vorbereiten, Bewerbungen strukturieren und Terminvorschläge machen. Das entlastet administrativ.
Stichwort Datenschutz: Bei vielen läuten hier die Alarmglocken.
Zu Recht. Deshalb setzen wir KI aktuell noch nicht ein. Sobald wir Inhouse einen geschützten Bereich aufgebaut haben, in dem die Daten im Unternehmen bleiben, können wir damit arbeiten.
Haben Sie Sorge, dass Auswahlprozesse unpersönlich werden?
Es ist wichtig, dass die Entscheidung beim Menschen bleibt. KI hilft jedoch, faktenbasierter vorzuselektieren, etwa bei komplexen Rollenprofilen. Sie lässt sich weniger von Äusserlichkeiten leiten. Für mich bedeutet das: weniger Administration, mehr Zeit für das Gespräch.
Ihr Blick auf Führung ist stark wertebasiert. Welche Rolle spielen dabei Ihre albanischen Wurzeln?
Albanien hat mich geprägt. Gastfreundschaft ist dort tief verankert, sie gehört zur Kultur. Man wächst mit dem Anspruch auf, Gäste ernst zu nehmen und Verantwortung zu übernehmen. Diese Haltung trage ich bis heute mit mir, auch wenn mein beruflicher Weg klar in der Schweiz verankert ist.
Ich unterstütze unter anderem die EHL Hospitality Business School Albania Programme, die jungen Menschen im Gastgewerbe eine fundierte Ausbildung nach Schweizer Standards ermöglicht.
Sie engagieren sich in ihrem Heimatland. Worum geht es Ihnen dabei konkret?
Bei meinem Engagement möchte ich etwas zurückgeben. Wenn ich mit Erfahrung, Kontakten oder Zeit dazu beitragen kann, Perspektiven zu schaffen und Qualität aufzubauen, mache ich das sehr gerne. Konkret unterstütze ich unter anderem die Programme der EHL Hospitality Business School Albania, die jungen Menschen im Gastgewerbe eine fundierte Ausbildung nach Schweizer Standards ermöglicht. Albanien hat grosses Potenzial im Tourismus, gleichzeitig fehlt es oft an Struktur und Know-how.
Von den Mitarbeitenden zu den Gästen: Wie hoch ist der Anteil an Schweizer Gästen im Cresta Palace?
Etwa die Hälfte unserer Gäste stammt aus der Schweiz.
Bis zum Frankenschock 2015 war Deutschland für Graubünden ein zentraler Markt. Wie schätzen Sie ihn heute ein?
Er bleibt mit 15 bis 18 Prozent Marktanteil für uns wichtig. Natürlich gab es durch die Aufwertung des Frankens einen starken Effekt auf den Wechselkurs. Aber auch Deutschland ist inzwischen teurer geworden und die Unterschiede sind nicht mehr so gross, wie manche glauben. Für uns heisst das, wir müssen mehr Argumente und Erlebnisse liefern, damit sich Gäste aus Deutschland für uns entscheiden.
Welche weiteren Märkte sind für Sie wichtig?
Es folgen Italien mit rund 15 Prozent und die USA mit rund 8 Prozent. Danach folgen England, Benelux und GCC.
Sie erwähnen die Golfstaaten. Mit dem Blick nach Interlaken kann dieser Markt für Spannungen sorgen. Weshalb ist er für Sie trotzdem relevant?
Wir richten uns nicht auf eine einzige Zielgruppe aus. Es soll immer ein guter Mix verschiedener Herkunftsländer bleiben. Aber wenn man einmal die Hitze des Sommers in den Golfstaaten erlebt hat, versteht man, weshalb Berge und Natur attraktiv sind.
Welche Rolle spielt die Kaufkraft?
Sie spielt vor allem im Winter eine Rolle, wenn die Preise unserer grossen Suiten steigen.
Wie beurteilen Sie die aktuelle Tourismusstrategie rund um die Saisonverlängerung?
Ich halte die Stossrichtung für gut, den Herbst stärker zu positionieren. Die Schliessung eines Hotels kostet nämlich extrem viel Geld und Ressourcen. Man verliert den Rhythmus und auch Mitarbeitende. Deshalb ist Saisonverlängerung wichtig. Aber: Es braucht ein gemeinsames Mindset über die ganze Dienstleistungskette hinweg.
Ihr Haus schliesst im Herbst für einige Wochen. Wird das so bleiben?
Aktuell schliessen wir nach der dritten Oktoberwoche und öffnen Ende November wieder. Der Wunsch ist, diese Phase künftig zu verkürzen.
Zum Schluss eine persönliche Frage. Haben Sie Neujahrsvorsätze?
Eigentlich nicht. Ich versuche, das Jahr gut zu meistern. Aber wenn es einer sein muss, dann drei Tage mehr Ski fahren als letztes Jahr. Dieses Jahr will ich die Zehn-Tage-Marke knacken.
Von der Basis an die Spitze
Bardhyl Coli ist seit Juni General Manager des Cresta Palace Celerina. Der Hotelier bringt langjährige Erfahrung aus der Schweizer Spitzenhotellerie mit und verbindet operative Bodenhaftung mit unternehmerischem Denken. Er leitete während sieben Jahren das 5-Sterne-Hotel Arosa Kulm Hotel & Alpin Spa. Parallel baute er eigene Konzepte auf, darunter die Gubelhof Suites und das Kaffee Frech in Zug sowie das digital geführte Boutique Hostel The Lubo in Luzern. Seine Laufbahn begann mit der Ausbildung zum Servicefachmann und Koch. Weiterhin engagiert er sich in Albanien im Rahmen der EHL Hospitality Business School Albania Programme.
EHL Education Consulting: Albanian Hopitality-Tourism School
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