Raymond Hunziker, Sie haben Luzern nach drei Jahrzehnten verlassen, um in Basel wieder ganz operativ tätig zu sein. Was gab den entscheidenden Ausschlag für diesen Wechsel zurück in die Heimat und an die Front?

Ich  wollte wieder ganz nah am Gast und am Team sein. In Luzern habe ich mehrere Betriebe betreut und war stark in der strategischen Ausrichtung der Tavolago AG engagiert. Das hat mir grosse Freude bereitet. Ich war jedoch kaum mehr operativ tätig und suchte wieder einen Betrieb mit einer tief verwurzelten Kultur und Werten. Der Teufelhof mit seiner Geschichte und seiner Seele hat mich sofort gereizt.

Wenn man links oben an einer Schraube dreht, hat das Auswirkungen auf rechts unten.

Der «Teufelhof» erreichte letztes Jahr eine Auslastung von 85 Prozent. Das ist im Basler Markt ein sehr starker Wert. Wo gibt es trotzdem Verbesserungsbedarf?

In Basel ist die Auslastung heute weniger das Problem. Vielmehr müssen wir an der Verbesserung des Revenue per Available Room arbeiten. Nichts wird günstiger: weder der Strom noch die Personalkosten. Diese 85 Prozent sind kein Ruhekissen, sondern die Basis.

Ist die Preisschraube damit die einzige Möglichkeit, um die Marge zu erhöhen?

Nein, der Preis allein kann es nicht richten, auch wenn wir die Wertigkeit unserer Leistung abbilden müssen. Unser Ansatz ist die Optimierung der Prozesse. Wir suchen nach kleinen Verbesserungen, die in der Summe die Effizienz steigern. Zudem liegt eine riesige Chance in unseren Gästedaten, um Streuverluste zu minimieren und die Kundenbindung zu erhöhen.

Wenn man als neuer Direktor ein geschichtsträchtiges Haus übernimmt: Wo setzen Sie bei Veränderungen an, ohne Stammgäste und Mitarbeitende vor den Kopf zu stossen?

Man muss sehr behutsam vorgehen. Der «Teufelhof» ist ein Mikrokosmos, in dem alles voneinander abhängt: Wenn man links oben an einer Schraube dreht, hat das Auswirkungen auf rechts unten. Ich verbringe viel Zeit damit, zuzuhören, um die Prozesse zu verstehen. Oft genügt der Blick von aussen, die richtigen Fragen und ein paar Inputs, um für ein bestehendes Problem eine Lösung zu finden.

Sie verzichten auf eine eigene Sales-Abteilung. Wie stellen Sie sicher, dass Sie in einem dynamischen Markt wie Basel nicht den Anschluss verlieren? 

Wir arbeiten sehr eng mit Basel Tourismus zusammen. Doch unsere grösste Chance liegt tatsächlich in den eigenen Daten. Da bin ich selbstkritisch: Unser PMS (Property Management System) ist in die Jahre gekommen. Es kann das Potenzial unserer Stammgäste noch nicht so gezielt nutzen, wie wir es möchten. Mit einem neuen System könnten wir deutlich präziser kommunizieren und Gäste individueller über ihre Vorlieben ansprechen – etwa wenn wir wissen, dass jemand für Ausstellungen in einem bestimmten Museum anreist.

In der Gastronomie steht ein Umbruch bevor: Michael Baader geht nach 37 Jahren in Pension. Wie viel «Revolution» vertragen die Restaurants Bel Etage und Atelier?

Ich nenne es Evolution, nicht Revolution. Wir nutzen diesen Moment, um alle Restaurantkonzepte zu überarbeiten. Ziel ist eine Verjüngung der Gästestruktur: Wir wollen, dass die Baslerinnen und Basler unsere Restaurants wieder neu für sich entdecken. Erste Impulse wollen wir bereits diesen Herbst setzen.

Während andere Hotels ihre Restaurants schliessen, investieren Sie weiter in diesen Bereich. Ist dieses Modell angesichts der «10-Millionen-Schweiz» und des Fachkräftemangels langfristig tragfähig?

Ohne Gastronomie würde der «Teufelhof» seine Identität verlieren. Durch den Kontakt mit den Mitarbeitenden und den Basler Gästen fühlen sich auch die Hotelgäste ein wenig zu Hause. 

Unsere Stärke sind die archäologischen Wände, Nischen und Säulen. 

Sie möchte mehr Seminargäste ansprechen. Können Ihre Infrastrukturen mit Hightech-Seminarhotels mithalten?

Im Gegenteil. Wer drei Beamer auf Knopfdruck sucht, ist bei uns falsch. Unsere Stärke sind die archäologischen Wände, Nischen und Säulen. Wir müssen diese Besonderheiten noch mutiger inszenieren. Denn: Seminare können auch mal in einem unkonventionellen Set-up an der Bar oder im Gourmet-Restaurant stattfinden.

Sie waren in Luzern ein profilierter Verbandsvertreter. Wie schnell werden wir Sie in den Gremien der Basler Hotellerie sehen?

 Zuerst möchte ich hier im «Teufelhof» meine Aufgaben erfüllen. Aber wenn es sich ergibt, bin ich gerne bereit, mich auch in Basel wieder in Projekten oder Gremien einzubringen. Entsprechende Gespräche habe ich mit meinem Arbeitgeber Raphael Wyniger bereits geführt.

 

Zur Person
Raymond Hunziker ist seit Januar 2026 Direktor des Gast- und Kulturhauses Der Teufelhof Basel mit seinen beiden Hotels «Kunsthotel» und «Galeriehotel» sowie dem 4-Sterne-Hotel SET mit insgesamt 69 Zimmern. Zuvor war er während 17 Jahren in der Zentralschweizer Hotellerie und Gastronomie tätig. Unter anderem war er Präsident des Regionalverbands Zentralschweiz und Luzern Hotels, Leiter Gastronomie «Zu Land» bei der Tavolago AG sowie Direktor des damaligen Hotels Palace Luzern. Vorherige Führungsstationen führten ihn ins Widder Hotel Zürich und zur Neueröffnung des damaligen «Ramada Plaza Basel». Hunziker gilt als erfahrener Netzwerker und Verfechter einer werteorientierten Führung, die den Menschen – ob Gast oder Mitarbeitende – konsequent ins Zentrum stellt. 


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