Rund 40 Fachleute aus Tourismus, Hotellerie, Architektur, Planung, Gemeinden und Baugewerbe haben sich am 22. Oktober auf dem Harder Kulm zum ersten Runden Tisch «Baukultur und Tourismus im Berner Oberland» getroffen. Die Veranstaltung markierte den öffentlichen Auftakt eines Projekts, das den Austausch zwischen den unterschiedlichen Interessengruppen fördern soll.
Hintergrund ist der zunehmende Entwicklungsdruck in Teilen des Berner Oberlands. Die touristische Nachfrage ist in einigen Tälern stark gestiegen, neue Infrastrukturprojekte kommen hinzu. Gleichzeitig steigen die Bau- und Wohnkosten. Laut Projektverantwortlichen führen unterschiedliche Interessen zwischen Tourismus und Baukultur dazu, dass Vorhaben verzögert oder blockiert werden.
Vorarlberg zeigt das touristische Potenzial
Als Beispiel für die Verbindung von Architektur und Tourismus diente die österreichische Region Vorarlberg. Dort ist Baukultur seit Jahrzehnten Bestandteil der touristischen Positionierung. Gemäss den am Anlass präsentierten Zahlen nennen 26 Prozent der Gäste Ortsbild und Architektur als entscheidenden Grund für ihre Destinationswahl. Bei konkurrierenden Reisezielen liegt dieser Anteil bei 15 Prozent.
Marina Hämmerle, ehemalige Direktorin des Vorarlberger Architektur Instituts, und Christian Schützinger, Geschäftsführer von Vorarlberg Tourismus, stellten entsprechende Projekte vor. Dazu zählen das Werkraumhaus in Andelsbuch und die von internationalen Architekturbüros gestalteten Bushaltestellen in Krumbach.
Erste Massnahmen bis Frühjahr 2027
In gemischten Arbeitsgruppen diskutierten die Teilnehmenden über Konflikte und mögliche Verbesserungen im Berner Oberland. Als Erfolgsfaktoren nannten sie unter anderem ein gemeinsames Verständnis der regionalen Identität und breit abgestützte Planungsprozesse. Konflikte sahen sie insbesondere bei hohen Kosten, der Beteiligung ausländischer Investoren und Projekten, die auf rasches Wachstum ausgerichtet sind.
Die Projektgruppe will die Ergebnisse nun auswerten und bis im Frühjahr 2027 erste konkrete Massnahmen ableiten. Das Vorhaben wird von der IG Baukultur, den Destinationen Gstaad und Jungfrau Region sowie der Volkswirtschaft Berner Oberland getragen. Bund und Kanton unterstützen es im Rahmen der Neuen Regionalpolitik (NRP). (mm)
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