Damian Constantin, wo und warum besteht Handlungsbedarf in Sachen Tourismusakzeptanz in den Destinationen?
Überall dort, wo Tourismus im Alltag konkret spürbar wird: bei hoher Auslastung, bei Nutzungskonflikten im öffentlichen Raum oder wenn die Erwartungen von Gästen und Bevölkerung auseinanderdriften. Gleichzeitig bleibt Tourismus ein zentraler wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Pfeiler vieler Regionen. Dieses Spannungsfeld müssen wir aktiv positiv beeinflussen. Tourismusakzeptanz entsteht nicht von selbst. Sie ist das Ergebnis einer bewussten, gemeinsamen Gestaltung mit allen Anspruchsgruppen.
Wo bringt die Branchen-Toolbox gegenüber bestehenden Instrumenten zusätzlichen Nutzen?
Die Branchen-Toolbox bündelt Bestehendes und übersetzt es in ein klar strukturiertes, praxistaugliches Arbeitsinstrument. Statt nur Orientierung zu bieten, zeigt sie konkret, wie gehandelt werden kann – mit Checklisten, Praxisbeispielen und klaren Schritt-für-Schritt-Ansätzen. Gleichzeitig fördert sie den Austausch innerhalb der Branche, indem sie die Vernetzung gezielt erleichtert. Durch die Einbindung beim Kompetenzzentrum Nachhaltigkeit (KONA) des STV wird die Toolbox breit verfügbar und Synergien im Schweizer Tourismus können gezielt genutzt werden.
Wo Belastungsgrenzen erreicht werden, braucht es Klarheit.
Braucht es in manchen Destinationen auch klare Grenzen und Steuerung?
Verständnis und Beteiligung sind zentral, aber sie ersetzen keine Steuerung. Dort, wo Belastungsgrenzen erreicht werden, braucht es klare Rahmenbedingungen und auch verbindliche Entscheidungen. Genau hier ist Führung gefragt. Die Toolbox unterstützt nicht nur den Dialog, sondern hilft auch dabei, solche Massnahmen zu antizipieren, fundiert zu entwickeln und wirksam umzusetzen.
Wie realistisch ist die Umsetzung, besonders in Destinationen mit begrenzten Ressourcen?
Die Umsetzung ist bewusst pragmatisch gedacht und gerade auch für kleinere Destinationen mit begrenzten Ressourcen oder auch für einzelne Leistungsträger. Die Toolbox ist modular aufgebaut und flexibel einsetzbar. Es geht nicht darum, alles auf einmal umzusetzen, sondern gezielt dort anzusetzen, wo der Handlungsbedarf am grössten ist. Entscheidend ist: Die Inhalte sind niederschwellig, praxisnah und direkt anwendbar. Die Beispiele stammen aus unterschiedlichsten Destinationen – in der Schweiz wie auch international. Das macht die Toolbox zu einem konkreten Arbeitsinstrument, das im Alltag funktioniert.
Wo liegen die blinden Flecken im Umgang mit der Bevölkerung im Tourismus?
Die Perspektive der lokalen Bevölkerung wird oft zu wenig systematisch einbezogen. Häufig wird erst reagiert, wenn Spannungen bereits sichtbar und spürbar sind. Zudem wird Kommunikation oft einseitig gedacht statt als Dialog. Die Toolbox setzt früher an: Sie unterstützt Destinationen dabei, Stimmungen, Erwartungen und mögliche Konfliktfelder frühzeitig zu erkennen und in den Dialog zu treten, bevor sich Probleme verfestigen.
Woran zeigt sich, ob sich das Verhältnis zwischen Tourismus und Bevölkerung verbessert?
Tourismusakzeptanz lässt sich nicht isoliert messen. Entscheidend sind mehrere Indikatoren: Wie wird Tourismus in der Bevölkerung wahrgenommen? Gibt es Konflikte? Und vor allem: Ist die Bereitschaft da, den Tourismus mitzutragen? Am Ende zeigt sich der Erfolg daran, ob Tourismus als selbstverständlicher Teil der lokalen Wertschöpfung und des Alltags akzeptiert ist.
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