In der Stadt Luzern soll die Zahl der Hotelbetten künftig nicht mehr wachsen dürfen. Dies fordert die Volksinitiative «Luzerner Tourismus in Balance», die im Mai mit 986 Unterschriften eingereicht wurde. Erstmals in der Schweiz soll die Gesamtzahl der bewilligten Hotelbetten plafoniert werden. Für jede Hotelkategorie würde eine Obergrenze gelten. Neue Hotels könnten nur eröffnet werden, wenn an anderer Stelle Betten derselben Kategorie wegfallen.
Hinter der Initiative steht die rot-grüne IG Nachhaltiger Tourismus. Sie begründet ihren Vorstoss mit dem starken Wachstum des Tourismus. Die Stadt Luzern verzeichnete 2025 rund 1,49 Millionen Logiernächte – ein Plus von 5,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. [RELATED]
Vorbild Amsterdam
Die Initianten orientieren sich am Beispiel Amsterdam. Die niederländische Metropole bewilligt seit 2024 keine neuen Hotels mehr und erlaubt auch keine Erweiterungen bestehender Betriebe. Aus Sicht der IG Nachhaltiger Tourismus soll ein ähnliches Modell dazu beitragen, Nutzungskonflikte in Luzern zu entschärfen.
SP-Nationalrat David Roth, Mitinitiant IG Nachhaltiger Tourismus, argumentiert, dass der Tourismus zunehmend mit dem angespannten Wohnungsmarkt konkurriere. Das bisherige Reglement zur Kurzzeitvermietung könne durch Self-Check-in-Hotels umgangen werden. Statt auf weiteres Wachstum zu setzen, fordern die Initianten von «Luzerner Tourismus in Balance» einen qualitativ hochwertigen Tourismus. Neue Hotels sollen der Bevölkerung und Quartieren einen Mehrwert bringen müssen.
Branche kritisiert Plafond
Ferdinand Zehnder, Präsident des «Tourismus Forum Luzern» und Mitte-Kantonsrat, gibt der von der Initiative geforderten Regelung nur kleine Erfolgschancen. Zu Amsterdam erklärt er, dass dort trotz der geltenden Beschränkung im letzten Jahr 22 Millionen Logiernächte gezählt worden seien. Dies seien deutlich mehr als der festgelegte Plafond von 20 Millionen.
Zehnder sieht die Probleme eher bei den Tagestouristen als bei den Hotelgästen, welche einen grösseren Mehrwert generierten. Von einer Obergrenze für die Zahl der Hotelbetten erwartet er unerwünschte Auswirkungen. Die Probleme könnten sich Richtung Airbnb und in die umliegenden Gemeinden verlagern, erklärt er. Dies könnte auch Renovationen in Luzerner Hotels bremsen.
Die Hotels in der Stadt Luzern waren 2025 zu 69 Prozent ausgelastet. Die Branche habe somit kein Kapazitätsproblem, sondern ein Verteilungsproblem, erklärt der frühere Hotelier Zehnder. Er verteidigt die Strategie von Luzern Tourismus, die nicht auf Wachstum, sondern auf Qualität abziele und eine bessere Verteilung des Fremdenverkehrs auf das ganze Jahr anstrebe. (keystone-sda)