Der zunehmende Anpassungsdruck durch veränderte klimatische Bedingungen stellt alpine Destinationen vor grundlegende strategische Fragen. An der öffentlichen Informationsveranstaltung «Gesprächsstoff 2026 Late Night Lenzerheide» kamen am 14. Januar 2026 über 200 Gäste aus Tourismus, Marketing, Bergbahnen, Politik und Wirtschaft zusammen, um mögliche Wege und konkrete Handlungsansätze zu diskutieren.
Klimadaten als strategische Grundlage
Einen zentralen Impuls lieferte Reto Knutti, Professor für Klimaphysik an der ETH Zürich. In seinem Referat «Lenzerheide gegen die Klima-Uhr» zeigte er anhand aktueller Daten, wie sich Schneesicherheit, Saisondauer und touristische Rahmenbedingungen in den Alpen verändern. Seit 1960 hat die natürliche Schneemenge in tieferen Lagen um rund 40 Prozent abgenommen. Bis 2050 steigt die Höhenlage mit verlässlicher Schneesicherheit um weitere rund 200 Höhenmeter.
Wintertourismus unter neuen Vorzeichen
Während tief gelegene Skigebiete besonders unter Druck geraten, bleiben höhere Lagen langfristig wintersporttauglich. Investitionen in den Wintertourismus seien deshalb dort sinnvoll, wo sie datenbasiert und langfristig abgesichert seien. Knutti verwies auch auf die wachsende Bedeutung technischer Beschneiung, betonte jedoch deren Grenzen angesichts kürzerer Kältefenster und steigender Kosten.
Chancen ausserhalb der Wintersaison
Gleichzeitig eröffnen sich Chancen im Sommer und in den Zwischensaisons. Die Nachfrage nach kühleren Reisezielen nimmt zu, ein breiteres Angebot kann die Auslastung über das Jahr hinweg stabilisieren.
Positionierung als Ganzjahresdestination
Diese Erkenntnisse bildeten die Grundlage für die strategische Diskussion zur Weiterentwicklung von Lenzerheide als Ganzjahresdestination. Marc Schlüssel, CEO der Lenzerheide Marketing und Support AG, sagte: «Der Winter bleibt unser wirtschaftliches Rückgrat. Gleichzeitig müssen wir Sommer, Herbst und Zwischensaisons gezielt weiterentwickeln mit klaren Produkten und ehrlicher Kommunikation.»
Nachhaltigkeit mit messbarem Impact
Anschliessend stellte Marco Vögeli unter dem Titel «Future Lenzerheide» konkrete Initiativen vor, darunter den neu gegründeten Lenzerheide Future Fonds. Die gemeinsame Initiative der Lenzerheide Bergbahnen AG, der LMS AG sowie der Gemeinden Vaz Obervaz und Churwalden will lokal wirksame Nachhaltigkeitsprojekte mit messbarem Impact fördern.
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Blick zurück und nach vorn
Weitere Programmpunkte waren ein Rückblick auf das Tourismusjahr 2025, ein Kurzinterview mit Nino Schurter, Einblicke in die ersten 100 Tage der neuen Bergbahnführung sowie Ausblicke auf Projekte und Events 2026. Moderiert wurde der Abend von Stefan Büsser, der Fachlichkeit und Unterhaltung verband.
Daten als Schlüssel zur Zukunft
Die Late Night Lenzerheide zeigte deutlich, dass zukunftsfähiger alpiner Tourismus belastbare Daten, klare Strategien und den frühzeitigen Einbezug aller Akteure braucht. (mm)