Der Klimawandel wird den Wintertourismus und die Skination Schweiz in den kommenden 25 Jahren spürbar prägen. Und doch bleibt klar: Die Alpen behalten ihre Attraktivität, Schnee wird es auch in 25 Jahren noch geben, und der Wintertourismus hat Zukunft. [RELATED]

Allerdings werden die Perioden mit kompakter Schneedecke kürzer. Die Schneesicherheit hängt künftig noch stärker von Exposition, Höhenlage und regionalen Wetterphänomenen ab. Pauschale Aussagen für Gebiete unter 1500 m ü. M. sind daher kaum möglich. Genau hier setzt der «Kompass Schnee» an, der wissenschaftlich fundiert aufzeigt, wie sich natürliche und technische Schneeproduktion regional entwickeln und welche Voraussetzungen für eine nachhaltige Beschneiung künftig gegeben sind.

Ziel des «Kompass Schnee» ist es nicht, die Destinationen in einem Ampelsystem zu kategorisieren, sondern verlässliche Grundlagen für strategische Entscheidungen zu liefern. Die künftige Schneeentwicklung bildet einen wesentlichen Bestandteil einer ganzheitlichen Destinationsstrategie – und zeigt zugleich auf, wie stark eine Region vom Schnee abhängt und in welchem Umfang neue Geschäftsmodelle entwickelt werden sollten.

Für alle alpinen Destinationen gilt: Sie müssen sich vertieft mit diesen Entwicklungen befassen, die Auswirkungen realistisch einschätzen und entsprechende Anpassungsstrategien definieren. Crans-Montana zeigt exemplarisch, wie dies aussehen kann. Die Destination verfügt dank eines Skigebiets bis 3000 m ü. M. über eine hohe Schneesicherheit. Dennoch arbeitet sie seit Jahren konsequent an einer breiten Diversifizierung. Dazu gehören neue Geschäftsfelder jenseits des Schnees, Investitionen in die technische Beschneiung sowie die Entwicklung von Wintererlebnissen, die weniger stark vom Schnee abhängen. Der «Kompass Schnee» liefert hierfür Anhaltspunkte und Best-Practice-Beispiele, die Destinationen als Inspiration nutzen können.

Alpine Destinationen müssen Anpassungsstrategien definieren.

Am Beispiel Crans-Montana wird deutlich, wie wichtig ein effizienter Umgang mit Schnee ist: Abfahrten ins Dorf werden auch künftig möglich sein. Voraussetzung dafür sind leistungsfähige Systeme, ausreichende Ressourcen und die Fähigkeit, in kürzeren Zeitfenstern technisch Schnee zu produzieren. Parallel dazu baut Crans-Montana schneearme und schneefreie Winterangebote aus – etwa den Laternenweg, kulturelle Formate sowie Aktivitäten in anderen Wirtschaftszweigen. Solche Angebote stärken die Resilienz und schaffen attraktive Alternativen in schneearmen Perioden.

Grundsätzlich empfiehlt es sich für alle Destinationen, ihr Angebotsportfolio zu verbreitern. Die Monate ohne Schnee bergen enormes Potenzial, und die Nachfrage nach Bergfrische im Sommer wird durch die Klima­erwärmung weiter steigen.

Bruno Huggler ist Direktor von Crans-Montana Tourismus und Kongress und Präsident des Verbands Schweizer Tourismusmanager:innen.