Die Lage im internationalen Flugverkehr hat sich für den Schweizer Tourismus deutlich verschärft. Inzwischen wurden mehr als 20 000 Flüge annulliert. In einem LinkedIn Beitrag spricht Martin Nydegger, Direktor von Schweiz Tourismus, von der «schwersten Störung des Flugverkehrs im Mittleren Osten seit der Pandemie».[RELATED]

Die Folgen sind weltweit spürbar. In Nahost, Asien und Europa sitzen derzeit Hunderttausende Reisende in Hotels, an Flughäfen oder auf Kreuzfahrtschiffen fest. Besonders betroffen sind Reiserouten, die über wichtige Drehkreuze im Golfraum führen.

Beispiel aus der Zentralschweiz
Wie stark einzelne Betriebe betroffen sind, zeigt ein Fall aus dem Kanton Schwyz. Stojan Stevanovic, Inhaber des City Hotel Brunnen und des Seehotel Helvetia in Seewen, berichtet gegenüber Tele1 von einem «Totalausfall».

Seine mehr als 100 Zimmer seien normalerweise zu rund 85 Prozent an chinesische Reiseveranstalter vermietet. Wegen gestrichener Flugrouten über den Iran und gesperrter Ausweichrouten über Sibirien seien zahlreiche Buchungen annulliert worden. Stevanovic prüft deshalb Kurzarbeit für seine 32 Mitarbeitenden.

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Giacomo Garaventa, Verwaltungsratspräsident von Schwyz Tourismus, relativiert jedoch die Situation. Schweizer Gäste und Tagestouristen machten rund 70 Prozent der Nachfrage im Kanton aus. Für viele Betriebe bleibe die Lage deshalb stabil.

Gäste mit Budget aus dem Golf
Die neuen Zahlen des Bundesamtes für Statistik zeigen zugleich, weshalb der Ausfall einzelner Fernmärkte für die Branche besonders schmerzhaft ist.

Im Jahr 2025 wurden in der Schweiz 813'700 Hotellogiernächte von Gästen aus den Golfstaaten registriert. Mit durchschnittlichen Tagesausgaben von rund 400 Franken gehören sie zu den kaufkräftigsten Besuchenden. Der Durchschnitt aller internationalen Gäste liegt bei 187 Franken.

Ein Drittel dieser Gäste übernachtet in einem 5-Sterne-Hotel, weshalb insbesondere die Luxushotellerie betroffen sein dürfte.

Trend zu Reisen in der Nähe
An der Tourismusmesse ITB Berlin mehren sich zudem Hinweise auf einen strukturellen Wandel im Reiseverhalten. Asiatische Gäste planen wegen der aktuellen Unsicherheit vermehrt Reisen innerhalb ihrer eigenen Region. In der Branche wird dieser Trend als Nearshoring bezeichnet.

Auch innerhalb Europas steigt das Interesse an Ferien in geografischer Nähe, schreibt Nydegger. Für die Schweizer Hotellerie bedeutet dies eine mögliche Verschiebung der Nachfrage weg von Fernmärkten hin zu regionalen Gästen.

Schweiz Tourismus verweist gleichzeitig auf die breite internationale Präsenz der Schweiz. Dank Aktivitäten in 21 Märkten könne die Nachfrage flexibler gesteuert werden. Die Marktbeobachtung wurde laut Nydegger intensiviert, um Marketingmassnahmen laufend an die dynamische Lage anzupassen.