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Dossier: Impressionen aus 130 Jahren
Nachbau eines Fotoateliers um 1900 mit verschiedenen Apparaten im Braunschweigischen Landesmuseum.
Bild: Wikimedia/Ziko van Dijk

Dossier: Impressionen aus 130 Jahren

130 Jahre htr hotel revue

Die htr hotel revue feiert ihren 130. Geburtstag. Zum Jubiläum blicken wir zurück auf den Tourismus dieser Epoche.

Im 19. Jahrhundert veränderte sich der Tourismus radikal. Die Eisenbahn machte das Reisen bequemer, Bergbahnen brachten die Touristen in die Höhe, wo sie nicht selten in luxuriösen Hotels abstiegen. Die Alpen übten zu dieser Zeit einen besonderen Reiz aus und zogen internationale Gäste in die Schweizer Berge. Seinen Höhepunkt erreichte diese Form des Reisens noch vor dem Ersten Weltkrieg.

Das hat die Branche früher bewergt. – Hier geht es zum Dossier «Seit 1892 Jahren am Puls der Zeit»

In dieser Zeit, 1892, entstand auch die htr hotel revue. Anlässlich ihres 130-Jahr-Jubiläums beleuchtet die Fachzeitung den Tourismus der Belle Epoque und zeigt historische Bilder aus dem Fin de Siècle.

Impressionen aus 130 Jahren

Gastronomie: Von der Notwendigkeit zum Lifestyle

Um die Jahrhundertwende, also zu der Zeit, als auch die htr hotelrevue ins Leben gerufen wurde, veränderte sich die Gastronomie massgeblich. Anlässlich unseres 130-Jahr-Jubiläums blicken wir zurück auf diese bewegte Zeit.
Um die Jahrhunderwende kam nicht nur der Begriff Restaurant auf, sondern der Besuch in ebendiesem wurde auch von der Notwendigkeit zum Vergnügen. Das Bild aus dem Jahr 1899 stammt vermutlich aus dem Hotel Thunerhof in Thun.
Um die Jahrhunderwende kam nicht nur der Begriff Restaurant auf, sondern der Besuch in ebendiesem wurde auch von der Notwendigkeit zum Vergnügen. Das Bild aus dem Jahr 1899 stammt vermutlich aus dem Hotel Thunerhof in Thun. Bild: ETH-Bibliothek
Bild: ETH-Bibliothek
Der Gasthof zum Sternen in Unterwasser SG im Jahr 1889. Anders als viele Landgasthöfe verzichtete er nicht auf die Beherbergung: 1935 wurde ein Hoteltrakt angebaut, der dem Haus seine heutige Form gab.
Der Gasthof zum Sternen in Unterwasser SG im Jahr 1889. Anders als viele Landgasthöfe verzichtete er nicht auf die Beherbergung: 1935 wurde ein Hoteltrakt angebaut, der dem Haus seine heutige Form gab. Bild: ETH-Bibliothek
Bild: ETH-Bibliothek
Gasthaus und Brauerei zum Bären in Zofingen AG. Bild um 1890.
Gasthaus und Brauerei zum Bären in Zofingen AG. Bild um 1890. Bild: ETH-Bibliothek
Bild: ETH-Bibliothek
Gäste im Gasthaus Schlegwegbad in Linden BE. Bild von 1907.
Gäste im Gasthaus Schlegwegbad in Linden BE. Bild von 1907. Bild: ETH-Bibliothek
Bild: ETH-Bibliothek
Das Schlegwegbad war weit über das Bernbiet hinaus bekannt für sein eisenhaltigs Wasser. Bild des Restaurants aus dem Jahr 1907.
Das Schlegwegbad war weit über das Bernbiet hinaus bekannt für sein eisenhaltigs Wasser. Bild des Restaurants aus dem Jahr 1907. Bild: ETH-Bibliothek
Bild: ETH-Bibliothek
Restaurant Schlegwegbad im Jahr 1907: Zu dieser Zeit boomte der Badetourismus im Emmentaler Ort Linden.
Restaurant Schlegwegbad im Jahr 1907: Zu dieser Zeit boomte der Badetourismus im Emmentaler Ort Linden. Bild: ETH-Bibliothek
Bild: ETH-Bibliothek
Der Boom war so gross, dass 1910 ein Kurhotel mit 120 Gästebetten eröffnet wurde. Doch mit dem Ersten Weltkrieg kam der Bädertourismus in Linden zum Erliegen. Das Hotel wurde 1971 vom Militär zur Kaserne umgebaut.
Der Boom war so gross, dass 1910 ein Kurhotel mit 120 Gästebetten eröffnet wurde. Doch mit dem Ersten Weltkrieg kam der Bädertourismus in Linden zum Erliegen. Das Hotel wurde 1971 vom Militär zur Kaserne umgebaut. Bild: ETH-Bibliothek
Bild: ETH-Bibliothek
Speisesaal im 1912 eröffneten Luxushotel Suvretta House in St. Moritz.
Speisesaal im 1912 eröffneten Luxushotel Suvretta House in St. Moritz. Bild: Sammlung Roland Flückiger
Bild: Sammlung Roland Flückiger
Ausdruck des neuen Stellenwerts der Gastronomie: Das 1909 eröffnete Berner Casino verband Auswärtsessen mit Kultur und Gesellschaft. Postkarte mit Stempel von 1910.
Ausdruck des neuen Stellenwerts der Gastronomie: Das 1909 eröffnete Berner Casino verband Auswärtsessen mit Kultur und Gesellschaft. Postkarte mit Stempel von 1910. Bild: ETH-Bibliothek
Bild: ETH-Bibliothek
Der grosse Festsaal des Hotels Bär in Arbon TG, festlich geschmückt für eine Hochzeit. Bild um 1910.
Der grosse Festsaal des Hotels Bär in Arbon TG, festlich geschmückt für eine Hochzeit. Bild um 1910. Bild: ETH-Bibliothek
Bild: ETH-Bibliothek
Grand Café Unionplatz in St.Gallen. Postkarte mit Stempel von 1916.
Grand Café Unionplatz in St.Gallen. Postkarte mit Stempel von 1916. Bild: ETH-Bibliothek
Bild: ETH-Bibliothek
Das Restaurant Olivenbaum in Zürich im Jahr 1904, eines von mehreren alkoholfreien Lokalen des «Frauenvereins für Mässigkeit und Volkswohl» - der heutigen Genossenschaft ZFV-Unternehmungen (ZFV). Die erste alkoholfreie Kaffeestube, zum Kleinen Marthahof in Zürich, eröffnete der Verein bereits 1894.
Das Restaurant Olivenbaum in Zürich im Jahr 1904, eines von mehreren alkoholfreien Lokalen des «Frauenvereins für Mässigkeit und Volkswohl» - der heutigen Genossenschaft ZFV-Unternehmungen (ZFV). Die erste alkoholfreie Kaffeestube, zum Kleinen Marthahof in Zürich, eröffnete der Verein bereits 1894. Bild: Genossenschaft ZFV-Unternehmungen
Bild: Genossenschaft ZFV-Unternehmungen
Der Keller des 1715 erbauten Berner Kornhauses wurde zwischen 1896 und 1898 zum grossen Festlokal umgebaut. Bild um 1900.
Der Keller des 1715 erbauten Berner Kornhauses wurde zwischen 1896 und 1898 zum grossen Festlokal umgebaut. Bild um 1900. Bild: ETH-Bibliothek
Bild: ETH-Bibliothek
So stellte man sich damals die Zukunft der Gastronomie vor: Automatenrestaurant um 1910 in der Georgspassage von Hannover.
So stellte man sich damals die Zukunft der Gastronomie vor: Automatenrestaurant um 1910 in der Georgspassage von Hannover. Bild: WIkimedia/Friedrich Reinecke
Bild: WIkimedia/Friedrich Reinecke
Auch in der Schweiz kamen um die Jahrhundertwende Automatenrestaurants auf: Automatisches Restaurant Zürich, Bahnhofstrasse 83. Postkarte mit Stempel von 1915.
Auch in der Schweiz kamen um die Jahrhundertwende Automatenrestaurants auf: Automatisches Restaurant Zürich, Bahnhofstrasse 83. Postkarte mit Stempel von 1915. Bild: ETH-Bibliothek
Bild: ETH-Bibliothek
Erfunden wurden Automatenrestaurants aber in Deutschland. Detail einer Postkarte aus Hannover von 1901.
Erfunden wurden Automatenrestaurants aber in Deutschland. Detail einer Postkarte aus Hannover von 1901. Bild: Wikimedia/Historisches Museum Hannover
Bild: Wikimedia/Historisches Museum Hannover
Essenssaal der Strickwarenfabrik Ryff & Co. in Bern um 1920.
Essenssaal der Strickwarenfabrik Ryff & Co. in Bern um 1920. Bild: ETH-Bibliothek
Bild: ETH-Bibliothek
Gastraum der Bühler-Kantine in Uzwil um 1918.
Gastraum der Bühler-Kantine in Uzwil um 1918. Bild: SV Group
Bild: SV Group
Für die Kantinenküche beim Maschinenbauer Bühler wurde 1920 eine Abwaschmaschine der Marke «Tornado» für 3000 Franken angeschafft.
Für die Kantinenküche beim Maschinenbauer Bühler wurde 1920 eine Abwaschmaschine der Marke «Tornado» für 3000 Franken angeschafft. Bild: SV Group
Bild: SV Group
Die Küche des Grand Hotels Hungaria in Budapest. Rechts auf der Postkarte aus dem Jahr 1900 ist Chefkoch Ferenc Jurkovits zu erkennen.
Die Küche des Grand Hotels Hungaria in Budapest. Rechts auf der Postkarte aus dem Jahr 1900 ist Chefkoch Ferenc Jurkovits zu erkennen. Bild: Wikimedia/Klösz György
Bild: Wikimedia/Klösz György
Küche im Café-Restaurant De Bisschop in Amsterdam im Jahr 1904.
Küche im Café-Restaurant De Bisschop in Amsterdam im Jahr 1904. Bild: Wikimedia/Stadsarchief Amsterdam
Bild: Wikimedia/Stadsarchief Amsterdam
Küche (vermutlich aus einem Herrschaftshaus in Boston) im Jahr 1896.
Küche (vermutlich aus einem Herrschaftshaus in Boston) im Jahr 1896. Bild: Wikimedia
Bild: Wikimedia
Die Küche im Restaurant Delmonico's in New York City im Jahr 1902.
Die Küche im Restaurant Delmonico's in New York City im Jahr 1902. Bild: Wikimedia
Bild: Wikimedia

Viele Landgasthöfe konzentrierten sich auf die Gastonomie
Lange Zeit hatten Wirtshäuser in der Schweiz einen Sonderstatus. Es waren nicht einfach privat geführte Unternehmen, die nach eigenem Gutdünken wirtschaften konnten. Nein, sie galten als öffentliche Einrichtungen und waren beispielsweise verpflichtet, genügend Vorräte zu haben, um jedermann zu bewirten, der dafür bezahlen konnte und nicht von Rechts wegen ausgeschlossen werden durfte. Auswärts essen gingen die meisten Leute nicht in erster Linie aus Freude, sondern primär um satt zu werden.

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Das änderte sich im Verlauf des 19. Jahrhunderts. Reisen wurde vermehrt zum Freizeitvergnügen, und das Gastgewerbe teilte sich in zwei Sparten: auf der einen Seite entstanden Hotels, die sich oft als vornehm positionierten und um gutbetuchte Reisende buhlten; auf der anderen Seite konzentrierten sich die Landgasthöfe vermehrt auf die Gastronomie und verzichteten immer öfter auf Gästezimmer.

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Auf einmal hatten die Gäste die Qual der Wahl
Gleichzeitig entstand um die Jahrhundertwende eine bürgerliche Esskultur. Auf einmal stand beim Essengehen die Freude am Essen und die Gesellschaft im Zentrum. Ins Restaurant ging man nicht mehr nur, um den Hunger zu stillen, sondern weil man sich etwas Gutes tun wollte.

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Dieses neue Bedürfnis hat die Branche massgeblich verändert: Die Zahl der Restaurants schnellte in die Höhe, und auch die Auswahl wurde grösser: Die Gäste konnten plötzlich wählen, ob sie lieber in die Bierstube oder in eine der neuen alkoholfreien Gaststätten gehen wollen, ins vegetarische Restaurant oder zur Metzgete ins Wirtshaus.

Es erstaunt nicht, dass in dieser Zeit der Diversifizierung auch viele Nationalgerichte entstanden oder ihren Durchbruch erlebten – etwa das Raclette, das Cordon Bleu und das Zürcher Geschnetzelte.

Eine Zukunft, die nicht eintraf

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Ende des 19. Jahrhunderts glaubte man auch, die Zukunft der Gastronomie entdeckt zu haben, als in Deutschland das Automatenrestaurant entwickelt wurde. Hinter in Messing gefassten Glascheiben standen die portinierten Gerichte parat: Pasteten, Wurst mit Kartoffeln, Bohnen mit Speck, Torten. Gegen den Durst bedienten sich die Gäste direkt am Zapfhahn. Bezahlt wurde entweder am Münzschlitz am Autormaten oder an einem Schalter.

Bald einmal entstanden auch in der Schweiz solche Etablissements. Ganz wild darauf waren aber die Amerikaner. Bis in die 1950er-Jahre entstanden in den USA um die 80 Automatenrestaurants. Der anfängliche Hype flachte allerdings rasch ab. Keine 30 Jahre später waren die Automatenlokale auch in Amerika praktisch komplett von der Landkarte verschwunden: Bis 1979 schrumpte ihre Zahl auf zwei Stück.

Für satte Angestellte und den sozialen Frieden

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Nicht zuletzt haben wir der Zeit um die Jahrhundertwende die Erfindung der Betriebskantine zu verdanken: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam es beim Industrieunternehmen Bühler in Uzwil immer wieder mal zu Arbeitskonflikten. Weil mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs zudem Lebensmittel deutlich teurer wurden, verschärften sich die Auseinandersetzungen. Der Patron musste handeln: Er beauftragte den 1914 von Else Züblin-Spiller gegründeten Schweizer Verband Soldatenwohl – die heutige SV Group – mit der Planung einer Betriebskantine. Und am 12. Januar 1918 wurde die erste Kantine der Schweiz eröffnet. Anfangs kostete das Mittagessen 85 Rappen, später einen Franken, was in etwa einem Stundenlohn entsprach.

Das Angebot wurde zum Erfolg. Einerseits konnten so die Streitigkeiten beseitigt werden. Andererseits mussten die Angestellten am Mittag nicht mehr nach Hause fahren, um sich zu verpflegen. Die Dauer der Mittagspause konnte damit auf eine Stunde halbiert werden. Das Geschäftsmodell erwies sich als derart erfolgreich, dass auch weitere Fabrikanten eine Kantine haben wollten. Bis 1919 entstanden allein unter der Leitung des SV 30 solcher Betriebe – namentlich in der Textilindustrie, aber auch im Maschinenbau, in chemischen Fabriken und in der Uhrenindustrie.

Holz für den Kochherd, Eisblöcke für den Eisschrank

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Hinter den Kulissen war zu der Zeit eine Menge Handarbeit angesagt. Abwaschmaschinen zum Beispiel kamen erst ums Jahr 1920 auf. Zwar wurde an der Weltausstellung 1893 in Chigaco der erste Elektroherd vorgestellt. Bis sich dieser durchsetzte, dauerte es aber. Glücklich schätzen konnte sich, wer einen Gasherd hatte. Nicht selten wurde aber auch mit Holz, Kohle oder Torf eingefeuert. Eine Erleichterung waren sogenannte Kochkisten, die mit einem heissen Schamottstein beheizt wurden und in denen das Essen langsam bei niedriger Hitze garte – eine ursprüngliche Form des Niedergarens.

Leicht verderbliche Lebensmittel wurden nicht im Kühlschrank, sondern im Eisschrank gelagert. Technisch war es damals zwar bereits möglich, künstlich Kälte zu erzeugen. In der Küche nutzte man aber bis Ende der 1920er-Jahre mehrheitlich Eisblöcke, die in eine isolierte Holzkiste gesteckt wurden, um Lebensmittel zu kühlen.

Impressionen aus 130 Jahren

Bahnprojekte wie aus Jules Vernes Feder

Bergbahnen sind eine grosse touristische Errungenschaft des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Einige Projekte klingen selbst aus heutiger Sicht verwegen.
Entwurf einer Erschliessung der Rigi aus dem Jahr 1859.
Entwurf einer Erschliessung der Rigi aus dem Jahr 1859. Bild: Wikipedia
Bild: Wikipedia
Talstation in Vitznau: Die Bahn wurde am 21. Mai 1871 eingeweiht und ist damit die älteste Bergbahn Europas.
Talstation in Vitznau: Die Bahn wurde am 21. Mai 1871 eingeweiht und ist damit die älteste Bergbahn Europas. Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Rigi-Kulm Anfang des 20. Jahrhunderts.
Rigi-Kulm Anfang des 20. Jahrhunderts. Bild: zvg
Bild: zvg
Probefahrt auf der Schnurtobelbrücke im Jahr 1871.
Probefahrt auf der Schnurtobelbrücke im Jahr 1871. Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Zug auf der Schnurtobelbrücke um 1900.
Zug auf der Schnurtobelbrücke um 1900. Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Rigi Kulm in einer Luftaufnahme aus dem Jahr 1919.
Rigi Kulm in einer Luftaufnahme aus dem Jahr 1919. Bild: ETH Bildarchiv
Bild: ETH Bildarchiv
Die Konkurrenz aus Arth hatte zeitlich das Nachsehen. Die Strecke aus dem Kanton Schwyz wurde erst 1875 eingeweiht.
Die Konkurrenz aus Arth hatte zeitlich das Nachsehen. Die Strecke aus dem Kanton Schwyz wurde erst 1875 eingeweiht. Bild: SBB Historic
Bild: SBB Historic
Seit 1879 erschliesst die Giessbachbahn vom Thunerseeufer das Grand Hotel Giessbach. Postkarte um 1900.
Seit 1879 erschliesst die Giessbachbahn vom Thunerseeufer das Grand Hotel Giessbach. Postkarte um 1900. Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Es ist die älteste touristische Seilbahn der Schweiz. Bild um 1880.
Es ist die älteste touristische Seilbahn der Schweiz. Bild um 1880. Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Gleichzeitig ist es die älteste Standseilbahn der Schweiz, die noch in Betrieb ist.
Gleichzeitig ist es die älteste Standseilbahn der Schweiz, die noch in Betrieb ist. Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Die Giessbachbahn um 1905.
Die Giessbachbahn um 1905. Bild: Rijksmuseum
Bild: Rijksmuseum
Lageplan Grand Hotel Giessbach aus dem Jahr 1912.
Lageplan Grand Hotel Giessbach aus dem Jahr 1912. Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Wegen der steilen Steigung wird die Bahn am Wetterhorn nicht Luftseilbahn, sondern Aufzug genannt. Bild von 1909.
Wegen der steilen Steigung wird die Bahn am Wetterhorn nicht Luftseilbahn, sondern Aufzug genannt. Bild von 1909. Bild: ETH Bildarchiv
Bild: ETH Bildarchiv
Der Wetterhorn-Aufzug stellte 1915 den Betrieb ein.
Der Wetterhorn-Aufzug stellte 1915 den Betrieb ein. Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Vom Pionierprojekt wurde nur die erste von vier Etappen realisiert.
Vom Pionierprojekt wurde nur die erste von vier Etappen realisiert. Bild: ETH Bildarchiv
Bild: ETH Bildarchiv
Wintersportlerinnen und Wintersportler bei Crêt-d'y-Bau auf der Strecke Montreux-Glion-Rochers de Naye. Bild 1934.
Wintersportlerinnen und Wintersportler bei Crêt-d'y-Bau auf der Strecke Montreux-Glion-Rochers de Naye. Bild 1934. Bild: SBB Historic
Bild: SBB Historic
Wintersportlerinnen und Wintersportler bei Crêt-d'y-Bau auf der Strecke Montreux-Glion-Rochers de Naye in den 1930er-Jahren.
Wintersportlerinnen und Wintersportler bei Crêt-d'y-Bau auf der Strecke Montreux-Glion-Rochers de Naye in den 1930er-Jahren. Bild: SBB Historic
Bild: SBB Historic
Grand Hotel auf dem Rochers de Naye.
Grand Hotel auf dem Rochers de Naye. Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger/Library of Congress
Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger/Library of Congress
Bergbahn auf dem Rochers de Naye im Jahr 1907.
Bergbahn auf dem Rochers de Naye im Jahr 1907. Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger/ETH Bildarchiv
Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger/ETH Bildarchiv
Bergstation auf dem Rochers de Naye.
Bergstation auf dem Rochers de Naye. Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Bis zur Elektrifizierung der gesamten Strecke im Jahr 1938 fand in Glion jahrelang ein Traktionswechsel statt: unten elektrischer Betrieb, oben Dampflok. Bild 1938.
Bis zur Elektrifizierung der gesamten Strecke im Jahr 1938 fand in Glion jahrelang ein Traktionswechsel statt: unten elektrischer Betrieb, oben Dampflok. Bild 1938. Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Die 1890 erbaute Standseilbahn auf den Monte San Salvatore ums Jahr 1900.
Die 1890 erbaute Standseilbahn auf den Monte San Salvatore ums Jahr 1900. Bild: Library of Congress
Bild: Library of Congress
Die Baukosten für die rund 1,7 Kilometer lange Strecke wurden mit 550'000 Franken veranschlagt.
Die Baukosten für die rund 1,7 Kilometer lange Strecke wurden mit 550'000 Franken veranschlagt. Bild: ETH Bildarchiv
Bild: ETH Bildarchiv
Ursprüngliche Pläne, die Talstation der Bahn mit einer weiteren Bahn mit der Schiffanlegestellte in Lugano zu verbinden, wurden 1890 verworfen.
Ursprüngliche Pläne, die Talstation der Bahn mit einer weiteren Bahn mit der Schiffanlegestellte in Lugano zu verbinden, wurden 1890 verworfen. Bild: SBB Historic
Bild: SBB Historic
Auf der Alp Breitlauenen gab es schon lange vor der Bahnerschliessung ein Gasthaus.
Auf der Alp Breitlauenen gab es schon lange vor der Bahnerschliessung ein Gasthaus. Bild: zvg/Jungfraubahnen
Bild: zvg/Jungfraubahnen
Aussicht von der Bergstation Schynige Platte. Postkarte um 1910.
Aussicht von der Bergstation Schynige Platte. Postkarte um 1910. Bild: zvg/Sammlung Mischa Stünzi
Bild: zvg/Sammlung Mischa Stünzi
Die Hotels Alpenrose und Schynige Platte.
Die Hotels Alpenrose und Schynige Platte. Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
1893 wurde die Strecke Wilderswil-Schynige Platte eingeweiht, 1914 elektrifiziert.
1893 wurde die Strecke Wilderswil-Schynige Platte eingeweiht, 1914 elektrifiziert. Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Die auf 1542 Meter über Meer gelegene Zwischenstation Breitlauenen.
Die auf 1542 Meter über Meer gelegene Zwischenstation Breitlauenen. Bild: zvg/Jungfraubahnen
Bild: zvg/Jungfraubahnen
Die Station Breitlauenen im Jahr 1905.
Die Station Breitlauenen im Jahr 1905. Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger/SBB Historic
Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger/SBB Historic
Von 1892 bis 1964 fuhr eine Standseilbahn von Bad Ragaz nach Wartenstein. Bild von 1916.
Von 1892 bis 1964 fuhr eine Standseilbahn von Bad Ragaz nach Wartenstein. Bild von 1916. Bild: Stiftung Ragaziana
Bild: Stiftung Ragaziana
Als Antrieb der Bahn diente Wasser...
Als Antrieb der Bahn diente Wasser... Bild: Stiftung Ragaziana/Sammlung Hermann Joos
Bild: Stiftung Ragaziana/Sammlung Hermann Joos
In der Bergstation wurde der Wagen mit Wasser befüllt, dieses Zusatzgewicht zog dann den unteren Wagen in die Höhe. Bild von 1909.
In der Bergstation wurde der Wagen mit Wasser befüllt, dieses Zusatzgewicht zog dann den unteren Wagen in die Höhe. Bild von 1909. Bild: Stiftung Ragaziana
Bild: Stiftung Ragaziana
Dieses System wurde bis 1964 eingesetzt, als der Betrieb eingestellt wurde.
Dieses System wurde bis 1964 eingesetzt, als der Betrieb eingestellt wurde. Bild: Stiftung Ragaziana/Sammlung Hermann Joos
Bild: Stiftung Ragaziana/Sammlung Hermann Joos
Die Wartensteinbahn bei der Talstation ums Jahr 1900.
Die Wartensteinbahn bei der Talstation ums Jahr 1900. Bild: Wikimedia
Bild: Wikimedia
Die seit 1964 nicht mehr genutzte Bahntrasse ist heute selber eine Sehenswürdigkeit.
Die seit 1964 nicht mehr genutzte Bahntrasse ist heute selber eine Sehenswürdigkeit. Bild: Wikimedia/Schofför
Bild: Wikimedia/Schofför
Die Gornergratbahn war die erste Bergbahn, die mit Elektrizität angetrieben wurde.
Die Gornergratbahn war die erste Bergbahn, die mit Elektrizität angetrieben wurde. Bild: ETH Bildarchiv
Bild: ETH Bildarchiv
Der Bahnhof in Zermatt ums Jahr 1900.
Der Bahnhof in Zermatt ums Jahr 1900. Bild: Wikimedia
Bild: Wikimedia
Die alte Endstation, hier bei der Eröffnung im Jahr 1898, lag 300 Meter unter dem Grat.
Die alte Endstation, hier bei der Eröffnung im Jahr 1898, lag 300 Meter unter dem Grat. Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger/Archiv MG Bahn
Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger/Archiv MG Bahn
Seit 1944 fährt die Bahn ganzjährig bis zum Gornergrat. Bild aus den 50er-Jahren.
Seit 1944 fährt die Bahn ganzjährig bis zum Gornergrat. Bild aus den 50er-Jahren. Bild: zvg/Sammluing Roland Flückiger
Bild: zvg/Sammluing Roland Flückiger

Zum 130-jährigen Jubiläum blickt die htr hotelrevue auf den Tourismus in der Zeit ihrer Gründung. Eine der grossen touristischen Errungenschaften von damals sind die Bergbahnen. Es war auch die Zeit der fantastischen Bahnprojekte, die aus einem Buch des Science-Fiction-Autors Jules Verne stammen könnten. Vorstellungskraft und Plänen waren keine Grenzen gesetzt: Der Gipfel der Jungfrau schien ebenso erschliessbar wie das Matter- und das Wetterhorn (siehe unten) und der Mont Blanc.

Selbst eine Bahnverbindung zwischen Europa und Amerika wurde angestrebt. Natürlich war man sich selbst damals bewusst, dass es unmöglich sein wird, einen Tunnel unter dem Atlantik durch zu bauen. Das hielt französische Ingernieure 1902 aber nicht davon ab, Pläne für eine Untertunnelung der Beringstrasse zu schmieden. An dieser Meerenge seien Asien und Amerika nur 22 Kilometer von einander entfernt und das Meer sei nur etwa 50 Meter tief.  Eine sechsjährige Bauzeit veranschlagten die Planer. Die Schweizer Hotel-Revue, wie die htr hotelrevue damals hiess, jubelte: «So dürfte das auf den ersten Blick so unwahrscheinlich aussehende Projekt einer Eisenbahnverbindung zwischen Europa und Amerika in nicht allzu ferner Zeit vielleicht doch seine Verwirklichung finden.»[DOSSIER]

Gebaut wurde der Tunnel nie (noch nicht; chinesische Ingenieure brachten die Idee aber vor ein paar Jahren erneut auf), andere Meisterwerke schon. Wir zeigen einige im Bild.

Vitznau-Rigi-Bahn: Die älteste Zahnradbergbahn Europas

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Am 9. Juni 1869 erteilte der Luzerner Grosse Rat den Ingenieuren Riggenbach, Naeff und Zschokke die Konzession zum Bau einer Bergbahn nach einem neuartigen System mit Zahnrädern. Am 23. Mai 1871, dem Geburtstag von Riggenbach, wurde die erste Zahnradbergbahn Europas im Beisein von vier Bundesräten offiziell in Betrieb genommen. Übrigens: Die erste Bergbahn mit Zahnradantrieb der Welt wurde 1866 am Mount Washington im US-Bundesstaat New Hampshire eingeweiht.

Im Juni 1873 konnte die Vitznauer Linie bis Rigi-Kulm verlängert werden, nachdem eine Schwyzer Gesellschaft für diese Strecke vom Kanton Schwyz eine Konzession erhalten hatte, die der Luzerner Gesellschaft vorenthalten worden war. Die Konkurrentin Arth-Rigi-Bahn nahm den Betrieb am 4. Juni 1875 auf. Gemäss dem heftig diskutierten Bundesgesetz von 1852 zum Eisenbahnbau hatten sich National- und Ständerat zum Eisenbahnbau auf Privatinitiative entschieden und die Erteilung von Konzessionen den Kantonen überlassen, ganz im Gegensatz zur Post, die zum Staatsbetrieb wurde.

Berühmt wurde die Rigibahn vor allem durch die Abbildungen und Schilderungen der waghalsigen Schnurtobelbrücke (siehe Bilder). Die Vitznauer Rigibahn wurde zu einer der bestausgelasteten Bahnen des Landes, ihre Gewinne waren unvergleichlich: Bereits im Eröffnungsjahr wurde das Aktienkapital mit 10 Prozent Dividende bedacht, dann steigerten sich die Auszahlungen bis 1874 sogar auf 20 Prozent. Bis zum Ersten Weltkrieg sanken sie nie unter 8 Prozent. Solche Erträge erreichte keine andere Schweizer Bergbahn auch nur annähernd.

1874 wurde an der Rigi eine weitere Eisenbahnlinie eröffnet: die Aussichtsbahn von Kaltbad über Unterstetten nach Scheidegg. Auch diese Eisenbahnlinie bildete damals eine grosse Sensation, war sie doch die höchstgelegene Eisenbahnlinie Europas. Sie verband die bestehenden Fremdenorte Kaltbad und Scheidegg und bildete die Voraussetzung für die Entstehung von zwei neuen Hotelbetrieben in First und Unterstetten.

Giessbachbahn: Die erste touristische Seilbahn des Landes

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Auf die Sommersaison 1879, vier Jahre nach Eröffnung seines neuen Hotels, nahm Carl Hauser vom Hotel Giessbach am Brienzersee eine hoteleigene Standseilbahn in Betrieb, die den Gästen den Aufstieg von der Schiffstation zum Hotel erleichterte. Es war die zweite Standseilbahn in der Schweiz, die erste fuhr seit zwei Jahren zwischen der Stadt Lausanne und Ouchy. Als Weltneuheit erhielt sie in der Mitte der Strecke, auf der grossen eisernen Brücke, eine automatische Ausweiche, die Carl Roman Abt (1850-1933), der berühmte Erbauer von Bahnen und Erfinder des nach ihm benannten Zahnradsystems, entwickelt hatte.

Von den insgesamt knapp 60 in der Schweiz erstellten Anlagen wurde der grösste Teil in der Zeit zwischen 1883 und 1914 erbaut, rund ein Dutzend davon als reine Hotelbahnen. Die Mehrzahl dieser Anlagen konzentrierte sich auf die Regionen des Genfersees, des Berner Oberlands und des Vierwaldstättersees.

Wetterhorn-Aufzug: Die erste Lufseilbahn der Schweiz

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Mit dem Aufzug aufs 3692 Meter hohe Wetterhorn? Klingt nach einer Utopie. Doch genau diese Idee hatte der deutsche Ingenieur Wilhelm Feldmann im frühen 20. Jahrhundert. In vier Etappen hätte der Luftseilbahn-Pionier den Wetterhorn-Gipfel erschliessen wollen. 1905 begannen die Arbeiten an der ersten Etappe von der Talstation beim Hotel Wetterhorn, etwas ausserhalb Grindelwalds, zur Zwischenstation Enge. Wenig später verstarb Feldmann, weshalb er die Eröffnung der ersten Personen-Luftseilbahn der Schweiz am 27. Juli 1908 nicht mehr miterlebte.

Die Fahrkabine, die acht Sitz- und acht Stehplätze bot und mit neuartigen Fangbremsen ausgestatten war, brauchte für die 420 Höhenmeter zur Station Enge auf 1677 Meter über Meer achteinhalb Minuten. Wegen der 116-prozentigen Steigung der Fahrstrecke wurde die Bahn nicht Luftseilbahn, sondern Aufzug genannt. Obwohl die einfache Fahrt 3.50 Franken und die Hin- und Rückfahrt 5 Franken kosteten - ein Vermögen in der damaligen Zeit -, war die Bahn äusserst gefragt. Zum Verhängnis wurde ihr der Erste Weltkrieg. Wegen fehlender Gäste, wurde der Betrieb 1915 bereits wieder eingestellt. Erhalten geblieben sind die beiden Kabinen - eine steht beim Hotel Wetterhorn in Grindelwald, die andere im Verkehrshaus Luzern - und die Bergstation Enge. Die exponierte Station in schwindelerregender Höhe dient heute als Aussichtspunkt für Berggängerinnen und Berggänger.

Montreux-Glion-Rochers-de-Naye-Bahn: Unten Elektro-, oben Dampflok

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Durch die Schriften von Jean-Jacques Rousseau und Lord Byron erlebte die Region Montreux am Genfersee seit dem späten 18. Jahrhundert einen starken touristischen Aufschwung. Bald einmal reifte deshalb die Idee, den Höhenort Glion, in dem viele Gäste eintrafen, mit dem Seeufer zu verbinden. So entstand in den frühen 1880er-Jahren eine Standseilbahn, die erste Bergbahn in der Westschweiz. Die 1883 eröffnete Verbindung führte von Territet, wo Ami Chessex, einer der bedeutenden Hoteliers von Montreux sein Hotel besass, nach Glion.

Die von dort geplante Fortsetzung als Zahnradbahn nach dem System von Roman Abt und mit einer Spurweite von 80 cm erhielt 1890 eine Konzession durch die Bundesversammlung. Eröffnet wurde sie 1893. Gleichzeitig entstand auf dem Gipfel auch ein Grand Hotel, das zwar nicht im gesamten geplanten Umfang realisiert wurde, aber dennoch eine stattliche Grösse aufwies. Im Hotelführer von damals bot sich dieses mit Telefon und Luftheizung ausgestattete Berghotel - wohl in Konkurrenz zum Rigi-Gipfel - für die «Bewunderung des Sonnenauf- und -untergangs» an.

Auch die weiteren, am Berghang oberhalb von Montreux gelegenen Höhenorte erfreuten sich um 1900 einer besonderen Beliebtheit. Sie waren künstlich geschaffen, komfortabel ausgerüstet, im Prinzip völlig isoliert und dennoch durch die Bahn mit der weiten Welt verbunden. Zu diesen Höhenorten gehörte auch Caux oberhalb von Glion, wo 1902 das imposante «Caux Palace» als grosse Hotelanlage entstand mit Zimmern nur auf der Seeseite und einer künstlich aufgeschütteten, 800 Meter langen Promenierterrasse.

1909 kam endlich eine Eisenbahnverbindung mit Montreux nach Glion dazu mit einer zweiten, aber elektrischen Zahnradbahn. Damit war die Bergspitze des Hausberges vom Bahnhof von Montreux aus direkt zu erreichen. Bis zur Elektrifikation der gesamten Strecke 1938 fand aber in Glion noch jahrelang ein Traktionswechsel stattfand: unten elektrischer Betrieb, oben Dampflok.

San-Salvatore-Bahn: Wo schon Jesus Rast gemacht haben soll

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Schon vor der Bahnerschliessung erfreute sich der Monte San Salvatore grosser Beleibtheit. Der Legende nach soll Jesus höchst persönlich bei seiner Auferstehung hier kurz Rast gemacht haben. Früher oder später musste jemand auf die Idee kommen, hier eine Bergbahn zu bauen. Die hochtrabenden Pläne des Florentiners Stefano Siccoli, Wirt im bescheidenen Gipfelgasthaus, erwiesen sich 1870 allerdings als nicht realisierbar. Siccoli wollte nicht nur eine Bahn bauen, sondern auch gleich noch ein grosses Hotel und vieles Weiters.

1885 gewährte der Bundesrat die Konzession für eine Bahn auf den San Salvatore. Wegen finanzieller Probleme - die Ingenieure Bucher und Durrer verpflichteten sich, den Bau der Standseilbahn zum Pauschalpreis von 550’000 Franken zu erstellen - und mehrerer Planänderungen wurde allerdings erst 1888 mit dem Bau begonnen. Als die Bahn im März eingeweiht wurde, war sie eine der wenigen elektrisch betriebenen Bergbahnen der Schweiz.

Ihr Antrieb befindet sich bis heute in der Mittelstation. Ebenfalls bis heute müssen die Passagiere in dieser Mittelstation umsteigen. Und Mittelstation ist am San Salvatore wörtlich gemeint. Damit die beiden Wagen, die mit einem 1737 Meter langen Stahlseil miteinander verbunden sind, gleichzeitig aus entgegengesetzer Richtung in der Mittelstation eintreffen, muss diese exakt in der Streckenmitte liegen.

Schynige-Platte-Bahn: Die am originalsten erhaltene Bergbahn der Schweiz

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Auf der Schynigen Platte entstand ein erstes, bescheidenes Gasthaus «etwa 20 Minuten unter dem Gipfel» kurz vor 1860, sowie ein Gasthaus am dem Aufstiegsweg auf der Alp Breitlauenen. Nur wenige Jahre später gehörte der markante Gipfel gemäss Baedeker bereits «unter die ersten Aussichtspunkte des Berner Oberlands».

Um 1870, nur kurze Zeit nach der touristischen Entdeckung, entstanden erste Projekte zur Erschliessung dieses Gipfels mit einer Eisenbahn. Der bernische Bezirksingenieur Aebi und die Baufirma Ott & Cie. unterbreiteten den Behörden Pläne für eine normalspurige Zahnradlinie nach dem Vorbild der Rigibahn, die aber nicht realisiert wurde. 1890 wurde die Aktiengesellschaft «Schynige Platte-Bahngesellschaft» gegründet, im folgenden Jahr begannen die Bauarbeiten und bereits am 10. Juni 1893 fand im Hotel Schweizerhof in Interlaken die Eröffnungsfeier statt. Wiederum war eine Bergbahn nach dem System von Roman Abt entstanden: 80 cm Spurweite und Abt-Lamellen als Zahnstangen sowie mit Dampfbetrieb.

Dank sparsamer Führung, seit 1914 auch mit einem elektrischen Betrieb, konnte die Bahn jahrelang mit dem ursprünglichen Rollmaterial geführt werden. In den 1990er-Jahren besann sie sich nach einer Facharbeit eines interessierten Studenten an der ETH ihres historischen Rollmaterials. Zusammen mit der kantonalen Denkmalpflege hat die Bergbahn zur Schynige Platte ihr noch vorhandenes Rollmaterial aus alten Zeiten fachgerecht restauriert und neue Wagen nach alten Vorbildern nachgebaut. Zudem fahren noch etliche Züge mit den ersten elektrischen Lokomotiven von 1914. Sie ist damit die am originalsten erhaltene Bergbahn der Schweiz.

Wartensteinbahn: Wasser und Schwerkraft sorgten für Bewegung

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Die Wartensteinbahn - offizieller Name: Drahtseilbahn Ragaz–Wartenstein - wurde 1892 von der Firma Von Roll AG Bern gebaut. Sie führte Bade- und Kurgäste von Bad Ragaz auf den Aussichtpunkt Wartenstein. Der Antrieb funktioniert durch Wasserbalast. In der Bergstation wurde der Wagen mit Wasser befüllt, dieses Zusatzgewicht zog dann den unteren Wagen in die Höhe. Dieses System wurde auch 1964 noch eingesetzt, als die Bahn eingestellt wurde. Eine Elektrifizierung der Bahn fand nie statt.

Obwohl seit fast 60 Jahren keine Züge mehr verkehren, ist die 788 Meter lange Bahntrasse nach wie vor gut erhalten. So hat sich in Bad Ragaz in den letzten Jahren ein Verein gebildet, der sich für den Wiederaufbau der Wartensteinbahn einsetzt. Geschätzte Kosten: knapp 10 Millionen Franken. Bis es soweit ist, betrachten viele Besucherinnen und Besucher die Strecke selber, die eine Höhendifferenz von 227 Meter überwindet, mit ihrem Viadukt und den Tunneln als eigenständige Sehenswürdigkeit.

Gornergratbahn: So hoch hinauf fuhr vorher noch keine

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Zermatt wurde durch den Ansturm von vielen Engländern nach Erstbesteigungen der Viertausender im 19. Jahrhundert von Touristen geradezu überrannt. Deshalb entstand dorthin vom Talgrund in Visp bereits 1890/91 eine der wenigen Erschiessungsbahnen im Wallis, die den langen und beschwerlichen Weg ins Matterhorndorf stark verkürzte.

Auf Initiative eines einheimischen Geistlichen war bereits in den 1850er-Jahren auf dem gut besuchten Riffelberg ein erstes Gasthaus in Höhenlage errichtet worden. Dieses erlaubte einen vorzüglichen Blick auf das berühmt gewordene Matterhorn. Es war deshalb naheliegend, dass dorthin auch eine Bergbahn geplant wurde. 1890 ersuchte der von Zermatt begeisterte Buchdrucker Heer-Bétrix aus Biel um eine Konzession für eine Bergbahn auf den Gornergrat, den idealen und viel begangenen Aussichtspunkt der Gegend.

Zudem ersuchte er auch um eine Konzession zum Bau einer Erschiessung des Matterhorns, auf die nach vielen Protesten aus der ganzen Schweiz und sogar aus England verzichtet wurde. Die Zermatter wollten dieses Vorhaben in die eigenen Hände nehmen und erstellten neue Projekte, die Gesamtleitung blieb aber nach etlichen Wechseln in bernischer Hand.

Die Bahn auf den Gornergrat konnte nach einer relativ kurzen Bauzeit 1898  – nur wenige Tage nach dem Baubeginn am Simplontunnel – eröffnet werden. Die Trasse wurde zur Aussicht möglichst offen geführt und die Bergstation stand auf über 3000 Meter über Meer, einer Höhe, die vorher noch keine Bahn in Europa erreicht hatte und sie war die erste Bergbahn, die mit Elektrizität fuhr und zwar mit Drehstrom, einem 1892 von Siemens & Halske erfundenen Stromsystem, das die Rückgewinnung von Energie erlaubt. In diesem System konnten zwei talwärts fahrende Züge einem bergwärts fahrenden Zug genügend Strom liefern.

Die Bahn auf den Gornergrat war sehr erfolgreich unterwegs, die ersten Gäste mussten aber die letzten 300 Meter bis zum Genuss des ganzen Gornergrat-Panoramas zu Fuss hochsteigen. Bald einmal wurde deshalb beschlossen, die Gleise noch höher hinauf zu führen. 1909 wurde die Bahn bis zum heutigen Endpunkt verlängert. Bis in die späten 1920er-Jahre wurde ein reiner Sommerbetrieb gefahren, seit 1944 fährt die Bahn ganzjährig bis zum Gornergrat.

Impressionen aus 130 Jahren

Nicht jedes Hotel hat überlebt

Die htr hotel revue wird 130 Jahre alt. Zum Jubiläum blicken wir auf den Tourismus vor 130 Jahren zurück. Heute auf Hotels, die die letzten 130 Jahre nicht überlebt haben.
Plakat vom Hotel Jungfrau am Eggishorn aus dem Jahr 1894.
Plakat vom Hotel Jungfrau am Eggishorn aus dem Jahr 1894. Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Das Hotel Jungfrau am Eggishorn auf einer Flugaufnahme aus dem Jahr 1949.
Das Hotel Jungfrau am Eggishorn auf einer Flugaufnahme aus dem Jahr 1949. Bild: zvg/ETH Bildarchiv
Bild: zvg/ETH Bildarchiv
Salon im Hotel Jungfrau am Eggishorn ums Jahr 1950
Salon im Hotel Jungfrau am Eggishorn ums Jahr 1950 Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Speisesaal des Hotels Jungfrau am Eggishorn ums Jahr 1950.
Speisesaal des Hotels Jungfrau am Eggishorn ums Jahr 1950. Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Postkarte des Hotels Bernerhof Bern aus dem Jahr 1858
Postkarte des Hotels Bernerhof Bern aus dem Jahr 1858 Bild: Wikimedia
Bild: Wikimedia
Das Hotel Bernerhof in Bern im Jahr 1908.
Das Hotel Bernerhof in Bern im Jahr 1908. Bild: Wikimedia
Bild: Wikimedia
Postkarte des Grand Hotels Brissago.
Postkarte des Grand Hotels Brissago. Bild: zvg/Sammluing Roland Flückiger
Bild: zvg/Sammluing Roland Flückiger
Das Grand Hotel Brissago im Jahr 1908.
Das Grand Hotel Brissago im Jahr 1908. Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Das Grand Hotel St. Moritz.
Das Grand Hotel St. Moritz. Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Zwischen 1932 und 1934 führte die Swissair in St. Moritz Sightseeing-Flüge durch.
Zwischen 1932 und 1934 führte die Swissair in St. Moritz Sightseeing-Flüge durch. Bild: Wikimedia/ETH Bildarchiv
Bild: Wikimedia/ETH Bildarchiv
Das Hôtel Byron in Villeneuve auf einer Lithografie aus dem Jahr 1850.
Das Hôtel Byron in Villeneuve auf einer Lithografie aus dem Jahr 1850. Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Ein Hotelzimmer des Hotels Byron um 1900.
Ein Hotelzimmer des Hotels Byron um 1900. Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Das Restaurant im Hôtel Byron um das Jahr 1900.
Das Restaurant im Hôtel Byron um das Jahr 1900. Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Das 1894 eröffnete Grand Hotel Baer in Grindelwald.
Das 1894 eröffnete Grand Hotel Baer in Grindelwald. Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Das 1894 eröffnete Grand Hotel Baer in Grindelwald.
Das 1894 eröffnete Grand Hotel Baer in Grindelwald. Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Bild: zvg/Sammlung Roland Flückiger
Vestibül im Grand Hotel Wadhaus Vulpera.
Vestibül im Grand Hotel Wadhaus Vulpera. Bild: Sammlung Club Grand Hôtel & Palace
Bild: Sammlung Club Grand Hôtel & Palace
Das Grand Hotel Waldhaus in Vulpera auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1890.
Das Grand Hotel Waldhaus in Vulpera auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1890. Bild: zvg/Library of Congress
Bild: zvg/Library of Congress
Vestibül im Grand Hotel Wadhaus Vulpera.
Vestibül im Grand Hotel Wadhaus Vulpera. Bild: Sammlung Club Grand Hôtel & Palace
Bild: Sammlung Club Grand Hôtel & Palace
Das Grand Hotel Waldhaus in Vulpera im Jahr 1908.
Das Grand Hotel Waldhaus in Vulpera im Jahr 1908. Bild: Sammlung Club Grand Hôtel & Palace
Bild: Sammlung Club Grand Hôtel & Palace
Das Grand Hotel Waldhaus Vulpera auf einer Postkarte aus dem Jahr 1899.
Das Grand Hotel Waldhaus Vulpera auf einer Postkarte aus dem Jahr 1899. Bild: Sammlung Club Grand Hôtel & Palace
Bild: Sammlung Club Grand Hôtel & Palace
Das Grand Hotel Baden um das Jahr 1890.
Das Grand Hotel Baden um das Jahr 1890. Bild: Wikimedia/Schweizerische Nationalbibliothek
Bild: Wikimedia/Schweizerische Nationalbibliothek
Postkarte das Grand Hotels Locarno aus dem Jahr 1900.
Postkarte das Grand Hotels Locarno aus dem Jahr 1900. Bild: Sammlung Club Grand Hôtel & Palace
Bild: Sammlung Club Grand Hôtel & Palace
Aufnahme des Grand Hotels Locarno aus dem Jahr 1907.
Aufnahme des Grand Hotels Locarno aus dem Jahr 1907. Bild: Sammlung Club Grand Hôtel & Palace
Bild: Sammlung Club Grand Hôtel & Palace
Postkarte des Grand Hotels Locarno aus dem Jahr 1903.
Postkarte des Grand Hotels Locarno aus dem Jahr 1903. Bild: Sammlung Club Grand Hôtel & Palace
Bild: Sammlung Club Grand Hôtel & Palace
Wie geht es weiter mit dem Grand Hotel Locarno?
Wie geht es weiter mit dem Grand Hotel Locarno? Bild: Sammlung Club Grand Hôtel & Palace
Bild: Sammlung Club Grand Hôtel & Palace

Welches das älteste noch aktive Gasthaus der Schweiz ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Klar ist: Mehrere haben bereits über 600 Jahre auf dem Buckel und beherbergen immer noch Gäste. Doch nicht allen Hotels war es vergönnt, so alt zu werden. Einige Häuser, die ums Jahr 1892, als die htr hotel revue zum ersten Mal erschien, bis weit über die Landesgrenzen aus strahlten, gibt es heute nicht mehr. Sie sind entweder abgebrannt, wurden umgenutzt oder gesprengt. Zurück blieben schöne Bilder und spannende Geschichten.

Hotel Jungfrau am Eggishorn: Besitzer spielten mit dem Feuer

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Das Hotel Jungfrau am Eggishorn wurde 1856 von den Gebrüdern Wellig aus Fiesch mit finanzieller Unterstützung durch den Engländer John Birkbeck erbaut, weil die Gegend von zahlreichen Engländern besucht wurde, nachdem der Engländer Malkin 1840 das Eggishorn erstmals bestiegen hatte. 1871 kam das kleine Berghotel in die Hände von Emil Cathrein, der das Haus in mehreren Etappen zu einem Grossbetrieb mit über 100 Betten vergrösserte. In völliger Einsamkeit bot dieser seinen Gästen alle Annehmlichkeiten von mondänen Grand Hotels.

Bald einmal entstanden auch Projekte zur Erschliessung der Gegend mit der Schiene. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs bedeutete aber ein jähes Aus für die Bahnträume. Erst in unserer Zeit kam die Gegend in den Genuss einer Bahnerschliessung. Aber die 1966 eröffnete Luftseilbahn zum Eggishorn liess das alte Hotel «links» liegen. Diese Tatsache inspirierte 1972 die damaligen Besitzer zur Liquidierung ihres alten «Kastens» mit Hilfe von Zündschnur und Feuer.

Hotel Bernerhof Bern: Heute gehts dort um Milliarden

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Jean Kraft war ein gewiefter Berner Hotelier. Als man Mitte des 19. Jahrhunderts Bern zum Regierungssitz machte und das Bundeshaus baute, ahnte er, dass schon bald viele Parlamentarier während der Sessionen einen Platz zum Schlafen brauchen werden. Und so liess Kraft im Zentrum der Macht das Nobelhotel Bernerhof mit 123 Zimmern bauen.

Das 1858 fertiggestellte Hotel galt als erstklassige Adresse in Europa, wo Berühmtheiten wie der Komponist Jacques Offenbach, der  Polarforscher Roald Amundsen sowie Kaiser und Königinnen aus aller Welt abstiegen. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs blieben jedoch praktisch von einem Tag auf den anderen die Gäste aus, und nach dem Tod des Hoteliers verkaufte seine Witwe das Hotel der Eidgenossenschaft. Seit 1924 dient das ehemalige Nobelhotel dem Eidgenössischen Finanzdepartement als Sitz.

Grand Hotel Brissago: H.G. Wells hat sich um wenige Kilometer getäuscht

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Das 1906 nach einer langen Planungsphase eröffnete Grand Hotel in Brissago war vom bekannten Architekten Paolito Somazzi aus Lugano entworfen worden, dem Erbauer etlicher Luganeser Hotels. In den ersten Jahren entwickelte sich das Hotel äusserst erfreulich und es wurde zum Aufenthaltsort zahlreicher Berühmtheiten der europäischen Literatur. Thomas Mann, Ernest Hemingway, Hermann Hesse, Wladimir Nabokov und Erich Maria Remarque liessen sich von der Atmosphäre des Hauses verzaubern.

H.G. Wells, der in einem seiner Romane den Ersten Weltkrieg voraussagte, liess dessen Friedenskonferenz im Grand Hotel Brissago stattfinden. Er hatte sich nur um wenige Kilometer getäuscht: 1925 wurde der Frieden im Grand Hotel Locarno (mehr dazu weiter unten) besiegelt, doch man berichtet, die ersten Kontakte zwischen dem deutschen Reichskanzler Gustav Stresemann und dem französischen Premier Aristide Briand hätten im Grand Hotel Brissago stattgefunden.

Nach einer schwungvollen Zeit zwischen den beiden Weltkriegen diente das Hotel ab 1943 als Internierungsheim für Flüchtlinge. Dann wurde es vorübergehend geschlossen, bis es 1958 erneut als Hotel genutzt wurde. Fehlende Investitionen führten aber 1971 zur endgültigen Schliessung, als solche «alten Hotelkästen» kein Renommee mehr hatten. Der fehlende Unterhalt und zahlreiche Vandalenakte am leerstehenden Haus führten zu einem rapiden Verlust der Bausubstanz.

Ein Grossbrand im April 1983 besiegelte das Schicksal des Grand Hotel von Brissago endgültig: Im Jahre 1993 - zu einer Zeit, in der man sich andernorts in der Schweiz längst wieder an die Sanierung historischer Hotelbauten wagte - wurden die verbliebenen Brandruinen abgetragen.

Grand Hotel St. Moritz: Vom grössten Gebäude des Landes zur Poststelle

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Das Grand Hotel in St. Moritz wurde durch eine AG von Einheimischen nach mehreren Vorprojekten des Architekten Karl Koller, der beispielsweise auch das Hotel Waldhaus in Sils-Maria plante und erbaute, am Abhang über dem See von St. Moritz erstellt. Der Monumentalbau war zur Zeit seiner Eröffnung das grösste Gebäude der Schweiz und der Heimatschutz gehörte zu den vehementen Kritikern seiner architektonischen Gestaltung. Eine zeitgenössische Studie beschreibt das Grand Hotel als «zehnstöckigen Palast mit 300 Zimmer für 420 Gäste mit 3200 Glühlampen und vier Bogenlampen, sechs elektrisch betriebenen Aufzügen, einer Vacuum-Entstaubungs-Anlage etc.»

Zur Genugtuung vieler, die sich an diesem Koloss neben dem Badrutt’s Palace störten, wurde das Haus im Juni 1944 in den oberen Stockwerken total zerstört. 1947 wurden die vorhandenen Bauteile in den unteren Geschossen von der Post erworben und dort das lange Zeit funktionierende Postgebäude von St. Moritz errichtet.

Hôtel Byron Villeneuve: Vom Krieg erholte es sich nie mehr

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Das zwischen 1837 und 1841 nach Plänen des bekannten Architekten Jean Marc Junod aus Genf erbaute Hôtel Byron in Villeneuve am oberen Genfersee war das erste grosse Hotel in der freien Naturlandschaft der Schweiz. Der Baustil war dem Zeitgeist entsprechend klassizistisch. Gleich nach der Eröffnung war der berühmte und kritische Schriftsteller Rodolphe Toepffer aus Frankreich als Gast dort.

Im Haus sollte 1846 sogar ein Spielcasino nach dem Vorbild von «Baden, Wiesbaden etc.» eingerichtet werden, wie der Besitzer propagierte, was die Gemeinde aber ablehnte. 1903 wurde das abgelegene Hôtel Byron durch die erste elektrische Strassenbahn in der Schweiz mit der ganzen Region zwischen Vevey und Villeneuve verbunden. Als 1912 eine Dependance hinzukam, stand der Tourismus noch in voller Blüte.

1914 brachte der Erste Weltkrieg aber einen schweren Rückschlag für das Unternehmen. Nach Kriegsende öffnete es seine Tore nur noch sporadisch und im Januar 1933 fiel das Hotel einem Brand zum Opfer. Übrig geblieben ist nur die Dependance, die zu einem Altersheim umgebaut wurde.

Grand Hotel Baer Grindelwald: Die Bären brannten gleich reihenweise

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Hotels mit dem Namen «Bär» stehen in Grindelwald offenbar unter keinem guten Stern. Am 18. August 1892 brannte der Gasthof Bären, ein vierstöckiger, hölzerner Gebäudekomplex. Trockenheit und Föhn sorgten dafür, dass die Flammen rasch um sich griffen. Am Ende waren 116 Gebäude abgebrannt und über 400 Einheimische obdachlos. Das Unglück hielt die Betreiber des 1894 eröffneten Grand Hotels nicht davon ab, diesem ebenfalls den Namen «Baer» zu geben. Der imposante Bau war das damals grösste Hotel im Gletscherdorf und dominierte das Ortsbild.

Knapp 50 Jahre nach dem verheerenden Grossbrand von Grindelwald schrillten am 16. Januar 1941 erneut die Sirenen. Das Grand Hotel Baer, das zu dieser Zeit voll besetzt war mit Armeeangehörigen, stand in Flammen. Vermutet wird, dass ein Soldat eine Zigarette achtlos entsorgt hatte. Glücklicherweise konnten sich sämtliche Gäste in Sicherheit bringen. Das Gebäude selber konnte allerdings nicht gerattet werden. Es wurde wenig später gesprengt. An der Stelle des schmucken Grand Hotels steht heute das Sportzentrum. Wen erstaunt es, dass es in Grindelwald ‒ anders als in vielen Tourismusorten im Berner Oberland ‒ mittlerweile kein Hotel Bären mehr gibt?

Grand Hotel Waldhaus Vulpera: Ja genau, das mit der Gästekartei

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Einem breiten Publikum bekannt ist das 1896 bis 1897durch den Bündner Architekten Nikolaus Hartmann senior erbaute Grand Hotel Waldhaus Vulpera vor allem wegen seiner Gästekartei, die im 2021 erschienen Buch «Keine Ostergrüsse mehr! Die geheime Gästekartei des Grand Hotel Waldhaus in Vulpera» verewigt wurde. Abwertende und teilweise antisemitische Kommentare zu den Hotelgästen à la «Bucklige Hexe» oder «Jude, aber nett» sorgten letztes Jahr für Schlagzeilen.

Zu seiner Hoch-Zeit war das «Waldhaus Vulpera» im Unterengadin ein Kurhaus mit Strahlkraft in ganz Europa. Die Noblen und Reichen trafen sich im Hotel der Gebrüder Duri und Caspar Pinösch, um sich Gutes zu tun - unter ihnen auch gekrönte Gäste wie der russische Zar Nikolaus II. mit Familie und die niederländische Königin Wilhelmina. Später reisten Unternehmer, Politiker und Künstler ins Grand Hotel. Doch am 27. Mai 1989 nahm die glanzvolle Geschichte ein jähes Ende. Die genauen Umstände, weshalb das Grand Hotel damals Opfer von Brandstiftung wurde, konnten nie geklärt werden. Klar ist nach dem zerstörerischen Inferno nur: Ein Wiederaufbau des zuletzt von Hoteldirektor Rolf Zollinger geführten Hotels lohnt sich nicht.

Spuren des «Waldhaus» sind in Vulpera bis heute zu finden. Mehrere Hotels der ehemaligen Hotelgesellschaft Waldhaus Vulpera sind noch in Betrieb und auch das 1930 erbaute Hotelfreibad - eines der ersten Hotelfreibäder der Schweiz - existiert noch im Originalzustand.

Grand Hotel Baden: Die Armee spielte Krieg im Nobelhotel

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Das imposante Luxushotel an den Ufern der Limmat wurde von 1873 bis 1876 nach Plänen des Architekten Paul Adolphe Tièche erbaut. Mit seinen 176 Zimmern war es damals das grösste Hotel der Stadt und bekannt für seine technischen Innovationen. So war das Grand Hotel etwa das erste Gebäude in Baden, das dauerhaft mit Strom versorgt wurde. Kein Wunder, wurde das Nobelhotel gerne von Berühmtheiten wie der ehemaligen französischen Kaiserin Eugénie de Montijo, dem Schriftsteller Gottfried Keller, dem Maler Arnold Böcklin, dem Arzt Albert Schweitzer, den Forschern Marie Curie und Pierre Curie und dem Filmpionier Louis Lumière besucht.

Wie so viele Hotels stürtzte der Erste Weltkrieg auch das Grand Hotel Baden in eine tiefe Krise, aus der es sich nie mehr erholte. Die internationalen, zahlungskräften Gäste blieben aus, und dem Hotel fehlte zusehends das Geld, um die noble Infrastruktur aufrecht zu halten. Finanziell überlebt hat es nur dank eines Kredits der Schweizerischen Hotel-Treuhand-Gesellschaft. Trotz des Versuchs einer Neupositionierung im Jahr 1938 schloss das Hotel 1929, wenige Wochen nach Ausbruch des zweiten Weltkriegs, seine Tore.

Ein vom Staat in Auftrag gegebener Bericht von Architekt und FDP-Nationalrat Armin Meili kam zum Schluss, dass es in Baden keinen Bedarf für ein Grand Hotel mehr gebe. Man sah von der Sanierung ab. Stattdessen kam es 1944 zur wohl aussergwöhnlichsten Umnutzung eines ehemaligen Luxushotels. Das Gebäude wurde von der Armee und vom Zivilschutz für Übungen genutzt. So wurde beispielsweise untersucht, welche Schäden Sprengsätze und Feuer anrichten. Am 18. August 1944 wurde das Gebäude endgültig gesprengt. Heute steht an dessen Stelle das von Mario Botta entworfene, 2021 eingeweihte Thermalbad.

Grand Hotel Locarno: Wo das Filmfestival gegründet wurde

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Das Grand Hotel Locarno ist ein Spezialfall in dieser Serie: Zwar empfängt es wie alle anderen porträtierten Hotels heute keine Übernachtungsgäste mehr. Doch gibt es Pläne, dass sich das demnächst ändert. Die Artisa Group mit Sitz in Zug will dem ehemaligen Grand Hotel, das seit Jahren vor sich hin rottet, zu neuem Glanz verhelfen. Nach Plänen des Architekten Ivano Gianola soll der Komplex mit seinen 122 Zimmern und Suiten saniert und mit einem Wellnesszentrum und drei Restaurants ergänzt werden.

Sein 130-Jahr-Jubiläum verpasste das 1876 eröffnete Grand Hotel nur um Haaresbreite. Als im Dezember 2005 das Aus kam, war vom Hochglanz vergangener Tage nicht mehr viel übrig. Dabei hat alles so pompös angefangen. Das nach Plänen von Francesco Galli gebaute Hotel galt als Inbegriff des touristischen Aufschwungs im Tessin. Der südlichste Kanton lag wegen seiner isoliersten Lage lange Zeit etwas abseits der Tourismusströme. Das begann sich in den 1860er-Jahren zu ändern. Ein wesentlicher Impuls war der Bau des Gotthard-Tunnels ab 1872.[RELATED]

1925 stand das Grand Hotel Locarno im Zentrum des Weltgeschehens. Hier trafen sich Vertreter verschiedener Länder zur Friedenskonferenz von Locarno die mit den Verträgen von Locarno und einer neuen Friedens- und Sicherheitsordnung für Europa endeten. Ein weiterer Glanzpunkt in der Hotelgeschichte war 1946 die Gründung des Filmfestivals von Locarno. Der Hotelpark war damals, was die Piazza Grande heute ist: für ein paar Tage im Jahr das wohl wichtigste Freiluftkino der Welt. Die wirtschaftlichen Probleme kamen in den 90er-Jahren, als der Unterhalt kaum noch zu stemmen war und die Besitzer nur noch das Nötigste investierten.

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