Blaufränkisch war im vergangenen Dezember grosses Thema an der Veranstaltung «Arlberg-Weinberg» in Lech. Nach einer Verkostung von mehr als 50 herausragenden Blaufränkisch-Weinen aus 35 Jahren einigte sich die internationale Fachjury auf folgende Charakterbeschreibung:

«Frische und Säure mit einer präzisen Fruchtigkeit und engmaschigem Körper. Die Aromen entsprechen jenen von dunklen Beeren, gemeinsam mit einer rauchigen Würzigkeit, und zeigen Noten von getrockneten Kräutern.» Und ja, für die Juroren gilt der Blaufränkisch als eine der grössten Rotweinsorten überhaupt, sie begründen dies mit Eigenschaften wie Reifepotenzial, Reflexionsvermögen eines Terroirs, Komplexität, Finesse und Unverwechselbarkeit.

Blaufränkisch ist – nach Zweigelt – Österreichs bedeutendste rote Rebsorte, vielen gilt sie als wertvollste. Im Burgenland, wo Blaufränkisch am verbreitetsten ist, herrscht unter den Anbaugebieten ein grosser Wettstreit, wers am besten kann. Unterschiedlich ist der Blaufränkisch auf jeden Fall, je nachdem, aus welcher Ecke er stammt. Im Südburgenland, von Rechnitz im Norden bis Güssing im Süden, wird auf rund 500 Hektaren Rebbau betrieben.

Blaufränkisch ist – nach Zweigelt – Österreichs bedeutendste rote Rebsorte, vielen gilt sie als wertvollste.

Leitsorte ist der Blaufränkisch, die daraus gekelterten Roten kommen seit 2009 mit der geschützten Ursprungsbezeichnung «Eisenberg DAC» in den Verkauf, als Reserve – wie im Fall von Wachter Wieslers 2019er – muss der Wein minimal 13 Volumenprozent Alkohol aufweisen. Die Böden sind geprägt von Schiefer, am Fusse der Rebberge von stark eisenhaltigem Lehm. Beides wirkt sich auf den Wein aus, Ersteres akzentuiert die Minera­lität, Letzteres einen erdigen Geschmack und eine tanninreiche Struktur.

Vermehrt wird auch Blaufränkisch nach Lagen abgefüllt, in Österreich spricht man von Rieden. Thom Wachters Ried Königsberg ist dafür leuchtendes Beispiel. Halb so viel Welschriesling wie Blaufränkisch, also 100 Hektaren, stehen im Südburgenland in Ertrag. Meist werden daraus Weisse gekeltert, die man trinkt wie Chasselas. Krutzlers Ried Ratschen hingegen verblüfft mit einem burgundischen Touch.


Kostproben

Ganz und gar ausser­gewöhnlich: Reinhold Krutzlers barriquegereifter Welschriesling aus alten Reben der Ried Ratschen erinnert an prächtigen weissen Burgunder. Wachter Wieslers Eisenberg Reserve braucht Luft, dann erst entfaltet er seine Vorzüge. Im Glas zeigt sich ein fleischiger Blaufränkisch, kraftvoll und lang. Subtil, mineralisch, austariert, so präsentiert sich Thom Wachters Blaufränkisch aus der Ried Königsberg. Der 2018er ist ein vibrierender Rotwein und jetzt in Hochform.


Viel Schmelz [IMG 2]

Welschriesling Ried Ratschen 2021

Weingut Krutzler, Deutsch-Schützen

75 cl – 31.50 Franken, Gerstl Weinselektion, Spreitenbach


Viel Biss  [IMG 4]

Blaufränkisch Eisenberg Reserve 2019

Weingut Wachter Wiesler, Deutsch-Schützen

75 cl – 28 Franken, Smith & Smith, Zürich


Viel Substanz [IMG 3]

Blaufränkisch Ried Königsberg Reserve 2018

Thom Wachter, Eisenberg an der Prinka

75 cl – 38.50 Franken, Divo, Givisiez