Claudia Pronk, General Manager des Nira Alpina in Silvaplana, erläutert, wie das Hotel Nachhaltigkeitsdaten nutzt, um die eigene Leistung zu bewerten und gezielt weiterzuentwickeln.
Claudia Pronk, viele Hotels setzen heute auf Nachhaltigkeit. Wie findet ein Betrieb heraus, ob die eigenen Massnahmen wirklich wirken?
Die Erfahrung zeigt, dass Initiativen oft nebeneinander laufen, ohne dass ihre Wirkung systematisch erfasst wird. Entscheidend ist deshalb, genau hinzuschauen. Wo steht der Betrieb tatsächlich? Was läuft bereits gut, und wo könnte man sich verbessern?
Welche Rolle spielen dabei Ratings wie esg2go?
Ratings bringen Struktur in die Bewertung von Nachhaltigkeitsaktivitäten und machen Fortschritte sichtbar und messbar. Gleichzeitig ermöglichen sie eine Einordnung im Branchenvergleich: Betriebe sehen, wo sie stehen und in welchen Bereichen sie aufholen oder sich differenzieren können.
Inzwischen gibt es eine neue esg2go-Branchenlösung für die Hotellerie. Warum braucht es das?
Die Hotellerie hat sehr spezifische Abläufe. Kennzahlen wie der Energie- oder Wasserverbrauch pro Logiernacht oder pro Zimmer sind zentral, ebenso Themen wie Food Waste im Restaurantbetrieb, regionale Beschaffung oder der Ressourcenverbrauch pro Gast. Solche Besonderheiten sollten berücksichtigt werden können, damit ein realitätsnahes Bild der eigenen Leistung entsteht und eine noch bessere Vergleichbarkeit innerhalb der Branche möglich ist.
Wie wirkt sich das in der Praxis aus?
Nehmen wir das Thema Food Waste. In Schweizer Hotels und Restaurants fallen jährlich rund 290'000 Tonnen Lebensmittelabfälle an, wovon ein grosser Teil vermeidbar wäre. Eine gezielte Analyse kann aufzeigen, wo Abfälle entstehen und welche Verbesserungen, etwa in der Planung, im Einkauf oder im Angebot, möglich sind. Oft zeigen sich bereits durch kleinere Anpassungen messbare Effekte – nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich, etwa durch reduzierte Einkaufskosten oder geringere Entsorgungsgebühren.
Und bei der Beschaffung?
Da verhält es sich ähnlich. Wenn Betriebe Herkunft, Anteil regionaler Produkte oder Labels systematisch erfassen, erkennen sie schneller, wo sie gut aufgestellt sind und wo noch Potenzial besteht.
Mit einer Branchenlösung entsteht also ein klareres Gesamtbild der eigenen Nachhaltigkeitsleistung?
Ja. Dieses Gesamtbild schafft Transparenz über alle Bereiche hinweg. Operativ hilft es den Hotelbetrieben, Prozesse gezielt zu optimieren, Kosten zu senken und Ressourcen effizienter einzusetzen. Strategisch unterstützt es dabei, Ziele zu definieren, Fortschritte messbar zu machen und Nachhaltigkeit als festen Bestandteil der Unternehmensführung zu verankern. Damit entwickelt sich esg2go von einem reinen Reporting-Thema zu einem echten Steuerungsinstrument.
Kommen wir zur Datenerhebung. Die gilt oft als aufwendig. Wie zeigt sich das in der Praxis?
Viele Informationen sind vorhanden, jedoch nicht zentral erfasst. Die Herausforderung liegt darin, diese Daten zusammenzuführen. Dieser initiale Aufwand wird oft unterschätzt, schafft aber die Grundlage dafür, Daten im weiteren Verlauf mehrfach nutzen zu können. Wichtig ist dabei, pragmatisch zu starten und den Prozess schrittweise zu vertiefen. Nicht alle Daten müssen von Anfang an vorliegen.
Was hat Ihnen dieser Prozess über Ihren eigenen Betrieb gezeigt?
Die Datenerhebung hat uns vor allem gezeigt, wo noch Potenzial liegt. In unserem Fall bei der Energieeffizienz in den Zimmern oder bei der Abfalltrennung. Gleichzeitig hat der Prozess deutlich gemacht, wie wichtig Kommunikation ist – sowohl im Team als auch unseren Gästen gegenüber. Deshalb haben wir eine Kampagne gestartet, die unsere Nachhaltigkeitsmassnahmen sichtbarer macht. Gäste verstehen so besser, was wir tun, und das Thema wird auch intern stärker verankert. Sie erwähnen die Mitarbeitenden.
Welche Rolle spielen sie für eine Nachhaltigkeitsstrategie?
Eine grosse. Viele Verbesserungen entstehen direkt im Arbeitsalltag. Mitarbeitende erkennen oft schnell, wo sich Prozesse optimieren lassen. Entsprechend sinnvoll ist es, Formate zu schaffen, in denen diese Ideen eingebracht und weiterentwickelt werden können, denn praxisnahe Lösungen lassen sich in der Regel auch schneller umsetzen. Gleichzeitig stärkt dies die Identifikation der Mitarbeitenden mit dem Betrieb und dessen Nachhaltigkeitszielen.
Zum Schluss ein Blick nach vorne. Welche Rolle wird esg2go künftig für die Wettbewerbsfähigkeit von Hotels spielen?
Die Erwartungen von Gästen, Mitarbeitenden und Partnern steigen. Gleichzeitig nehmen regulatorische Anforderungen und Berichtspflichten zu, auch indirekt über Investoren oder Banken. Deshalb entwickelt sich esg2go immer mehr zu einem integralen Bestandteil der Unternehmensführung. Für Betriebe wird es somit wichtiger, entsprechende Strukturen aufzubauen und Fortschritte nachvollziehbar aufzuzeigen. Nachhaltigkeit wird damit zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor.
Dieser Fachartikel ist in Zusammenarbeit mit der SQS entstanden.
Verifizierung schafft Transparenz und Glaubwürdigkeit
Eine Verifizierung durch die Schweizerische Vereinigung für Qualitäts- und Management-Systeme (SQS) dient der unabhängigen Überprüfung der erfassten Daten und bestätigt deren Richtigkeit. esg2go wird von Swisstainable als Nachweis für das «Level II – engaged» anerkannt, sofern ein «Verified Rating» vorliegt, die Mindestpunktzahl von 65 Punkten im Footprint erreicht wird und die erforderlichen Finanzdaten erfasst sind.