Wer die Weberei der Schwob AG betritt, versteht sein eigenes Wort nicht mehr. Der Lärm ist ohrenbetäubend. Webmaschinen jagen das Garn mit rasendem Tempo durch Tausende gespannter Fäden. Hinter den über 150 Jahre alten Backsteinmauern beim Bahnhof Burgdorf entsteht etwas schweizweit Einzigartiges: feinste Stoffe für Hotellerie, Gastronomie und Kliniken. Täglich im Einsatz und im direkten Gästekontakt. [RELATED]
Ein grosses Erbe
Der Standort im Emmental blickt auf eine jahrhundertealte Tradition zurück. Einst prägten Flachsanbau und -verarbeitung die Region. Bis heute zeugt der weitläufige Gebäudekomplex der letzten industriellen Leinenweberei von den Glanzzeiten der Schweizer Textilindustrie. Dieses Erbe will Schwob bewahren – und konsequent weiterentwickeln. Das Unternehmen beschäftigt heute rund 240 Mitarbeitende und arbeitet vor allem im B2B-Geschäft. In Burgdorf sind rund 60 Personen tätig. Hier befinden sich Verwaltung, Weberei sowie Konfektions- und Stickereiabteilung. Mit Schweizer Präzision, viel Handarbeit und einem innovativen Geschäftsmodell behauptet sich Schwob im hart umkämpften Textilmarkt.
Wir drücken unseren Kunden nicht einfach einen Katalog in die Hand.
Cornelia Magno, Textildesignerin Schwob AG
Hightech statt Nostalgie
In der grossen Produktionshalle hat Nostalgie keinen Platz. Elf vollautomatische Jacquard-Webmaschinen von Dornier-Stäubli bestimmen den Takt. Modernste Elektronik steuert jeden der insgesamt 75 000 Fäden einzeln. Reisst einer, blinkt ein rotes Licht. Die Maschine stoppt, ein Mitarbeiter greift ein, knotet den Faden – und weiter gehts.
Produktionsleiter Andreas Meier und sein fünfköpfiges Team sorgen für einen reibungslosen Ablauf. Vor über 40 Jahren hat Meier hier seine Lehre gemacht. «Damals standen 120 Webmaschinen in dieser Halle, gesteuert mit mechanischen Lochkarten. Alles war fehleranfälliger. Was wir hier sehen, ist ein Quantensprung», sagt er.
Im Zweischichtbetrieb laufen die Maschinen von fünf Uhr morgens bis zehn Uhr abends. Gerade webt eine Maschine den Schriftzug des «Beau-Rivage Interlaken» in das Gewebe – Zentimeter für Zentimeter, individuell gefertigt. So entstehen Jahr für Jahr rund 300 Kilometer feinstes Tuch.
«Die Jacquard-Webmaschinen sind technische Wunderwerke. Wir können jedes erdenkliche Muster einweben – grafische Elemente, Schriftzüge oder Blumenmotive», so Meier. Der Aufwand lohnt sich. «Bedruckte Stoffe sehen anfangs gut aus, doch die Farben verblassen. Gewebte Sujets dagegen bleiben, ein Textilleben lang.»
Für jedes Haus die passende Lösung
Das Design entsteht im Atelier von Textil- und Farbdesignerin Cornelia Magno. Seit fast 30 Jahren arbeitet sie bei Schwob. «Als noch Lochkarten im Einsatz waren, habe ich jedes Muster Punkt für Punkt auf Millimeterpapier gezeichnet», erzählt sie. Heute ist der Computer ihr wichtigstes Werkzeug.
300 Kilometer Stoff pro Jahr produziert die Weberei in Burgdorf.
11 Jacquard-Webmaschinen stehen in einer der modernsten Webereien Europas.
75‘000 Fäden werden beim Weben einzeln angesteuert und ermöglichen komplexe, eingewebte Designs.
400 industrielle Waschzyklen halten die Textilien aus – weit mehr als Standardware.
12‘000 Tonnen Wäsche pro Jahrverarbeiten die fünf hauseigenen Wäschereien.
6 Liter Wasserverbrauch pro Kilogramm in der professionellen Wäscherei, gegenüber 25 Litern im Privathaushalt.
«Wir drücken unseren Kunden nicht einfach einen Katalog in die Hand», sagt Magno. «Wir hören zu und entwickeln gemeinsam eine Lösung, die zum Haus passt.» CAD-Programme übersetzen die Ideen in individuelle Entwürfe. Wenn sich Kunden nur schwer vorstellen können, wie eine Farbe oder ein Muster im Raum wirkt, erstellt die Designerin eine 3D-Visualisierung. So lassen sich Varianten durchspielen.
Von Luxus bis Low Budget
Am Anfang steht für Hoteliers die einfache Frage: Was braucht unser Haus wirklich? Zu Schwobs Kunden zählen 5-Sterne-Hotels, Jugendherbergen, aber auch kleine Bed and Breakfasts und Boutique-Hotels. Für Cornelia Magno ist jeder Auftrag einzigartig. «Ob Luxushotel oder kleines Haus spielt keine Rolle. Entscheidend ist eine Lösung, die dem Haus und seinem Anspruch gerecht wird.» Ist das Budget kleiner, wird der Weg pragmatischer – nicht schlechter. «Dann entwickeln wir vielleicht keine eigene Kollektion, finden aber trotzdem eine überzeugende Alternative.» In solchen Fällen kommen auch hochwertige Handelsprodukte zum Einsatz, die Schwob ergänzend im Sortiment führt.
Präzision bis zum letzten Stich
Nach der Weberei folgt die Feinarbeit – ein entscheidender Schritt, bevor ein Textil im Hotelzimmer oder Restaurant seinen Platz findet. In der Qualitätssicherung prüft eine Mitarbeiterin zunächst mit Argusaugen jede Stoffbahn Zentimeter für Zentimeter, die Pinzette in der Hand. Kleinste Fehler markiert sie sofort, damit sie beim Zuschnitt berücksichtigt werden.
In der von Tageslicht durchfluteten Halle der Konfektionierung arbeiten 16 Mitarbeitende. Sie fertigen die Textilien schliesslich Stück für Stück. Vieles bleibt Handarbeit: Die Mitarbeiterinnen nähen breite Säume selbst, platzieren Logos millimetergenau und fertigen mit Spezialmaschinen Hohlsäume, Knopflöcher sowie dekorative Details. Hightech unterstützt im Hintergrund.
Sonderwünsche und Kleinserien gehören zum Alltag. «Wir fertigen individuelle Produkte, auch in kleinen Auflagen, und liefern schnell», sagt CEO Stephan Hirt. Eine Serie von 1200 Servietten für das Wankdorf-Stadion etwa versäumt eine Näherin innerhalb von zwei Tagen.
Vom Weben bis zum Waschen
Hoteltextilien folgen einem Kreislauf: vom Einsatz in Zimmern und im Restaurant zurück in die Aufbereitung und von dort wieder in den Betrieb. Stephan Hirt weiss: «Unsere Kunden wollen schöne Textilien. Aber sie erwarten auch einen verlässlichen Wäscheservice.» Diese Einsicht markierte 2008 einen Wendepunkt für Schwob.
Damals erweiterte das Unternehmen sein Angebot um die Wäscherei. Seither betreut es den gesamten Lebenszyklus seiner Textilien – mit einem Mietwäsche-Vollservice (siehe rote Box). Das Prinzip: Hotels lassen ihre Tisch- und Bettwäsche produzieren, ohne sie zu kaufen. Abgerechnet wird nur, was tatsächlich in der Wäscherei landet.
Heute nutzen über 700 Kunden in der Schweiz dieses Modell. Fünf eigene Wäschereien und 30 regionale Partnerbetriebe waschen die Textilien. «Unsere Lastwagen fahren nicht Hunderte von Kilometern, nur weil es irgendwo billiger ist», betont Hirt. «Nähe zum Kunden ist Teil unseres Serviceversprechens.» Im Wäschereialltag wird dieser Anspruch täglich umgesetzt.
Unsere Kunden wollen schöne Textilien. Aber sie erwarten auch einen verlässlichen Wäscheservice.
Stephan Hirt, CEO Schwob AG
Spürbare Qualität
Vom Garn bis zum letzten Waschgang zählen Langlebigkeit, Pflege und Wiederverwendung. Die hochwertigen Stoffe aus der Leinenweberei Schwob halten bis zu 400 Waschgängen stand, was einem Vielfachen von handelsüblichen Textilien entspricht.
«Wir schaffen die Quadratur des Kreises», sagt Hirt und streicht über einen Stapel frisch konfektionierte Bettwäsche. «Sie fühlt sich fast wie Seide an – und bleibt trotzdem industriell waschbar.» Textilien, sagt er, seien Berührungspunkte. «Gäste spüren sie, noch bevor sie sie bewusst wahrnehmen: die Bettwäsche beim Zubettgehen, das Frottiertuch nach der Dusche, die Serviette beim Frühstück.» Ob sich etwas hochwertig anfühle, entscheide sich im Unterbewusstsein.
Auch am Ende bleibt das Textil Teil des Kreislaufs. «In einem aktuellen Projekt versuchen wir, bis zu 40 Prozent unserer End-of-Life-Textilien wieder in den textilen Kreislauf zurückzuführen», sagt Hirt. Ein Teil wird zu neuem Garn verarbeitet und erneut eingesetzt, etwa für Frottiertücher. Anderes erhält ein zweites Leben als Wäschesack oder als Give-away für Hotelgäste.
Swissness in der DNA
Für Schwob ist die Produktion in der Schweiz ein bewusster Entscheid. Er beginnt in der Weberei in Burgdorf, führt über die Veredelung und die Konfektionierung im eigenen Atelier – und endet mit den letzten Waschgängen in der Wäscherei. Dass Herstellung und Service hierzulande teurer sind, stellt Hirt nicht infrage. «Die 20 bis 25 Prozent Mehrkosten holen wir wieder rein», sagt er. «Mit Langlebigkeit, Qualität, Swissness – und Nähe zum Kunden.»
Rundumservice für Hoteliers und Gastronominnen
Beim Mietwäsche-Vollservice der Schwob AG bezahlen Kunden nur die effektiv gewaschene Wäsche, pro Kilo oder Stück. Schwob holt die Wäsche ab, wäscht, kontrolliert, ersetzt beschädigte Teile und liefert sie termingerecht zurück. Kosten für Personal, Maschinen, Lager, Strom, Waschmittel und Reparaturen entfallen. Das Modell senkt Fixkosten, schafft Kostentransparenz und entlastet den Betrieb im Alltag. Investitionen in den Kauf von Textilien sind nicht nötig. Dank eigener Wäschereien und ausgewählter Partner ist das Angebot schweizweit verfügbar.
