Den Anstoss zur Neuausrichtung der Stiftung Tschumi gab das 75-jährige Bestehen im Jahr 2024. Für den Stiftungsrat war das Jubiläum Anlass, die künftige Rolle der Stiftung zu hinterfragen. Die Förderung der beruflichen Aus- und Weiterbildung sei heute aktueller denn je, da sich der Fachkräftemangel im Gastgewerbe weiter verschärfe. 

Dieses Problem habe die Branche bereits vor 75 Jahren beschäftigt und sei heute mindestens ebenso relevant, so Thomas Allemann, Geschäftsführer der Stiftung Tschumi. Mit dem geplanten Verkauf des Schulhotels Regina in Interlaken verändere sich zudem die Ausgangslage der Stiftung grundlegend. 

Bislang vereinte die Stiftung zwei Aufgaben: Einerseits unterstützte sie Lernende und Studierende finanziell, andererseits war sie als Eigentümerin des Schulhotels für den Internatsbetrieb verantwortlich. Künftig soll der Fokus auf Personen liegen, die ihre Ausbildung ohne finanzielle Hilfe nur schwer oder gar nicht absolvieren könnten. [RELATED]

Unterstützung bereits beim Berufseinstieg

Im Zuge der Neuausrichtung ersetzt die Stiftung Tschumi ihr bisheriges Talentförderungskonzept durch ein breiter angelegtes Unterstützungskonzept. Das bisherige Modell konzentrierte sich vor allem auf höhere Fachschulen, Fachhochschulen und internationale Austauschprogramme. Die Unterstützung von Lernenden in der Grundbildung spielte dagegen eine untergeordnete Rolle. 

Stiftung Tschumi

Die Stiftung Tschumi unterstützt Lernende und Studierende im Gastgewerbe sowie Ausbildungsbetriebe finanziell.

Weitere Informationen: www.hotelleriesuisse.ch

«Nur wenn es uns gelingt, mehr junge Menschen für einen Beruf im Gastgewerbe zu begeistern, können wir langfristig dem Fachkräftemangel entgegenwirken», sagt Thomas Allemann. Gleichzeitig könnten so mehr Nachwuchskräfte für eine spätere tertiäre Ausbildung gewonnen werden. Allemann weist zudem darauf hin, dass der Begriff «Talentförderung» teilweise missverständlich gewesen sei. Im Zentrum der Unterstützung stehe nicht primär die Leistung, sondern die finanzielle Bedürftigkeit. Von den Geförderten erwarte die Stiftung jedoch ein korrektes Verhalten sowie die Bereitschaft, gute Leistungen zu erbringen. Bei Stipendien für die tertiäre Ausbildung würden zusätzlich bestimmte Leistungskriterien berücksichtigt.

Die stärkere Ausrichtung auf die Grundbildung begründet die Stiftung mit der Durchlässigkeit des Schweizer Bildungssystems. Wer Fachkräfte auf allen Bildungsstufen fördern wolle, müsse bereits bei den Lernenden ansetzen, erklärt Allemann. Diese frühe Förderung sei entscheidend, um langfristig genügend Nachwuchskräfte für die Branche zu gewinnen.

Zudem sieht die Stiftung gerade zu Beginn einer Lehre finanzielle Hürden. Berufskleider, Messer, Lernsoftware oder ein Laptop verursachten Kosten, die für manche Familien schwer zu tragen seien. Besonders für junge Menschen mit Migrationshintergrund könne dies eine erhebliche Eintrittsbarriere darstellen. Diese Hürden wolle die Stiftung möglichst abbauen, so Allemann.

Nur wenn es uns gelingt, mehr junge Menschen für einen Beruf im Gastgewerbe zu begeistern, können wir langfristig dem Fachkräftemangel entgegenwirken.
Thomas Allemann, Geschäftsführer Stiftung Tschumi

Bonus für inklusive Ausbildungsbetriebe

Neu führt die Stiftung auch einen Ausbildungsbonus für Betriebe ein, die Lernende mit Beeinträchtigung ausbilden. Unternehmen, die im Sinne der sozialen Nachhaltigkeit zusätzliche Verantwortung übernehmen, werden finanziell honoriert. Vergleichbare Beiträge kennt die Stiftung bereits für Betriebe, die ihren Lernenden eine berufsbegleitende Berufsmaturität ermöglichen. Mit dem Ausbildungsbonus setzt die Stiftung ein Zeichen für mehr Inklusion in der Berufsbildung und würdigt das Engagement dieser Betriebe.

Unterstützung, die ankommt

800+ unterstützte Nachwuchskräfte
90+ unterstützte Ausbildungsbetriebe
2,5 Mio. Franken ausbezahlte Beiträge

Ein weiterer Schwerpunkt liegt bei der Erwachsenenbildung. Aufgrund der demografischen Entwicklung rechnet die Stiftung nicht mit einem starken Anstieg bei den Schulabgängern. Deshalb müsse die Branche künftig vermehrt Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger aus anderen Berufsfeldern gewinnen. Für Erwachsene sei eine Berufslehre oft mit finanziellen Einbussen verbunden, so Allemann. Die Stiftung wolle dazu beitragen, diese Lücke teilweise zu schliessen und den Zugang zu einer Ausbildung im Gastgewerbe zu erleichtern.

Fundraising soll neue Mittel erschliessen

Um die Förderaktivitäten auszubauen, setzt die Stiftung künftig verstärkt auf Fundraising. Zwar seien Spenden und Legate schon bisher möglich gewesen, in den vergangenen Jahren habe die Stiftung jedoch kaum entsprechende Zuflüsse verzeichnet. Das soll sich ändern.

Langfristig möchte sich die Stiftung Tschumi als führende Förderstiftung für den Nachwuchs der Schweizer Hotellerie positionieren. Angesprochen werden sollen sowohl Kleinspender aus der Branche und dem Bildungsumfeld als auch Hotels, Hotelgruppen, Investoren und Mäzene. Ein weiteres Augenmerk gilt Legaten von Personen mit Bezug zur Hotellerie. Das konkrete Konzept befindet sich noch in Ausarbeitung.

Der Erfolg der Neuausrichtung wird für Allemann an zwei Faktoren messbar sein: an der Zahl der Lernenden und Studierenden, die unterstützt werden können, sowie an den verfügbaren Fördermitteln. «Je mehr Erfolgsgeschichten wir ausweisen können, desto eher können wir auch Spendengelder generieren», ist er überzeugt.